Betrug Telefon Büro Sujet

Die Angst vor Einsamkeit und einer Erkrankung durch das Coronavirus wächst. Die Telefonseelsorge verzeichnet einen enormen Anstieg an Anrufen. Die Mitarbeiter sind nicht sicher, wie lange sie noch ihren Service aufrecht erhalten können.

Corona bestimmt zunehmend die Arbeit der Telefonseelsorge: Der Anteil der Gespräche, die sich um das Virus drehen, ist beispielsweise bei der Telefonseelsorge Darmstadt innerhalb von einer Woche von fünf auf 30 Prozent gestiegen. Bei der Evangelischen Telefonseelsorge in Frankfurt stieg er im gleichen Zeitraum von sieben auf 25 Prozent, bei der Ökumenischen Telefonseelsorge in Mainz/Wiesbaden von 12 auf 25 Prozent. "Ich kann mich nicht erinnern, so etwas schon einmal erlebt zu haben", sagt Jochen Kreyscher, Pfarrer im Evangelischen Dekanat Mainz und Mitglied des Leitungsteams der Ökumenischen Telefonseelsorge.

"Gespräche wirken entlastend"

Die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen der Einrichtung führen täglich etwa 60 Gespräche. Häufig ginge es um eine Kombination aus Sorgen vor dem Coronavirus und Einsamkeit oder Angst. Bei den 50- bis 79-Jährigen überwiege das Thema Angst, bei den unter 40-Jährigen und den Anrufern über 80 Jahre das Thema Einsamkeit und soziale Isolation, so Kreyscher.

Die Menschen hätten Angst, sich zu infizieren und zu erkranken oder sie sorgten sich um ihre Angehörigen. "Unsere Mitarbeiter müssen in den Gesprächen einen Angstberg sortieren, und die Anrufer müssen einen Weg finden, mit ihrer Angst umzugehen", sagt der Pfarrer. Die Telefonseelsorge habe keine Lösungen im Angebot, aber die Gespräche wirkten entlastend.

"Enorm hohe Verunsicherung"

Ralf Scholl von der der Telefonseelsorge Darmstadt spricht von einer "enorm hohen Verunsicherung" bei den Anrufern. "Wenn es mich erwischt, sterbe ich", habe ein Anrufer mit einer Vorerkrankung gesagt. Andere sorgen sich, weil sie nicht wissen, wie lange sie noch ihre Wohnung verlassen dürfen oder wer für sie einkaufen geht. Einige befürchten auch, dass niemand mehr sie besuchen kann.

"Menschen mit einer Panikstörung reagieren besonders stark", sagt der Theologe und Pastoralreferent. Wichtig sei, dass sie zum Hörer greifen. Wenn es den Anrufern gelinge, zur Telefonseelsorge Kontakt aufzunehmen, gebe es die Hoffnung, dass sie das auch bei anderen Menschen schaffen. Die Zahl der Anrufe in Darmstadt ist mit rund 240 pro Woche unverändert. Mehr seien aufgrund der Leitungskapazitäten auch nicht möglich, sagt Scholl.

"Wollen den Telefondienst aufrechterhalten"

Die Einrichtungen in Mainz und Wiesbaden, Darmstadt und Frankfurt halten zurzeit ihren normalen Betrieb aufrecht. Bislang habe es nur wenige Absagen von Ehrenamtlichen gegeben, sagt Bettina Tarmann von der Evangelischen Telefonseelsorge in Frankfurt. Unklar sei aber derzeit, was aus der Telefonseelsorge im Fall von Ausgangssperren wird.

Die Ehrenamtlichen telefonieren grundsätzlich nicht von zu Hause aus. Zum einen geht es dabei um Anonymität, zum anderen sollen die Helfer die Probleme der Anrufer nicht mit nach Hause nehmen. Tarmann hofft deshalb, dass es für Hilfseinrichtungen dann eine Ausnahmeregelung geben wird.

"Wir wollen den Telefondienst auf jeden Fall aufrechterhalten", betont die Pfarrerin. Einsamkeit sei schon ohne die Corona-Pandemie ein zunehmendes Thema. Während der aktuellen Verunsicherung, bei der niemand wisse, wie es weitergehe, bräuchten die Betroffenen erst recht die Möglichkeit, mit jemanden zu reden.

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Hotline der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist bundesweit rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter den Nummern 0800 1110111 und 0800 1110222.

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