Taucher hievt ein altes Fahrrad aus der Lahn.

Die "Lahntaucher" fischen in Marburg Müll aus dem Fluss - in diesem Jahr waren es mehr als vier Tonnen. Im Wasser findet die Gruppe von Freiwilligen Fahrräder, Baustellenzäune und manchmal auch Historisches.

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Müllberge in der Lahn

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Marburger Taucher haben in diesem Jahr bergeweise Müll aus der Lahn und von ihrem Ufer zusammengetragen. Insgesamt seien rund 4,1 Tonnen Unrat zusammengekommen, berichtete die private Initiative von Freiwilligen, die sich "Lahntaucher" nennen.

Handgeschmiedete Waffe entdeckt

Seit April waren sechs Taucher in Marburg rund 40 Mal an und in der Lahn im Einsatz. Häufig fanden sie Einkaufswagen, Fahrräder, Baustellenzäune, Regenschirme, Glasflaschen und Plastikmüll. Aber auch ein Motorrad, eine Waschmaschine und eine Parkuhr aus D-Mark-Zeiten gehören zu den Fundstücken, wie Noah Boonma, einer der Initiatoren, berichtete. Diese speziellen Funde präsentieren die Hobbytaucher auf ihrer Instagram-Seite.

"Wir zeigen, dass Umweltschutz auch Spaß machen kann und eine coole Sache ist. Spannend ist natürlich, dass wir nie wissen, was wir finden." Die Gruppe ist auch schon auf Historisches gestoßen: Bei einem ihrer Funde könnte es sich nach Einschätzung von Experten um eine handgeschmiedete Jagdwaffe oder um eine abgebrochene Stangenwaffe aus dem 16. oder 17. Jahrhundert handeln.

1,1 Tonnen Müll bei großer Aktion gesammelt

Boonma taucht mit Neoprenanzug, Haube und Füßlingen. "Am Anfang sind wir in Badehosen und mit der Taucherbrille vom letzten Sommerurlaub getaucht." Inzwischen haben sich die "Lahntaucher" immer weiter professionalisiert, auch wenn noch immer einiges an Ausrüstung fehlt. Deshalb haben sie ein Spendenkonto eingerichtet.

Aber auch Hilfe bei Tauchgängen sei willkommen. "Wir haben bei einer Aktion mit knapp 100 Leuten, die auch an Land Müll gesammelt haben, rund 1,1 Tonnen Müll zusammenbekommen", sagte der 26-Jährige.

"Manchen Menschen fehlt es an Umweltbewusstsein"

Der Student hat gemeinsam mit einem Freund, Sebastian Pollok, mit diesem Hobby angefangen. Eine Freundin der beiden hatte sich zuvor an einer Scherbe im Wasser verletzt. "Wir wollten die Uferstelle von Scherben befreien", sagte Boonma. Dabei seien sie auf weiteren Unrat wie eine Bohrmaschine gestoßen. "Wir haben uns dann gedacht, dass es an anderen Stellen bestimmt noch viel schlimmer aussieht." So war die Idee geboren, Müll aus der Lahn zu holen.

Manchen Menschen fehle es an Umweltbewusstsein, findet Boonma. Anders könne er sich nicht erklären, dass Müll nach dem Grillen ins Wasser geworfen werde. Oder dass sich auch Giftiges wie Autobatterien, Lösungsmittel oder Farbtöpfe in der Lahn finden. "Man kann halt nicht ins Wasser schauen." Andernfalls würde der Müll die Menschen mehr stören, vermutet der Student.

Verletzungsrisiko für Fische und Vögel

Der Unrat ist ein Problem für Fluss, Flora und Fauna, teilte das Umweltministerium mit. Grundsätzlich stelle "jegliches Einbringen von Abfall in ein Gewässer eine Verschlechterung der Gewässereigenschaften im physikalischen, chemischen oder biologischen Sinne" dar und bedeute somit eine Beeinträchtigung des sensiblen Lebensraums.

Scharfkantige Gegenstände bergen demnach ein Verletzungsrisiko für Fische und andere größere Wassertiere sowie Vögel. Mikroplastik und Chemikalienreste könnten die Vitalität von Würmern, Schnecken, Muscheln oder Krebstieren beeinträchtigen. Nach Angaben des Ministeriums hat die illegale Müllentsorgung in den vergangenen, von der Corona-Pandemie geprägten Monaten zugenommen.

Letzter Tauchgang bei vier Grad Wassertemperatur

Von der Stadt Marburg gibt es Zuspruch für die Aktion der "Lahntaucher": "Generell begrüßt es die Stadt sehr, wenn sich Menschen in ihrer Freizeit für die Umwelt einsetzen, indem sie beispielsweise Müll sammeln", sagte eine Sprecherin. Die Untere Naturschutzbehörde habe die Gruppe auch über Auflagen für die Reinigungsaktionen im Landschaftsschutzgebiet Lahn informiert. Zum Schutz der Arten dürfe etwa in bestimmten Bereichen und zu bestimmten Zeiten kein Müll gesammelt werden.

Die "Lahntaucher" haben mittlerweile ihren letzten Tauchgang des Jahres absolviert - bei einer gemessenen Wassertemperatur von vier Grad. Ab kommendem März wollen sie auf der Suche nach Müll wieder ins Wasser gehen.

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