Markierte Stelle im Duden beim Stichwort "Unwort"
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"Asyltourismus", "Ankerzentrum", "Anti-Abschiebe-Industrie": Begriffe aus dem Themenfeld Flucht und Migration machen das Gros der Vorschläge zum Unwort des Jahres aus. Oft genannt wurde auch ein umstrittener Ausdruck eines AfD-Politikers.

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Unwort "Alternative Fakten"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Welches Unwort wird Nachfolger von "alternative Fakten"?

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Für das Unwort des Jahres 2018 ist der Begriff "Asyltourismus" bisher am häufigsten vorgeschlagen worden. Er sei insgesamt 119-mal genannt worden, sagte die Sprecherin der "Unwort"-Jury, die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich von der TU Darmstadt, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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Last-Minute-Vorschläge noch möglich

Noch bis 31. Dezember kann jede oder jeder seinen favorisierten Begriff für das Unwort des Jahres mit Begründung und Belegstelle einreichen: vorschlaege@unwortdesjahres.net

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18-mal erwähnt worden sei ein Ausspruch des AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Alexander Gauland: "Vogelschiss (der Geschichte)", womit der Politiker sich auf die Zeit des Nationalsozialismus bezog. Wiederholt genannt wurden auch "Ankerzentrum" (13-mal), "Anti-Abschiebe-Industrie" (neunmal) und "Abschiebe-Verhinderungsindustrie" (zweimal). Auch weitere eingereichte Begriffe wie "Asylgehalt", "Flüchtlingsindustrie" und "Grenzöffnung" belegen, dass das Themenfeld Flucht/Migration/Migrationspolitik auch dieses Jahr bei der Wahl zum Unwort wieder dominiert, wie Janich sagte.

Weniger Teilnehmer und Vorschläge als zuletzt

Bis zum 27. Dezember gingen demnach 847 Vorschläge ein, darunter 481 unterschiedliche Ausdrücke. Allerdings entsprächen nur rund 30 Wörter aus diesen Einsendungen den Kriterien der Jury. Mehr als 50 weitere könnten den Kriterien entsprechen, "sind aber womöglich veraltet, unklar belegt oder sogar schon als Unwörter gewählt", sagte die Sprachwissenschaftlerin.

Der Rest komme für die Unwort-Wahl nicht infrage. Dabei handele es sich häufig um Wörter für Personen, Dinge oder Sachverhalte, die als Ärgernis oder Problem empfunden werden wie etwa die Datenschutzgrundverordnung (20 Nennungen).

Im Vergleich zu den Vorjahren beteiligten sich damit deutlich weniger Menschen an der sprachkritischen Aktion. Seit Mitte der 1990er Jahre wurden laut Janich stets jeweils mehr als 1.000 Einsendungen gezählt, in einigen Jahren sogar mehr als 2.000. Weniger Unwort-Vorschläge als dieses Jahr waren es zuletzt im Jahr 2000 mit 446 Begriffen.

Zahl der Vorschläge nicht entscheidend für Wahl

Nach den Kriterien der Jury können als Unwort des Jahres nur solche Begriffe bestimmt werden, die gegen die Menschenwürde oder das Prinzip der Demokratie verstoßen, gesellschaftliche Gruppen herabsetzen oder Missstände durch Euphemismus verschleiern. Die Ausdrücke müssen öffentlich benutzt worden sein und sich auf aktuelle Themen beziehen. Wie oft ein Begriff vorgeschlagen wird, ist letztlich unerheblich für die Kür des Unworts durch die Jury aus Sprachwissenschaftlern und Publizisten.

Bekanntgabe am 15. Januar

Unwörter waren zuletzt "alternative Fakten" (2017), "Volksverräter" (2016), "Gutmensch" (2015), "Lügenpresse" (2014), "Sozialtourismus" (2013) und "Opfer-Abo" (2012). Die sprachkritische Aktion wurde 1991 vom Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser initiiert. Seit 2011 ist Nina Janich die Jury-Sprecherin.

Weitere Mitglieder sind die Sprachwissenschaftler Jürgen Schiewe (Universität Greifswald), Kersten Sven Roth (Universität Düsseldorf), Martin Wengeler (Universität Trier) sowie der freie Publizist Stephan Hebel (Frankfurt). In diesem Jahr gehört dem Gremium auch der Autor und Kabarettist Jess Jochimsen an. Einsendungen sind noch bis 31. Dezember möglich. Bekannt gegeben wird das Unwort dieses Jahres am 15. Januar 2019 in Darmstadt.