Tod Helga Trösken

Helga Trösken ist tot. Die evangelische Pröpstin für Rhein-Main schrieb Kirchengeschichte: 1987 wurde sie als bundesweit erste Frau in ein bischöfliches Leitungsamt gewählt.

Wie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) am Montag mitteilte, starb die langjährige Pröpstin für Rhein-Main am Sonntag in Frankfurt im Alter von 77 Jahren. Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung nannte Helga Trösken eine "prägende Gestalt der evangelischen Kirche". Trösken war 1987 bundesweit als erste Frau in ein bischöfliches Leitungsamt gewählt worden und bekleidete es bis 2006.

Jung: "Wegweisende evangelische Persönlichkeit"

Jung würdigte Trösken als eine "wegweisende evangelische Persönlichkeit, die mit ihrem Einstehen für die Rechte von Frauen und ihrem gesellschaftspolitischen Engagement in der Kirche Maßstäbe gesetzt hat". Als herausragend nannte Jung das sozialdiakonische Engagement Tröskens, das während ihrer Amtszeit als Pröpstin nicht unwidersprochen geblieben sei.

Ihr Einsatz für "die Frauen und Männer an den Rändern der Gesellschaft fußte auf einem klaren Verständnis der Botschaft Christi, sich für Menschen in Not einzusetzen", erklärte Jung. So habe Trösken immer betont, dass "Gott auch für die Gottlosen" da sei.

Jung: "Helga Trösken stand ganz in der Tradition der hessen-nassauischen Kirche, die ihr erster Kirchenpräsident Martin Niemöller geprägt hatte. Beide waren öffentlich streitbare und in ihrem Glauben für Frieden und Gerechtigkeit engagierte Menschen."

"Vorbild in Fragen der Gleichberechtigung"

Die stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf würdigte Trösken als großes kirchliches Vorbild in Fragen der Gleichberechtigung. So habe sie sich als eine der ersten Frauen in einem protestantischen Leitungsamt gegen "ein damals erhebliches Misstrauen mit klarer Kante und einem tiefen Glauben an die befreiende Kraft des Evangeliums" behauptet. Helga Trösken wurde am 7. April 1942 im Frankfurter Stadtteil Fechenheim geboren. Sie studierte Theologie in Frankfurt, Berlin, Heidelberg und Mainz.

Nach ihrem Vikariat in Dillenburg arbeitete sie unter anderem im Ökumenischen Institut in Bossey/Schweiz und beim Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf. Von 1970 bis 1988 war sie Gemeindepfarrerin in Langen (Offenbach). Trösken wirkte zudem von 1977 bis 1986 als Vorsitzende des Pfarrerausschusses der hessen-nassauischen Kirche. Von 1997 bis 2006 gehörte sie der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland an.

Nach ihrem Ausscheiden aus dem Propstamt im März 2006 versah sie noch ein Jahr lang im Dekanat Dreieich (Offenbach) Vertretungsdienste, anschließend zog sie in eine Senioren-Wohngemeinschaft in Langen. Der Termin für die Trauerfeier steht noch nicht fest.