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Ukraine-Geflüchteten in Frankfurt wird Umweg über Gießen erspart

Ein Schild weist den Weg zu einer Notunterkunft für Ukraine-Flüchtlinge in einer Halle der Messe.

In keiner anderen Stadt Hessens landen so viele Geflüchtete aus der Ukraine wie in Frankfurt. Bisher müssen viele von ihnen weiter nach Gießen in die Erstaufnahme. Damit soll nun bald Schluss sein.

Die Stadt Frankfurt und das Land Hessen haben sich in der Frage der Verteilung von Geflüchteten aus der Ukraine geeinigt. Kommende Woche wird ein Team der Gießener Erstaufnahmeeinrichtung seine Arbeit in Frankfurt aufnehmen. Das teilte Frankfurts Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) am Mittwoch mit. Die Stadt hatte auf diese Lösung gedrängt.

Weniger Stress für die häufig traumatisierten Menschen

Die Mitarbeiter der Gießener Erstaufnahme werden Büros auf dem Frankfurter Messegelände beziehen. Dort hat die Stadt ein eigenes Erstversorgungszentrum für 2.000 Menschen eingerichtet. Mit der neuen Außenstelle des Landes in der Messe müssten die Menschen aus der Ukraine nicht wie bisher noch nach Gießen zur dortigen hessischen Erstaufnahme geschickt werden, sagte Voitl zu der Vereinbarung.

Bisher müssen Ukrainer, die auf dem Messegelände untergebracht wurden, diesen Umweg nehmen. Erst dann wurden sie auf Städte und Gemeinden in Hessen verteilt. Das bedeutet nicht nur wegen des Ortswechsels Stress für die häufig traumatisierten Menschen.

Sporthallen belegt, Städte am Limit

In Frankfurt als größter Stadt des Bundeslandes und internationalem Verkehrsknoten kommen nach Angaben von Sozialdezernentin Voitl die meisten Kriegsflüchtlinge an. Seit Kriegsbeginn waren es nach ihren Angaben am Hauptbahnhof rund 40.000 Menschen. Die Zahl der neu Ankommenden sei inzwischen auf täglich rund 800 gesunken, weil gerade viele Fluchtrouten dicht seien.

Neben den 2.000 Menschen auf dem Frankfurter Messegelände hat die Stadt 1.500 weitere in elf Sporthallen untergebracht. Auch andere Städte Hessens sind wegen der Unterbringung von Geflüchteten stark gefordert, melden bereits Überforderung. Wiesbaden will deshalb keine Geflüchteten mehr aufnehmen, die unabhängig anreisen und keine eigene Unterkunft haben. Man wolle keine Turnhallen mit Geflüchteten belegen, weil Kindern und Jugendlichen wegen Pandemie-Auflagen so lange kaum Sport angeboten werden konnte.

Bund-Länder-Gipfel zur Verteilung

Wie viele Menschen aus der Ukraine bislang in Hessen gekommen sind und sich hier aufhalten, ist unklar. Sie brauchen keinen Asylantrag, um sich maximal drei Jahre lang im Land aufhalten zu können. Das hat die Europäische Union nach dem russischen Überfall auf die Ukraine so geregelt. Viele kamen schon privat bei Freunden, Bekannten oder freiwilligen Helfern unter.

Verteilung und Integration der Geflüchteten - wie das geregelt wird, ist am Donnerstag Thema eines Bund-Länder-Gipfels. Bundesweit kritisieren Kommunen das bisherige Vorgehen als zu unkoordiniert, Bundesländer fordern mehr Unterstützung vom Bund.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) schwor Hessen vergangene Woche im Landtag auf eine "gewaltige Aufgabe" ein. Er stellte die Zahl von 75.000 unterzubringenden Geflüchteten in den Raum. So viele müssten dem üblichen Verteilungsschlüssel entsprechend im Bundesland untergebracht werden, wenn eine Million Ukrainer und Ukrainerinnen nach Deutschland kämen. Bislang sind mehr als 300.000 Menschen registriert worden.

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