Ein Covid-19-Impfstoff (AFP)

Ärzte, schwerkranke Menschen, Grundschullehrer oder Erzieher: Sie alle können sich demnächst in Hessen gegen Corona impfen lassen. Dazu ändert das Land die Terminvergabe.

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hessenschau vom 23.02.2021
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Die Corona-Impfungen in Hessen laufen für die Priorisierungsgruppe 1 mit Menschen über 80, Heimbewohnern oder Klinikpersonal. Am 5. März soll es auch für 1,5 Millionen Menschen aus der Priorisierungsgruppe 2 losgehen.

Berechtigte können sich dafür ab sofort registrieren lassen, wie die zuständigen Minister Peter Beuth (Inneres, CDU) und Kai Klose (Gesundheit, Grüne) am Dienstag mitteilten. Das bedeute "die Öffnung der Impfung in die breitere Bevölkerung", sagte Klose.

Alter, Risiko, Beruf

Die Priorisierungsgruppe 2 ("hohe Priorität") wurde wie die gesamte Impfreihenfolge auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission nach Risiko-Gesichtspunkten festgelegt. Neben dem Alter und der gesundheitlichen Verfassung spielt die Berufstätigkeit eine Rolle.

Zur Gruppe gehören rund 560.000 Menschen zwischen 70 und 80 Jahren und ärztliches und pflegerisches Personal, das bisher nicht zum Zug kam. Außerdem zählen Patienten mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf wie Krebs- und Lungenkranke oder Demenzpatienten dazu, aber auch Kontaktpersonen von Behinderten. Die ausführliche Liste haben wir hier zusammengestellt.

Lehrer und Erzieher vorgezogen

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Innenminister Beuth (CDU) und Gesundheitsminister Klose (Grüne) läuten die nächste Impfphase ein. In Wiesbaden informieren sie, welche Personengruppen nun an der Reihe sind.
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Nach einem Beschluss vom Montag kommen auch Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen sowie Kita-Erzieherinnen an die Reihe, die zunächst in Gruppe 3 waren. Es wird überlegt, auch für sie extra Impftage anzubieten. Das medizinische Personal kann sich, wie bereits am Montag bekanntgeworden war, an den beiden kommenden Wochenenden bei sogenannten "Praxistagen" impfen lassen.

Für die neuen Impfungen, die nach einem von Wirkstoff-Mangel geprägten Auftakt der eigentliche Beginn der geplanten Massenimpfung wären, ändert das Land das bisherige Verfahren: Wer sich registriert, macht keinen individuellen Termin aus. Er bekommt ihn per Post oder E-Mail zugewiesen. "Sagen Sie uns per Registrierung, dass Sie geimpft werden wollen, und wir laden Sie ein", sagte Beuth.

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Registrierung

Registrierungen für die Impfungen sind wie bisher telefonisch unter 116117 oder 0611-50592888 möglich, online unter www.impfterminservice.hessen.de

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Beuth: "Besondere Herausforderung"

Wenn der Termin nicht passt, seien allerdings individuelle Änderungen möglich. Beuth betonte, dass die Termine nicht nach Eingang der Registrierung vergeben werden. "Die zweite Gruppe hat aufgrund ihrer Heterogenität besondere Herausforderungen", sagte er. Innerhalb des Kreises der 70- bis 80-Jährigen werde nach absteigendem Alter priorisiert.

Außerdem muss der Impfstoff beachtet werden: Der von Biontech/Pfizer und Moderna unterliegt keinen Einschränkungen, der von Astrazeneca darf nur an Menschen unter 65 Jahren verabreicht werden.

Vorbehalte gegen Astrazeneca

Der Start in die eigentliche Massenimpfung wird nicht nur möglich, weil mehr Impfstoff als bisher zur Verfügung steht. Nicht wenige Berechtigte wollen nicht mit dem Material von Astrazeneca gespritzt werden - wegen Berichten über eine schwächere Wirkung und stärkere Nebenwirkungen. Das Land hat gerade noch einmal klargestellt: Niemand kann sich den Wirkstoff aussuchen.

