Tausende Schüler trotzen dem Regen beim Friday For Future in Frankfurt.
Tausende Schüler trotzen dem Regen beim Friday For Future in Frankfurt. Bild © Sonja Süß (hr)

"Es gibt kein Recht auf Kohlebaggerfahren": Schüler sind am Freitag für besseren Klimaschutz durch hessische Städte gezogen, rund 2.000 waren es in Kassel. Zur Demo in Frankfurt kamen weniger Demonstranten als erwartet.

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Mit der Kapuze tief im Gesicht steht der 10-jährige Severin am Freitag auf der Bockenheimer Warte bei der Fridays-for-Future-Demo, um ihn herum tausende Schüler mit bunten Plakaten. Musik dröhnt vom Lautsprecherwagen. "Ich möchte etwas beeinflussen", sagt er. Severin sorgt sich ums Klima, er möchte, dass die Regenwälder besser geschützt werden. Er geht in die 5. Klasse einer Frankfurter Schule, die Schüler haben frei bekommen, erklärt seine Mutter: Wer nicht zur Demo kommen will, darf in der Schule bleiben – im Unterricht soll den ganzen Freitag über das Klima diskutiert werden.

In 1.200 Städten in 92 Ländern auf fünf Kontinenten demonstrieren an diesem Freitag Jugendliche für einen wirksamen Klimaschutz. Die Frankfurter Demonstration ist trotz Regenwetters gut besucht. Rund 6.000 Schüler seien gekommen, schätzte die Polizei am Nachmittag. Die Initiatoren hatten auf 10.000 gehofft. Mit Sprechchören wie "Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut" zog die Demonstration am Mittag durch die Innenstadt. Die Schüler hoffen, sie zum "größten Klimatag" der Geschichte zu machen.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) twitterte am Freitag ein Video von der Demo auf dem Römerberg und schrieb, er teile die Ziele des Protests "von ganzem Herzen". Gleichzeitig lud er die 16-jähige schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg nach Frankfurt ein. Thunberg ist die Initiatorin der Friday-for-Future-Bewegung.

Schülerin: "Die Politiker schützen unser Klima nicht"

Alessandra
Abiturientin Alessandra (re.) und Freundinnen in Frankfurt Bild © Sonja Süß (hr)

Auch die Schüler der Gutenbergschule durften an diesem Freitag offiziell in der 5. und 6. Stunde fehlen. Alessandra ist 19 Jahre alt, Veganerin und gerade mitten im Abiturstress: "Das Klima ist aussichtsloser als mein Mathe-Abi" steht in bunter Schrift auf ihrem Schild. Die Mathe-Prüfung ist im Mai, aber das Klima macht ihr mehr Sorgen, besonders die Massentierhaltung. "In unserer Hand liegt die Zukunft", sagt Alessandra.

Sie sei wegen des Klimas auf der Demonstration – nicht wie manche den Schülern vorwerfen, um eine Ausrede zu haben, den Unterricht zu schwänzen. "Die Politiker schützen unser Klima nicht, deswegen müssen wir Schüler das machen", erklärt Alessandra.

Tausende in Kassel auf der Straße

Trotz des Regenwetters war der Platz vor dem Kasseler Hauptbahnhof am Freitagmorgen gut gefüllt. Mädchen und Jungen aus 60 Schulen in Kassel und dem Umland hatten sich für die Fridays for Future-Demo angekündigt. Zum Auftakt sagte ein Redner, dass es um die Verkehrswende gehe. Deshalb wolle man während des Zuges durch die Innenstadt möglichst viele Hauptstraßen blockieren.

Schüler halten Plakat hoch bei Fridays for Future
Schüler bei der Fridays-for-Future-Demo in Kassel Bild © Stephan Wirbelauer (hr)

Auf dem Opernplatz fand die Abschlusskundgebung statt. Daran sollen schätzungsweise 2.000 Schüler teilgenommen haben. Mit Transparenten, Sprechchören und Trillerpfeifen machten sie ihr Anliegen deutlich - die Forderung nach einem wirksamen Klimaschutz.

Wie in Kassel wollten sich auch in zahlreichen anderen hessischen Städten Schüler an dem weltweiten Protesttag der Fridays-for-Future-Bewegung beteiligen. Insgesamt rechnete die Landesschülervertretung mit rund 25.000 Schülern. Zum Protest im verregneten Frankfurt kamen allerdings deutlich weniger Demonstranten als die erwarteten 10.000, die Polizei sprach von etwa 5.000 Teilnehmern. Auch Lehrer und Schulleiter wurden von der Landesschülervertretung (LSV) zur Teilnahme aufgerufen.

"Größter Klimatag" der Geschichte

Demo auf dem Marburger Martkplatz.
In Marburg demonstrierten nach Polizeiangaben 3.000 Schüler. Bild © Jochen Schmidt (hr)

In Darmstadt sprach die Polizei von 1.800 Teilnehmern. Die Riesengruppe war bunt gemischt, von Grundschülern bis Studenten. In Fulda beteiligten sich nach ersten Angaben rund 200 Jugendliche an der Demo. "The climate is hotter than my boyfriend" - das Klima ist heißer als mein Freund - war einer der Sprechchöre.

Auch in Mittelhessen gingen Schülerinnen und Schüler auf die Straße. Die größte Kundgebung fand in Marburg statt. Hier sprach die Polizei von 3.000 Teilnehmern. Ebenfalls demonstriert wurde in Gießen (1.200 Teilnehmer), Friedberg (300), Wetzlar (150) und Herborn (30).

Im Regen für das Klima: Demonstranten in Limburg
Nass werden für das Klima: Demonstranten in Limburg Bild © Klara Türk

In Wiesbaden kamen etwa 700 Schüler zur Demonstration. "Talking is not enough" - Reden ist nicht genug, stand auf einem Plakat. Kleinere Kinder wurden von ihren Eltern begleitet.

Schulamt: "Unentschuldigtes Fehlen"

Die Schulämter hatten die Schulen aufgefordert, es als "unentschuldigtes Fehlen" vom Unterricht zu bewerten, wenn Schüler demonstrieren. Dies hatte im Vorfeld zu hitzigen Diskussionen über die Meinungsfreiheit und die mündige Teilhabe an der Gesellschaft geführt. Nicht alle Schulen hielten sich an die Vorgaben.

Weitere Informationen

Liste der Demos

Hier finden diese Woche Fridays-for-Future-Demos statt

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Seit Wochen gehen weltweit jeden Freitag Schüler während der Schulzeit für den Klimaschutz auf die Straße. Das Vorbild der Jugendlichen ist die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die jeden Freitag vor dem schwedischen Parlament protestiert. Einer Liste des Netzwerks zufolge sind am Freitag Kundgebungen in mehr als 1200 Städten in 92 Ländern geplant. In Deutschland soll es rund 200 Proteste geben.

Schüler halten Transparente für Klimaschutz.
Die Schüler hatten in Darmstadt zahlreicheSchilder mitgebracht. Bild © Silke Sutter (hr)