Therapiehündin Vitesse sitzt im Bett von Patientin Monika Schenk

Die Hunde Vitesse und Todd gehören fest zum Team der Palliativmedizin im Frankfurter Krankenhaus Nordwest. Seit eineinhalb Jahren besuchen die Therapiehunde dort schwerkranke Patienten. Die Bilanz der Ärzte ist positiv: Die Tiere helfen nicht nur den Patienten, sondern auch dem Personal.

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zum hr-fernsehen.de Video Therapiehündin Vitesse bei ihrer Arbeit

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Über ein kleines Podest steigt Vitesse vorsichtig in das Bett von Monika Schenk. Langsam legt sich die Hündin auf ihre pinke Decke, direkt an die Beine der Krebspatienten. Zur Belohnung spendiert Monika Schenk ein Leckerli und Streicheleinheiten. Die Zeit und die intensive Nähe mit der Therapiehündin spenden ihr viel Kraft.

Zweimal in der Woche kommt Vitesse zusammen mit Frauchen Anne Wittmann bei ihr vorbei. "Am schönsten ist es, wenn sie mir vorher nichts sagen, und dann stehen sie auf einmal da", sagt Monika Schenk. "Dann könnte ich vor Freude heulen."

Der Hund helfe den Menschen im Krankenhaus, für einen Moment wieder mehr Mensch zu sein - und weniger Patient, sagt Frauchen Anne Wittmann. Und das Tier werte nicht. "Es sagt nicht: 'Frau Schenk hat jetzt keine Haare mehr, die mag ich nicht.' Das ist dem Hund völlig egal, er gibt einfach seine Liebe."

Hunde oder Minischweine?

Neben Vitesse ist auch Rüde Todd regelmäßig auf den Gängen der Palliativstation in Frankfurt unterwegs. Im März 2018 startete das Projekt im Krankenhaus Nordwest, doch die Idee zur Therapie mit Tieren gab es schon viel früher, erzählt Oberärztin Karolina Maria Wiedemann. "Wir hatten lange überlegt, welche Tiere geeignet wären. Minischweine waren zum Beispiel mal im Gespräch."

Hund im Krankenhaus

Doch als ihre Chefin, die Leiterin des Zentrums für Palliativmedizin, einen Vortrag von VITA e.V. hörte, einem Verein für Assistenzhunde, fiel die Entscheidung schnell. Seitdem sind die beiden Hunde und ihre Patinnen fester Bestandteil des Palliativteams.

Therapie mindert Symptome

Nach eineinhalb Jahren zieht die Oberärztin eine positive Bilanz, nicht nur wegen der vielen Rückmeldungen von Patienten und Angehörigen, die begeistert von den Hunden sind. "Wir haben eine Umfrage unter den Patienten gemacht und Symptome wie Angst, Luftnot, Schmerzen, Erschöpfung erfasst und konnten feststellen, dass diese Symptome nach der Therapiesitzung deutlich abgenommen haben."

Auch bei Monika Schenk, die im Frankfurter Krankenhaus gegen den Lungenkrebs kämpft, zeigen die Treffen mit Vitesse Wirkung. Nach ein paar Minuten Streicheln und Kuscheln lässt ihr schlimmer Husten merklich nach.

Hunde öffnen die Patienten

Die Frankfurter Ärzte haben festgestellt, dass die Hunde nicht nur ablenken und Symptome lindern können, sondern manche Menschen in dieser schwierigen Situation auch ein Stück weit öffnen, erzählt die Oberärztin.

Hund im Krankenhaus

"Wir haben einmal erlebt, dass ein Patient, der mit uns nicht viel sprechen wollte, in einer Therapiesitzung ganz viele Fragen stellen konnte zu seiner Erkrankung. Schwierige Fragen wie 'Wie lange werde ich noch leben?' oder 'Wie werde ich sterben?'. Dafür sind wir sehr dankbar, dass so erleben zu dürfen."

Ob bei der Begleitung in den letzten Stunden des Lebens oder bei der Versöhnung zerstrittener Familien - in vielen schweren oder komplizierten Situation haben Vitesse und Todd das Team bereits unterstützt.

Frisch gebadet und gekämmt

Normalerweise sind Haustiere wegen der Hygienebestimmungen in Krankenhäusern verboten. Für Vitesse und Todd gilt in Frankfurt eine Ausnahmeregelung, allerdings mit Auflagen: Nur frisch gebadet und gekämmt dürfen sie auf die Palliativstation. Vor jedem Besuch werden sie außerdem auf Zecken untersucht, erklärt Anne Wittmann. Auch der regelmäßige Besuch beim Tierarzt und die Impfungen sind für die beiden unerlässlich.

Trotzdem möchte nicht jeder tierliebe Patient die Hunde in seinem Bett haben. "Dann habe ich Vitesse so trainiert, dass sie neben dem Patienten auf dem Stuhl Platz nimmt“, sagt Anne Wittmann. Schon als Welpe erkenne man, welcher Hund für eine solche Ausbildung geeignet sei. "Die Hunde müssen eine gewisse Grundruhe haben", sagt die Trainerin. "Und man muss von klein an mit ihnen trainieren.

Diese Grundruhe besitzt Vitesse zweifelsohne: Auch nach 30 Minuten lässt sich die Golden-Retriever-Dame noch geduldig von Monika Schenk streicheln.

Weitere Informationen

maintower-Serie "Diagnose Menschlichkeit"

Am Montag startet die vierteilige maintower-Serie "Diagnose Menschlichkeit - Stille Helden im Krankenhaus" im hr-fernsehen. Im ersten Teil begleitet maintower Anne Wittmann und Vitesse bei ihrer Arbeit auf der Palliativstation. Die weiteren Teile:

  • Dienstag, 06.08.: Der Moderator vom Klinikradio in Wiesbaden
  • Mittwoch, 07.08.: Die Krankenpflegerin im Frankfurter Kinderhospital
  • Donnerstag, 08.08.: Die Krankenpflegerin in der Neurologie in Darmstadt
Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 05.08.2019, 18.00 Uhr