DIe Bildkombination zeigt ein Foto eines Gebäudes der Polizeischule, die saniert werden soll und ein Foto einer Werbetafel für Polizeinachwuch mit dem Slogan "Mit Blaulicht in die Zukunft".

Die Sanierung der maroden Polizei-Hochschule in Wiesbaden könnte einen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen. Denn obwohl das Land dort nur Mieter ist, muss es die Instandsetzung zahlen. Eine Altlast aus der Zeit von Roland Koch.

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Wer in Hessen Polizist werden will oder es schon ist, wird durch die Hochschule und die Akademie der Polizei in Wiesbaden geschleust. Die rege Nutzung des 18 Gebäude umfassenden Areals einer ehemaligen Kaserne im Stadtteil Kohlheck hinterlässt Spuren, an den Lehrsälen und Sportanlagen aus den 60er und 70er Jahren nagt der Zahn der Zeit.

Mitarbeiter wenden sich an die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hessen, weil sie eine Sanierung für überfällig halten: "Die Gebäude auf dem Gelände sind zum Teil marode, die Sport- und Sanitäranlagen Jahrzehnte alt, ohne dass sie grundlegend saniert wurden", sagte der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Jens Mohrherr dem hr.

 Land nennt keine Zahlen

Nach einer Schätzung des Architekten Ludger Bergrath von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes könnte eine Sanierung des Polizeigeländes zwischen 85 und 220 Millionen Euro kosten. "Die große Spreizung kommt von möglichen bösen Überraschungen, vor denen man bei alten Gebäuden nie gefeit ist“, sagt Bergrath dem hr. Seine Schätzung basiert auf der Mietfläche von 45.000 Quadratmetern und auf Statistiken für die Sanierung vergleichbarer Gebäude.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sanierungsbedürftige Polizeischule Wiesbaden

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Das Land gibt keine konkreten Zahlen zu den möglichen Sanierungskosten heraus. "Die für die Nutzung des Standorts erforderlichen Bauunterhaltungsmaßnahmen werden veranlasst," heißt es auf hr-Anfrage beim Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH).

 Immobilien verkauft, Sanierungslast bleibt

Die Landesregierung hatte vor 15 Jahren unter Ministerpräsident Roland Koch (CDU) das Polizeigelände als Teil der knapp 50 Immobilien umfassenden "Leo-Pakete" an einen privaten Investor verkauft. Als Mieter muss das Land dennoch für die Sanierung größtenteils selbst aufkommen.

Der Mietvertrag für das Polizeigelände läuft noch bis 2036. Wie es danach mit der größten Bildungsstätte der hessischen Polizei weiter geht, steht in den Sternen. "Zur Polizeiakademie können wir Ihnen mitteilen, dass derzeit keine Verhandlungen über eine weitere Nutzung des Standorts nach Ablauf der Mietvertragslaufzeit geführt werden", erklärt das LBIH.

Beispiel Sozialministerium

Polizei-Hochschule Wiesbaden

Ob eine Sanierung auch langfristig der öffentlichen Nutzung zugute kommt, ist völlig ungewiss. Denn der Vermieter kann nach Ablauf des Vertrages frei über das Gelände verfügen.

Welche Folgeprobleme sich aus den Leo-Immobilien ergeben, zeigt das Dienstgebäude des ehemaligen Sozialministeriums in Wiesbaden. Seit dem Auszug der Mitarbeiter in ein neues, ebenfalls angemietetes Gebäude am Wiesbadener Kureck, steht das alte Hochhaus leer. Dennoch zahlt das Land eine Million Euro Miete dafür, dazu kommen noch mehr als 2,7 Millionen Euro Miete für das neue Gebäude. Auch fünf Jahre nach dem  Umzugsbeschluss gibt es laut LBIH noch immer keine Entscheidung über eine neue Nutzung der leerstehenden Immobilie.

Steuerzahler-Bund verlangt Analyse

Der Bund der Steuerzahler Hessen sieht sich durch den augenfälligen Sanierungsbedarf in seiner Kritik bestätigt: "Wir fordern von der Landesregierung eine Bestandsanalyse über die Sanierungskosten des Wiesbadener Polizeigeländes und der anderen verkauften Immobilien vorzulegen“, so Clemens Knobloch, Haushaltsexperte des Steuerzahler-Bunds im hr.  

Sendung: hr-iNFO, 04.7.2019, 6.00 Uhr