Gräber auf Tierfriedhof
"Vivaldi" liegt auf einem Frankfurter Tierfriedhof begraben Bild © hr

Viele Menschen schmerzt der Tod eines Haustiers so sehr wie der Tod eines Familienanhörigen. Sie sehnen sich nach einem Ort der Erinnerung – und so steigt die Zahl der Tierbestattungen auch in Hessen.

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Es ist ein schöner Frühlingstag in Frankfurt. Auf dem Tierfriedhof zwischen den Stadtteilen Rödelheim und Westhausen steht Rita Wentworth vor dem Grab von Cleo. Die Hündin, ein West-Highland-Terrier, ist schon 2003 gestorben.

Doch für Rita Wentworth ist die Erinnerung auch 16 Jahre später noch ganz frisch: "Cleo ist immer noch jeden Tag bei mir. Wir haben sehr lang in Frankfurt gelebt, sie kommt auch von hier. Wir sind dann nach Los Angeles, San Francisco und in die Schweiz gegangen – und sie war halt immer bei mir."

Ort der Begegnung

Als Cleo starb, entschied sich das Ehepaar Wentworth für eine Erdbestattung. Während Urnengräber auf dem Frankfurter Tierfriedhof nur für drei Jahre vergeben werden, können sie so selbst entscheiden, wie lange Cleos Grab erhalten bleibt.

Gräber auf Tierfriedhof
Ein Ort der Erinnerung und der Begegnung Bild © hr

Für Rita Wentworth ist der Frankfurter Tierfriedhof über die Jahre auch ein Ort der Begegnung geworden – mit anderen, die auch regelmäßig herkommen, um das Andenken ihrer verstorbenen Lieblinge zu ehren. Sie sagt: "Wir sind alle sehr liebevoll miteinander und verständnisvoll. Weil es ja jedem geht wie dem anderen."

Wie der Verlust eines Familienmitglieds

Für viele Menschen ist der Tod eines geliebten Tieres ein tiefer Einschnitt; ein Verlust, der oft so sehr schmerzt, als sei ein Familienmitglied gestorben. Aus Sicht der Betroffenen sei das auch so, sagt Hans-Peter Clieves, Chef der Rhein-Main-Niederlassung des Tierbestatters Anubis: "Es sind absolut Familienangehörige. Wer selbst ein Tier hat, versteht das auch. Die Beziehung ist sehr emotional und sehr tief, und entsprechend ist dann natürlich auch der Abschied."

Feingefühl ist gefragt. Man müsse mit Tieren leben oder zumindest gelebt haben, um zu wissen, worauf es ankommt, sagt Clieves Kollege Franz Göck. Der Inhaber eines Tierbestattungsunternehmens mit Niederlassung im Taunusstädtchen Usingen hält sich vor allem an eine Regel: "Handhaben Sie es so, als ob es Ihr eigenes Tier ist."

Vergraben auf Privatgrund ist illegal

Nach Angaben des Bundesverbands der Tierbestatter sterben in Deutschland jährlich rund 1,4 Millionen Hunde und Katzen. Die Hälfte wird auf Privatgrundstücken beigesetzt, was eigentlich verboten ist. Die meisten anderen kommen ins Tierkrematorium.

Gräber auf Tierfriedhof
Wie lange die Gräber ihrer Lieblinge erhalten bleiben, können die Besitzer entscheiden - außer bei Urnengräbern Bild © hr

Etwa 10.000 Haustiere werden aber pro Jahr auf Tierfriedhöfen beigesetzt – Tendenz steigend. Zeremonien sind dabei eher selten. Aber wer will, kann in Frankfurt zum Beispiel Susann Scherschel-Peters buchen. Sie ist Hessens erste und bislang einzige Trauerrednerin, die sich auf den Abschied von Tieren spezialisiert hat.

Die Trauer ernst nehmen

Scherschel-Peters muss die richtigen Worte finden "für einen Freund, einen Partner, für manche auch das einzige Familienmitglied", wie sie sagt: "Man möchte einen würdigen Abschied, wenn man das Haus geteilt hat, den Alltag, und dem Tier vielleicht auch seine Sorgen, Ängste oder Nöte anvertraut hat."

Die Trauerrednerin schreibt eigene Texte oder bezieht sich auf das, was Dichter und Denker über ihre Beziehung zu Tieren festgehalten haben. Sie will ihren Auftraggebern vor allem eines vermitteln: "Die nimmt meine Trauer ernst. Das ist nicht einfach ein Job."

Auf dem Frankfurter Tierfriedhof hat Rita Wentworth ein paar Minuten in stiller Andacht vor dem Grab ihrer geliebten Hündin Cleo verharrt. Als sie sich zum Gehen wendet, lächelt sie und sagt: "Woran man sich eigentlich erinnert, das sind gewisse Momente, wo man zusammen war. Man sieht sie dann, an ihrem bestimmten Platz, wie sie ihre spezielle Persönlichkeit herausgestellt hat."