Menschen gedenken in Kassel der NSU-Opfer
Rund 300 Menschen gedachten in Kassel der NSU-Opfer Bild © picture-alliance/dpa

Mehrere hundert Menschen versammelten sich am Freitag in Kassel zum Gedenken an den 2006 von der NSU ermordeten Halit Yozgat und anderer Opfer rechter Gewalt. Die Stadt hatte die offizielle Gedenkfeier aus Sicherheitsgründen abgesagt.

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Am zwölften Jahrestag der Ermordung von Halit Yozgat in Kassel gab es keine offizielle Gedenkfeier - die Stadt hatte die Veranstaltung wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. Hintergrund waren die Proteste und Aktionen der vergangenen Wochen gegen türkische Einrichtungen, darunter ein Brandanschlag auf eine Moschee in Kassel, nach der türkischen Militäroffensive auf die kurdische Stadt Afrin.

Rund 300 Menschen ließen sich am Freitag dennoch nicht davon abhalten, sich am Halitplatz zu versammeln und der ermordetenen NSU-Opfer zu gedenken. Die Polizei war mit erhöhter Präsenz vor Ort, um die Veranstaltung gegebenenfalls zu schützen. Es kam aber zu keinerlei Zwischenfällen.

Familie bleibt Feierstunde fern

Die Familie Yozgat nahm nicht teil, hatte aber einen Brief geschrieben, den ein Vertreter der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD) verlas. Die Familie verzichte nur auf die Gedenkveranstaltung, weil die Stadt Unruhen befürchtete. "Für uns zählt das friedliche Miteinander und dass kein Bürger der Stadt Kassel zu Schaden kommt", schrieb der Vater des Mordopfers.

Um die Absage der jährlichen Gedenkfeier hatte sich ein Streit entwickelt. Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) hatte erklärt, die Absage der Gedenkfeier sei in Absprache mit der Familie Yozgat erfolgt. Der Schritt löste Verwirrung aus, da die Stadt nicht alleiniger Veranstalter ist. Traditionell ist die Initiative "6. April" mit im Boot. Sie setzt sich für eine Aufarbeitung der NSU-Morde ein und hatte eine Kundgebung zur selben Zeit angemeldet - die nicht abgesagt war.

"Keine Instrumentalisierung"

Darüber verlor die Stadt kein Wort. Die Initiative reagierte empört und bekam Unterstützung unter anderem von der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Die Polizei betonte wiederum, man habe sich auf einen größeren Einsatz vorbereitet und wäre in der Lage gewesen, die Feier zu schützen.

Oberbürgermeister Geselle reagierte am Freitagmorgen: Auch ohne offizielle Gedenkveranstaltung werde man innehalten, sagte er laut Mitteilung. "Auch aus Respekt vor der Familie Yozgat lassen wir nicht zu, dass durch politische Instrumentalisierung - egal von welcher Seite - das Ansehen unseres Kasseler Mitbürgers Halit Yozgat beschädigt wird."