Experten betonen aber, dass der Stoff genauso sicher und geprüft ist wie die anderen. Vor schweren Verläufen nach einer Corona-Infektionen schützt er im gleichen hohen Maße wie die Präparate von Biontech und Moderna. Das medizinische Personal soll an den Impftagen Astrazeneca erhalten.

Zwischenbilanz

Bisher haben in Hessen rund 234.000 Menschen ihre Erst- und 112.500 ihre Zweitimpfung erhalten. In den Alten- und Pflegeheimen seien gut 80 Prozent erstgeimpft. Demnächst könne mit den häuslichen Impfungen bei alten und kranken Menschen begonnen werden, die nicht mehr mobil sind. Laut Innenministerium haben sich dafür bisher rund 51.000 Menschen angemeldet.

Kritik daran, dass Hessen bei den Impfungen im Ländervergleich zurückliege, wies Innenminister Beuth am Dienstag noch einmal zurück. Derzeit seien gut 91 Prozent der für die Erstimpfung zur Verfügung stehenden Dosen auch verimpft.

Nachdem der Bund gerade die Vorgaben für eine Sicherheitsreserve gelockert habe, lege man nur noch bis zu 25 Prozent für die nötige Zweitimpfung zurück. Bislang war Hessen, anders als manch anderes Bundesland, der Maßgabe gefolgt, die Hälfte aller Lieferungen für die zweite Spritze zu sichern. Nach Aufgabe dieser Politik bietet Hessen inzwischen auch frühere Termine für Impfberechtigte der Priorisierungsgruppe 1 an.

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Gruppe 2: Wer ab 5. März an der Reihe ist

Drei Gruppen gibt es laut Impfverordnung, die nacheinander bevorzugt vor einer Corona-Infektion geschützt werden müssen: Die Impfungen laufen derzeit für Menschen mit "höchster Priorität“ mit den über 80-Jährigen, Heimbewohnern und Personal von Covid-Stationen. Nun soll ab 5. März Gruppe zwei mit "hoher Priorität“ an die Reihe kommen, danach Gruppe 3 mit "erhöhter Priorität.

Zur Priorisierungsgruppe 2 zählen:

  • Über 70-Jährige
  • Menschen mit Trisomie 21, mit Demenz, geistiger Behinderung, schweren psychiatrischen Erkrankungen, Krebserkrankte, Patienten mit schweren Lungenerkrankung wie Mukoviszidose oder chronischer Leber- oder Nierenerkrankung, Diabetiker (Diabetes mellitus mit HbA1c ≥ 58 mmol/mol oder ≥ 7,5%), Organtransplantierte und Menschen mit starker Adipositas ab Body-Mass-Index 40.
  • Alle anderen, die laut Arzt im Einzelfall eine hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben
  • Bis zu zwei Kontaktpersonen Pflegebedürftiger, die nicht in einer Einrichtung leben. Die Pflegebürftigen müssen entweder über 70 Jahre alt sind, eine Organtransplantation gehabt oder eine der obengenannten Erkrankungen oder Behinderung haben.
  • Bis zu zwei enge Kontaktpersonen von Schwangeren
  • Personal in der stationären oder ambulanten Betreuung und Pflege geistig behinderter Menschen
  • Medizinisches Personal in Praxen, Blutspendediensten und Testzentren
  • Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen sowie Erzieherinnen in Kitas Polizei- und Ordnungskräfte, die zum Beispiel bei Demos eingesetzt werden
  • Personal im öffentlichen Gesundheitsdienst und in zentralen Funktionen in Kliniken
  • Bewohner und Personal von Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen
  • Menschen, die regelmäßig bei älteren oder pflegebedürftigen Menschen tätig sind
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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 23.2.2021, 19.30 Uhr