Leere Hanauer Innenstadt nachts

In vielen Hotspot-Landkreisen sind die Corona-Inzidenzen so gesunken, dass nun die Ausgangssperren aufgehoben werden könnten. Und doch ändert sich über Silvester nichts. Denn nicht nur das Sozialministerium misstraut den Festtags-Zahlen.

Während die Zahl der Corona-Toten am Mittwoch einen traurigen Höchstwert erreicht hat, sind die gemeldeten Neuinfektionen erneut zurückgegangen. Inzwischen liegen die Inzidenzen in mehreren Kreisen, die vor Weihnachten noch als Hotspots galten, unter der kritischen Marke von 200.

Für die in den Hotspots eingeführten Ausgangssperren gilt eigentlich: Überall, wo die Inzidenz fünf Tage in Folge unter 200 liegt, müsste die Beschränkung aufgehoben werden. So sieht es das Eskalationskonzept des Landes vor. Am Mittwoch betraf das laut Robert-Koch-Institut die Kreise Offenbach, Schwalm-Eder und Vogelsberg sowie Bergstraße und Darmstadt-Dieburg. Die beiden letztgenannten liegen demnach sogar seit sechs Tagen unter der Marke.

Melde-Verzögerungen über die Feiertage

Doch in vielen Kreisen bleibt die Ausgangssperre trotzdem. Grund ist eine Sonderregelung des Sozialministeriums. Dieses teilte in einem Schreiben an die Kreise mit, wegen der Weihnachtsfeiertage und der Zeit "zwischen den Jahren" könnten Verzögerungen bei der Zahl der gemeldeten Neuinfektionen nicht ausgeschlossen werden. Daher sei den Kreisen freigestellt, ob sie die Zahlen der Feiertage bei ihren Entscheidungen berücksichtigen oder stattdessen auf die Werte vom 24. Dezember zurückgreifen.

Auch das RKI weist in seinen täglichen Lageberichten darauf hin, dass an den Feiertagen weniger getestet werde und nicht alle Gesundheitsämter und Landesbehörden die Zahlen sofort übermitteln würden. Diese Meldeverzögerung dürfte auch die Todeszahlen zum Wochennbeginn beeinflusst und erhöht haben: Sterbefälle wurden später registriert.

Fünf Kreise halten an Ausgangssperre fest

Mehrere Kreise haben bereits angekündigt, die Ausgangssperren vor Silvester nicht mehr aufzuheben. Ein Sprecher des Schwalm-Eder-Kreises sagte zum Beispiel, er befürworte die Sonderregelung. "Vor Weihnachten lagen wir über 200, deshalb bleibt die Ausgangssperre bestehen."

Zwar sei der Testbetrieb inzwischen wieder angelaufen, jedoch rechne der Kreis mit weiteren Verzögerungen an Silvester und Neujahr. "Sobald im neuen Jahr alles wieder geregelt läuft und die Inzidenz dann an fünf Tagen in Folge unter 200 liegt, werden wir die Ausgangssperre natürlich sofort aufheben."

Prüfung erst wieder im Januar

Ein Sprecher des Vogelsbergkreises sagte, es würden erst wieder Werte ab dem 5. Januar berücksichtigt. Im Kreis Offenbach soll ebenfalls wieder in der kommenden Woche über eine mögliche Lockerung beraten werden.

Ähnlich ist es im Kreis Darmstadt-Dieburg: "Die Prüfung, ob der Sieben-Tage-Inzidenzwert an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unterschritten wurde, erfolgt erstmals am 4. Januar", heißt es in der entsprechenden Allgemeinverfügung des Kreises.

Landrat Weckler: "Gefährdete Mitmenschen schützen"

Und auch in der Wetterau, die am Mittwoch zum vierten Mal in Folge unter der 200er-Marke lag, gilt die Ausgangssperre über den Jahreswechsel hinaus. "Uns ist bewusst, dass alle Maßnahmen erhebliche Einschränkungen für unser tägliches Leben bedeuten, gerade über die Feiertage", sagte Landrat Jan Weckler (CDU).

Aber bei den nach wie vor zu hohen Zahlen sei die oberste Priorität, dass das Gesundheitssystem noch verlässlich arbeiten könne. "Es gilt alles zu tun, um unsere besonders gefährdeten Mitmenschen zu schützen", sagte Weckler.

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