Ein Grabstein auf dem steht: "Unser bester Freund".

Wenn kein neuer Betreiber gefunden wird, muss der privat geführte Tierfriedhof in Kassel aufgegeben werden. Für trauernde Herrchen und Frauchen eine schlimme Vorstellung.

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hs
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Mit einer Zahnbürste schäumt Daddy Milling den hellen Grabstein ein. In der Mitte der Platte liegt, zusammengerollt, eine Katze aus Stein. Das Grab, das der Familienvater mit seinen beiden Kindern pflegt, gehört einem engen, tierischen Familienmitglied. Sein Kater Gino ist hier begraben. "Das Grab bedeutet mir alles", erzählt Milling. Sein Kater habe ihn 15 Jahre begleitet, seit 12 Jahren sei er auf dem Tierfriedhof in Kassel beerdigt.

Für viele Haustierbesitzer gehören Hund, Katze oder Kleintiere zur Familie. Neben Milling sind weitere Menschen mit den Gräbern ihrer Haustiere beschäftigt, stellen neuen Grabschmuck auf oder tauschen sich aus. Das Gelände im Stadtteil Niederzwehren ist nicht nur ein Ort zum Innehalten, sondern auch ein Treffpunkt für Trost und Austausch.

Damit könnte es bald vorbei sein. Denn der Tierfriedhof steht vor dem Aus. Darüber hatte die Zeitung HNA zuerst berichtet.

Betreiber suchen Nachfolger

Tierfriedhof Kassel

Mehr als 20 Jahre lag haben Uwe Siebert und seine Frau Edeltraud Wanke-Siebert das Grundstück mit viel Herzblut und Hingabe gepflegt, angetrieben von der inneren Befriedigung, den Menschen und den Tieren helfen zu können. Bis zu zwei Tiere haben sie in der Woche bestattet, Bedarf steigend, erzählt Siebert. Aus gesundheitlichen Gründen kann das Ehepaar den Friedhof nicht weiter betreiben und sucht einen Nachfolger - bisher ohne Erfolg.

Insgesamt 400 Tieren haben sie auf 2.000 Quadratmetern die letzte Ruhestätte ermöglicht, zuletzt haben sie schon keine weiteren Bestattungen mehr angenommen. Sollte kein geeigneter Nachfolger für das Gelände gefunden werden, kann Siebert den Friedhof frühestens in zwei Jahren schließen. Denn die toten Tiere müssen mindestens drei Jahre unter der Erde liegen.

Bestattung auf Privatgrund?

Im Regierungsbezirk Kassel gibt es zwei weitere Tierfriedhöfe. In ganz Hessen sind 14 Tierfriedhöfe als "Plätze, an denen Heimtiere begraben werden", registriert, so eine Sprecherin des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Allesamt werden sie privat betrieben. Aber wohin mit verstorbenen Haustieren, wenn kein Tierfriedhof in der Nähe ist, dürfen sie im eigenen Garten begraben werden?

In Hessen genehmigen die zuständige Behörde, also der jeweilige Landrat oder Oberbürgermeister, eine Haustierbestattung im eigenen Garten, wie ein Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel betont.

Allerdings sei ein Tiergrab im Garten nur dann erlaubt, wenn es sich um ein den eigenen Garten handele, der weder in einem Wasserschutzgebiet noch in unmittelbarer Nähe zu öffentlichen Wegen oder Plätzen liege. Festgelegt sei auch, in welcher Tiefe der Tierkörper vergraben werden müsse. Mindestens 50 Zentimeter Erde sollten das tote Haustier demnach bedecken.

Eine Urne mit Asche für die Wohnzimmervitrine?

Wer weder einen eigenen Garten noch einen Tierfriedhof in der Nähe hat, der kann auf das Angebot bundesweit agierender Tierbestatter zurückgreifen, die regionale Standorte betreiben. Die Kosten sind abhängig vom Gewicht des Tieres und von der Art der Kremierung.

Viele Tierhalter möchten die Asche von Hund oder Katze gerne beerdigen, manche stellen sich die Urne sogar ins heimische Wohnzimmeregal. Für eine Einzeleinäscherung kommen je nach Gewicht mehrere hundert Euro zusammen.

Tierfriedhof Kassel

Für Ginos Dauergrabstelle zahlt Milling knapp hundert Euro im Jahr. Er hofft, dass für den Tierfriedhof in Kassel ein neuer Betreiber gefunden wird und sein Kater weiter in Frieden ruhen kann. Der Gedanke an den Rückbau des Geländes sei für ihn nur eins: "eine Horrorvorstellung".

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