Eine Abiturientin vor der Frankfurter Musterschule auf der Suche nach einem Platz für ihr Abi-Plakat. Das Abitur fand in dieser Woche trotz Corona stat. Die Schulen waren angewiesen, die Prüfungsgruppen so klein wie möglich zu halten, am besten unter zehn Schülern.

Corona hat das Leben im Griff. Trotzdem hat das Kultusministerium beschlossen, dass die ersten schriftlichen Abiturprüfungen am Donnerstag stattfinden. Bei den Schülern ruft das geteilte Meinungen hervor.

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Für die rund 23.500 angehenden Abiturienten in Hessen hieß es am Mittwoch: nur nicht die Nerven verlieren. Am Morgen verlautbarte das Kultusministerium, im Laufe des Tages werde endgültig entschieden, ob die schriftlichen Prüfungen wie geplant am Donnerstag beginnen - obwohl das Ministerium bis dahin genau dies wiederholt versichert hatte. Am späten Nachmittag dann die Meldung: Es bleibt beim in Vor-Corona-Zeiten gefassten Plan. Die Abiturienten sollten nur möglichst weiten Abstand voneinander halten.

"Eine Ausnahmesituation wie diese hat es für unsere Schulen in der Nachkriegszeit noch nicht gegeben", sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Alle lebten derzeit in Unsicherheit, doch da sich die Abiturienten seit Wochen oder Monaten auf die Abschlussprüfungen vorbereitet hätten, "haben wir alles getan, damit es am Donnerstag losgehen kann".

Möglichst kleine Prüfungsgruppen

Man habe den Abiturienten diese Chance nicht nehmen wollen, bekräftigte Lorz, zumal das Ansteckungsrisiko in den derzeit verwaisten Schulen gering gehalten und der Gesundheitsschutz während der Prüfungen gewährleistet werden könnten. Die Schulen seien angehalten, die Prüfungsgruppen so klein und die Abstände zwischen den Prüflingen so groß wie möglich zu halten.

Sollte man die Prüfungen aufgrund einer verschärften Corona-Lage unterbrechen müssen, werde man sie nachholen, sagte Lorz. Die schriftlichen Abiturtests sind vom 19. März bis 2. April vorgesehen, die Nachprüfungen vom 23. April bis 7. Mai.

  • 19. März: LK/GK Englisch
  • 20. März: LK/GK Physik
  • 23. März: LK Deutsch, Kunst, Musik, Politik und Wirtschaft, Geschichte, Wirtschaftswissenschaften, Erdkunde, evangelische und katholische Religion, Informatik, Sport
  • 24. März: LK Latein, Spanisch
  • 25. März: LK/GK Mathematik
  • 26. März: LK/GK Französisch
  • 27. März: LK Altgriechisch, Leistungskurse des beruflichen Gymnasiums
  • 30. März: GK Deutsch, Spanisch, Italienisch, Russisch, Latein, Altgriechisch, Kunst, Musik, LK Deutsch (2. Bildungsweg)
  • 31. März: LK/GK Chemie
  • 1. April: GK Geschichte, Politik und Wirtschaft (auch bilingual), Erdkunde, Wirtschaftswissenschaften, evangelische und katholische Religion, Ethik, Philosophie, Informatik, Grundkurse des beruflichen Gymnasiums
  • 2. April: LK/GK Biologie

Lediglich an der Hochtaunusschule und an der Feldbergschule in Oberursel (Hochtaunus) wurden die Prüfungen verschoben. Dort gab es einen Corona-Fall. Beide Abiturjahrgänge haben Kontakt zueinander, wie der Kreis mitteilte.

"Bis zu den Ferien muss das Abi erledigt sein"

Dass die Prüfungen stattfinden, stellt nur einen Teil der Schülerinnen und Schüler zufrieden. Die Verunsicherung in der emotional aufgeladenen Vorbereitungszeit vor den Abi-Klausuren sei riesengroß, sagte Landesschulsprecher Piet Henrik Pohlmann zu hessenschau.de.

Die einen sind nun froh, dass das Abi jetzt noch durchgezogen wird. Sie legten eine Petition zum Erhalt des Termins auf. Die anderen berufen sich darauf, dass das ganze Land still steht und sie eine Prüfung jetzt zu riskant finden. Auch sie starteten eine entsprechende Petition, die bereits 2.000 Menschen unterschrieben.

Einigkeit besteht nach Angaben des Landesschulsprechers darüber, dass die Prüfungen noch in diesem Schuljahr abgeschlossen werden müssen. "Das Wichtigste für alle Schüler ist, dass das Abitur wie auch immer bis zum Sommer durchgezogen sein muss, damit die Abiturienten sich an den Unis bewerben können und ihr Studienstart klappt", sagte Pohlmann.

Endzeitstimmung auch bei Abiturienten

"Es herrscht Endzeitstimmung, fast auf der ganzen Welt. Das belastet mich und viele andere Abiturienten auch", sagte die Schulsprecherin der Elisabethenschule in Frankfurt, Tabea Schulte Strathaus, dem hr. Es gebe Familien mit Erkrankten oder in Quarantäne, fast jeder habe zurzeit ein Einzelfallproblem. Normale Nervosität vor dem Abi mische sich mit der zusätzlichen Angst vor dem Virus.

Sie könne aber auch die Befürworter der Termin-Beibehaltung verstehen, sagte Schulte Strathaus. Angenommen, die Fallzahlen der Corona-Infizierten würden weiter steigen wie prognostiziert, sei möglicherweise jetzt noch ein guter Zeitpunkt, die Prüfungen zu schreiben, sagt die Schülerin. Die Abiturienten seien auf den Punkt vorbereitet und stünden noch in Kontakt mit ihren Lehrern, die Schulen seien leer, so dass ausreichend Raum zur Verfügung stehe, um Abstand zu halten. "Aber wer weiß, wie lange das noch so sein wird und was danach kommt", fragt Schulte Strathaus.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 18.03.2020, 19.30 Uhr