Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hessische Lehrer reagieren auf Pläne für Corona-Schnelltests

Eine Arzthelferin nimmt in einer Arztpraxis einen Abstrich für einen PCR-Corona-Test.

Lehrkräfte sollen sich in Zukunft selbst auf Corona testen dürfen - so plant es Bundesgesundheitsminister Spahn. Einige Lehrer in Hessen sind davon angetan. Das Kultusministerium sieht aber erst einmal keinen Handlungsbedarf.

"Jeden Tag sechs Stunden in Klassen mit 30 Schülern - ich habe manchmal mit 150 Schülern am Tag Kontakt." So beschreibt Lehrer Daniel Riegger seinen Alltag an der Frankfurter Wöhlerschule.

Er fühlt sich in der Corona-Pandemie von der Politik allein gelassen. "Ich erfahre manchmal zwei Tage später: Der eine Schüler ist jetzt positiv getestet worden und ich saß ihm 90 Minuten lang direkt gegenüber. Das ist für Lehrer schon eine Belastung."

Antigen-Schnelltests als Entlastung?

Eine Entlastung in der Corona-Krise könnten Antigen-Schnelltests sein. Mit ihnen können Infektionen zwar weniger genau nachgewiesen werden als mit Labortests - dafür können sie innerhalb weniger Stunden besonders infektiöse Patienten identifizieren.

Das könnte gerade an Schulen dafür sorgen, dass weniger Klassen in Quarantäne geschickt werden, weil Corona-Infektionen schneller entdeckt werden. Mit diesem Ziel hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt, dass Lehrer und Erzieher sich in Zukunft selbst auf das Coronavirus testen dürfen. Eine entsprechende Verordnung soll ab Freitag gelten.

Spahn sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: "Kitas und Schulen beziehungsweise ihre Träger können von Freitag an eigenständig Schnelltests beziehen und nutzen." Bisher durfte nur medizinisch geschultes Personal solche Antigen-Schnelltests machen.

Lehrkräfte aufgeschlossen

Stefanie Bunde, Lehrerin an der Wöhlerschule in Frankfurt, sieht in der Aussicht auf Corona-Selbsttests einen Lichtblick: "Ich freue mich darüber sehr, weil wir dadurch die Möglichkeit haben, uns schnell zu testen. Im Alltag hat man ja nicht immer Zeit, einen Test beim Arzt durchzuführen."

Natürlich gebe es die Gefahr, dass Lehrer möglicherweise den Test nicht so durchführen könnten wie erfahrenes medizinisches Personal, sagt Bunde. "Aber dennoch finde ich die Möglichkeit gut, weil wir dem Infektionsgeschehen als Lehrer an vorderster Front ausgeliefert sind."

Auch ihr Kollege Max Kwasny kann sich vorstellen, selbst einen Abstrich für den Corona-Test zu machen. "Ich würde es mir auf jeden Fall zutrauen. Die Frage ist, ob man das in einem sterilen Raum machen muss - das würde ja Probleme mit sich bringen - oder ob man es einfach so machen kann."

Corona Schnelltest

Kultusministerium: Hessen schon jetzt gut aufgestellt

Das hessische Kultusministerium zeigt sich von den Plänen für Corona-Schnelltests an Schulen überrascht. Ministeriumssprecher Philipp Bender sagte auf Anfrage: "Wir können diesen neuen Vorstoß noch nicht inhaltlich bewerten."

Es gebe in Hessen auch keinen dringenden Handlungsbedarf. "Wir sind in Hessen in Sachen Corona-Tests für Lehrkräfte schon jetzt gut aufgestellt", erklärte Philipp Bender. Seit August kann sich das Schulpersonal freiwillig alle zwei Wochen auf das Virus testen lassen. "Die Lehrkräfte haben das gerne angenommen", so der Sprecher.

Seit dem Sommer 70.000 freiwillige Tests bei Lehrern

Die Lehrkräfte in Hessen haben seit dem Sommer laut Kultusministerium rund 70.000 freiwillige Tests gemacht. Die Positivrate liege bei ungefähr 0,1 bis 0,2 Prozent, sagte Bender. Bisher funktionierte das mit PCR-Tests, die im Labor ausgewertet werden.

Seit dem 1. Dezember habe man auf Schnelltests umgestellt, weil dadurch die Wartezeit auf das Ergebnis kürzer wird. Generell werden Lehrkräfte in Hessen bisher aber immer von medizinischem Personal getestet und müssen das nicht selbst machen.

Ob man es den Lehrkräften auch zumuten könnte, die Corona-Abstriche selbst zu machen, untersucht das Kultusministerium nach eigenen Angaben gerade in einer Studie.

Gewerkschaft: Tests müssen freiwillig bleiben

Die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hessen reagiert positiv auf die Aussicht auf Selbsttests für Lehrer. Die Vorsitzende der GEW Hessen, Birgit Koch, sprach auf Anfrage von einer "guten und überraschenden Nachricht".

Es seien aber noch einige Fragen offen, betonte Koch: "Wer bezahlt diese Tests? Ich gehe davon aus, dass sie vom Arbeitgeber gestellt werden müssen. Und wie einfach und sicher ist es, sie selbst durchzuführen?"

Ihr sei außerdem wichtig, dass die Corona-Schnelltests freiwillig blieben, sagte Koch. "Ich denke, keine Lehrkraft, Sozialpädagogin oder Erzieherin darf dazu verpflichtet werden".

Bedenken bei Lehrern

Auch Daniel Riegger von der Wöhlerschule in Frankfurt hat noch Bedenken, als Lehrer in Zukunft selbst Abstriche machen zu müssen: "Soll ich mir selbst das Stäbchen in den Hals schieben oder machen das Kollegen bei mir?"

Bisher führe ein Arzt die Corona-Tests an seiner Schule durch. "Der trägt dabei ein Gesichtsschild und eine Atemschutzmaske - das ist schon nicht ohne."

Sendung: hr4, 03.12.2020, 12.45 Uhr