Menschenmenge mit Transparent "Gemeinsam gegen Rechten Terror"
Alleine in Kassel demonstrierten rund 2.000 Menschen. Bild © hr

Rund 2.000 Menschen haben in Kassel gegen Rechtsextremismus demonstriert. Sie forderten unter anderem eine Auflösung der Neonazigruppe "Combat 18". Zu einer Mahnwache für den getöteten Walter Lübcke waren zuvor Hunderte nach Wolfhagen gekommen.

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Rund 2.000 Menschen sind nach Polizeiangaben am Samstag in Kassel einem Aufruf von mehr als 60 lokalen Organisationen zu einer Demonstration gegen Rechtsextremismus und Gewalt gefolgt. Unter anderem hatten SPD, Grüne und Linkspartei sowie Gewerkschaften, das Staatstheater und die Bewegung Seebrücke, die sich für die Aufnahme von Mittelmeerflüchtlingen einsetzt, den Protest organisiert.

Anlass war die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) Anfang Juni in Wolfhagen. Als dringend tatverdächtig gilt der in Untersuchungshaft sitzende Stephan E. Der 45-Jährige ist wegen Gewalttaten mehrfach vorbestraft und soll noch bis vor kurzem enge Kontakte zur Neonazi-Szene gehabt haben, unter anderem zur militanten Gruppe "Combat 18".

Demonstranten fordern Auflösung von "Combat 18"

Deren Verbot und Auflösung war eine der zentralen Forderungen der Demonstranten. In ihrem Aufruf hieß es: "Schon wieder ist es Kassel" - mit Blick auf den 2006 durch die rechte Terrorzelle NSU ermordeten Kasseler Internetcafe-Betreiber Halit Yozgat.

Die Demonstration startete am frühen Nachmittag mit einer Auftaktkundgebung am Opernplatz. Anschließend zog die Menge durch die Innenstadt. Auf der Fuldabrücke gab es eine Zwischenkundgebung. Dort wurde eine Schweigeminute für Lübcke eingelegt, außerdem wurden in seinem Gedenken weiße Rosen in die Fulda geworfen.

Eine Abschlusskundgebung fand auf dem Halitplatz statt. "Aus polizeilicher Sicht verlief die Versammlung friedlich und vollkommen störungsfrei", resümierte der Einsatzleiter. Trotz einiger Straßensperrungen und Unleitungen von Regiotrams und Straßenbahnen hätten sich die Verkehrsbehinderungen "im Rahmen" gehalten, so die Polizei.

Hunderte bei Mahnwache in Wolfhagen

Bereits am Vormittag hatten mehrere hundert Teilnehmer bei einer Mahnwache für Lübcke auf dem Markplatz in Wolfhagen (Kassel) gegen Hass, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Dazu aufgerufen hatten der Evangelische Kirchenkreis Wolfhagen sowie die Stadt und die Stadtverordnetenversammlung der nordhessischen Gemeinde.

"Der Marktplatz war voll", sagte der Dekan des Evangelischen Kirchenkreises, Gernot Gerlach. Es seien weit mehr Menschen gekommen als erwartet. Viele hatten Kerzen mitgebracht.

"Er ist als Christ ermordet worden", betonte Gerlach. Grundlage und Orientierung von Lübckes Handeln, auch seines Einsatzes für Geflüchtete, sei das Jesus-Wort gewesen. Auch Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) sprach zu den Teilnehmern und rief zum Widerstand gegen Rechtsextremismus auf.

Sendung: hessenschau, 22.6.2019, 19.30 Uhr