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Audioseite Martin Stürmer über die Impfung ab fünf Jahren

Schülerinnen der Klasse 5c des Matthias-Grünewald-Gymnasiums in Würzburg machen einen Corona-Test.

Die Inzidenz bei Schulkindern in Hessen ist im November stark angestiegen. Das liegt nur zum Teil an den vermehrten Tests. Das Kultusministerium erwägt derzeit aber keine Schulschließungen.

592,83 - das ist die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz in der Altersgruppe der 5- bis 14-Jährigen am Freitag in Hessen. Zum Vergleich: Bei den 14- bis 35-Jährigen wird sie mit knapp der Hälfte angegeben.

Auch der Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt einen Anstieg der Corona-Ausbrüche an Schulen: Danach hat es Anfang November im Vergleich zum Vorjahr bundesweit dreimal mehr Corona-Ausbrüche an Schulen gegeben. Die Zahl liege "sehr deutlich" über dem Höchstniveau der zweiten Welle, teilte das RKI mit.

Müssen die Schulen in Hessen gut vier Wochen vor Beginn der Weihnachtsferien wieder geschlossen werden? Das hessische Kultusministerium beschwichtigt: "Rund 99,9 Prozent aller Tests in den Schulen sind jede Woche negativ. Dieser Wert wurde, seit es die Tests in den Schulen seit April gibt, niemals überschritten", gab ein Sprecher auf hr-Nachfrage an.

Regelmäßiges Testen führt zu erhöhter Inzidenz

Aktuell werden ungeimpfte Schülerinnen und Schüler dreimal wöchentlich in den Schulen getestet. Laut Kultusministerium sind sie damit die am meisten getestete gesellschaftliche Gruppe. Das erkläre teilweise die hohe Inzidenz in der Altersgruppe der 5- bis 14-Jährigen, sagt hr-Datenexperte Jan Eggers. Mehr Tests führten unweigerlich auch zu mehr positiven Fällen.

Der Blick auf die Inzidenz dieser Gruppe in Ferienzeiten zeigt: Sie liegt gut ein Drittel niedriger als im Schulbetrieb. Trotzdem: Selbst wenn man dieses Drittel von den aktuellen Infektionszahlen abziehe, bleibe die Gruppe der jüngeren Schulkinder die mit der höchsten Inzidenz in den vergangenen sieben Tagen, folgert Eggers.

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Schulschließungen nur in letzter Konsequenz

"Man kann also davon ausgehen, dass Kinder im Augenblick überproportional betroffen sind. Das hängt damit zusammen, dass sie unterwegs sind, auch an Schulen", stellt er fest. Wie viel Schulschließungen als alleiniges Mittel gegen steigende Infektionszahlen bewirken könnten, sei aber unklar.

Das Kultusministerium hält Schulschließungen für die "Ultima Ratio". Zwar wollte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in dieser Woche neue Schulschließungen nicht ausschließen. Im Moment ziehe man diesen Schritt aber nicht in Erwägung. "Das Schließen der Schulen hat keinen Effekt auf das Infektionsgeschehen, solange Kinder sich auch an anderen Orten treffen können", teilte das Kultusministerium mit.

Rund die Hälfte der 12- bis 17-Jährigen geimpft

Auch die Impfung von Kindern und Jugendlichen könnte Auswirkungen haben auf das Infektionsgeschehen. Bislang ist erst gut die Hälfte der 12- bis 17-Jährigen zweimal geimpft. Am Donnerstag empfahl die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) auch eine Zulassung für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren. Das Interesse von Eltern in Hessen ist groß.

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer sieht darin "einen ganz wichtigen Baustein in der Pandemiebekämpfung. Kinder hätten zwar in der Regel keinen schweren Verlauf, könnten damit aber Folgeschäden einer Infektion verhindern, sagte er im Interview mit hr3.

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0,1 Prozent der Schulkinder vom Präsenzunterricht befreit

Laut Kultusministerium sind derzeit rund 1.000 Schülerinnen und Schüler durch ihre Eltern vom Präsenzunterricht abgemeldet. Das entspreche 0,1 Prozent aller Schulkinder in Hessen. Zahlen, wie viele Kinder wegen fehlender Testung nicht am Unterricht in den Schulen teilnehmen könnten, lägen nicht vor.

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Inwieweit die Impfung von Kindern und Jugendlichen das Infektionsgeschehen an Schulen und in der Gesamtbevölkerung bremsen könnte, beschäftigt derweil die Experten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Impfung der Fünf- bis Elfjährigen keinen großen Beitrag leiste, die vierte Welle zu brechen oder Schulen offen zu halten.

Effekt von Kinder-Impfungen auf Infektionsgeschehen wohl gering

"Wenn die Gruppe der 12- bis 17-Jährigen durchgeimpft ist, schätzt man den Effekt auf die Gesamtausbreitung auf fünf bis zehn Prozent. Und man geht davon aus, dass es bei den Fünf- bis Elfjährigen einen ähnlichen Effekt hätte", erläutert Datenjournalist Eggers.

Das könne das aktuelle Infektionsgeschehen lediglich dämpfen. "Man würde die Inzidenz damit nicht auf null bringen, sondern wenn es gut läuft halbieren." Allerdings nur, wenn man jetzt breitflächig impfen würde - und wirksam würde es ohnehin erst im Januar des neuen Jahres.

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