Demo des Bündnisses Seebrücke in Frankfurt gegen Seehofer
Dreimal so viele Teilnehmer wie von den Veranstaltern angemeldet kamen am Montagabend zur Demonstration gegen Bundesinnenminister Seehofer in Frankfurt. Bild © Marvin Mendel (hr)

Einmal ging es gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, einmal gegen deren größte Kritiker: Kundgebungen haben in Frankfurt und Kassel tausende Menschen gegen Bundesinnenminister Seehofer und gegen die AfD auf die Straße gezogen.

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zum Video Frankfurter erklären sich solidarisch gegen "Seehofers Politik der Angst"

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Rund 6.300 Menschen haben laut Polizei am Montagabend in Frankfurt gegen die ihrer Meinung nach "menschenfeindliche" Flüchtlingspolitik der Bundesregierung demonstriert. Die Veranstalter sprachen von mehr als 8.000 Teilnehmern. Unter dem Motto "Sei kein Horst! Seebrücke statt Seehofer" hatten zahlreiche Initiativen zur Kundgebung "für Humanität und Menschenrecht" aufgerufen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich geringschätzig über die Arbeit von Flüchtlingsrettungsbooten auf dem Mittelmeer geäußert und sie kritisiert. In Anspielung auf die Rettungswesten von Bootsflüchtlingen trugen viele Teilnehmer der Demonstration in der Frankfurter Innenstadt orangefarbene Westen, Haarbänder und Transparente.

"Seehofers starke Sprüche gegen Flüchtlinge verfangen hier nicht"

Der Protest richtete sich gegen den ursprünglich geplanten Besuch von Seehofer am Dienstag in Frankfurt. Der CSU-Politiker hatte jedoch wegen Terminproblemen seine Teilnahme am Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik in Frankfurt abgesagt. Daraufhin verzichteten die Initiativen auf eine für Dienstagmorgen vor der Paulskirche geplante Protestveranstaltung, hielten jedoch an der Demonstration am Vorabend fest.

Dabei forderten die Teilnehmer, dass Frankfurt sich zur "sicheren Hafenstadt" erklären müsse, um Bootsflüchtlinge vom Mittelmeer aufzunehmen. Ein "solidarisches Frankfurt" müsse gegen "Seehofers Politik der Angst" stehen. Bernd Eichner von der Organisation Seebrücke Frankfurt sagte: "Wir sind total überwältigt. Ursprünglich hatten wir nur mit 2.000 Teilnehmern gerechnet." Der "Supererfolg" der Demo zeige, "dass Seehofers starke Sprüche gegen Flüchtlinge hier nicht verfangen". Laut Polizei gab es vorerst keine Zwischenfälle.

90 AfD-Sympathisanten, 2.500 Gegendemonstranten

Ebenfalls friedlich blieb es am Abend in Kassel. Dort versammelten sich als Antwort auf eine AfD-Kundgebung viele Menschen zu einer Gegendemonstration. Ein Polizeisprecher berichtete von etwa 2.500 Gegendemonstranten und 90 Teilnehmern einer Wahlkampfveranstaltung der islam- und flüchtlingsfeindlichen AfD.

Mit Lärm und Trillerpfeifen störten die Demonstranten die AfD-Kundgebung, die im Zeichen der Landtagswahl am 28. Oktober stand. Der Straßenbahnverkehr in der Innenstadt musste vorübergehend eingestellt werden. Kaufhäuser wurden zeitweise geschlossen.