Ein Mann steht vor einem Auto, auf dem steht "Bergstraße hilft Ukraine", und schaut in die Kamera.

Dem Helfer Paul Guire aus Bensheim war schnell klar: Nicht nur die Zivilisten in der Ukraine brauchen Hilfe, sondern auch die Soldaten. Seitdem organisiert der ehemalige Bänker, was im Krieg an der Front gebraucht wird.

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Hilfsgüter für die Soldaten in der Ukraine

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Im Flur des Familienhauses von Paul Guire in Bensheim-Schönberg (Bergstraße) stapeln sich die Kisten. Als der 63-Jährige einen der Kartons öffnet, kommen schimmernde Dosen zum Vorschein: "Kerzen", erklärt Guire. "Die brennen mindestens sechs Stunden."

In den Schützengräben in der Ukraine könne man sie als Heizung nutzen – aber auch mal einen Eintopf darüber kochen. Paul Guire zeigt auf die weiteren Kisten. Erkältungsmedikamente, Kinderkleidung, aber auch hundert schwarze Fleecejacken und Rucksäcke im Tarnmuster liegen darin bereit.  

"Nur die Soldaten können den Krieg beenden"

Etwa die Hälfte von dem, was er jetzt am Samstag in die Ukraine bringen wird, sei für Zivilisten gedacht, erklärt der gebürtige Brite. Die andere Hälfte sei für Soldaten an der Front. Während er im Wohnzimmer seinem Hund über den Kopf streicht, erzählt er, wie er bei seiner ersten Fahrt kurz nach Beginn des russischen Angriffkrieges vor allem mit Kleidung, Windeln und Kinderwagen im Gepäck an die ukrainische Grenze gefahren ist.

Ein Gespräch mit dem Leiter eines Waisenhauses nördlich von Lwiw hat ihn zum Nachdenken gebracht. Der habe ihm nämlich gesagt: "Wir brauchen alles, was du hast. Aber bitte unterstütze die Soldaten. Sie sind die einzigen, die diesen Krieg beenden können."

Seitdem beschäftigt sich der ehemalige Bänker Paul Guire, der vorher noch nie mit dem Militär in Berührung gekommen ist und seit über zwanzig Jahren an der Bergstraße wohnt, mit Krieg. Er sei inzwischen in Kontakt mit vielen Kämpfern an der Front: "Sie schicken mir Bilder und sagen, was sie brauchen. Es ist wirklich erschreckend, dass sie nichts haben." 

Tarnnetze, Öfen, Scheinwerfer  

Das will Paul Guire ändern. Er stellt Kontakte zu norddeutschen Fischern her, organisiert eine Tonne Fischernetze, die jetzt in der Ukraine zu Tarnnetzen verarbeitet werden. Er fährt nach Uzhgorod, um sich dort Öfen zeigen zu lassen, die im Schützengraben einsetzbar sind, und ordert mehrere hundert Stück. Er organisiert wiederverwendbare Handwärmer, Wasserfilter und packt Periskope ein – mit Spiegel versehene, gebogene Rohre, mit denen Soldaten um die Ecke schauen können.

Außerdem überlegt er zusammen mit dem befreundeten Zwingenberger Lichttechniker Christoph Adlfinger-Pullmann, welche LED-Scheinwerfer geeignet wären, um Drohnen am Nachthimmel erkennen zu können. "Ich weiß nicht, wie er das macht, woher er die Energie nimmt", sagt Adlfinger-Pullmann über seinen britischen Freund, "aber ich bewundere ihn dafür."

 Die Bergsträßer Scheinwerfer seien inzwischen in Saporischschja im Einsatz. Das hat Paul Guire von einem Kontaktmann von dort erfahren, erzählt er. Der habe ihm sogar angeboten, Überreste von zerstörten Raketen als Beweis dafür zu schicken, dass die Scheinwerfer funktionieren. Das habe Paul Guire allerdings dankend abgelehnt, sagt er mit einem Lachen.  

Die Spenden möglichst vor Ort abgeben 

 Vor seiner Haustür parkt ein Bus. Zehn Mal sei er damit schon an die ukrainische Grenze gefahren. Zwei Mal in die Ukraine. Dieses Mal will er wieder nach Lwiw, aber vermutlich auch noch weiter in den Osten reisen. Es gehe ihm darum, neue Öfen zu bestellen und die Spenden, die er bekommt, auf diese Weise einzusetzen. "Es ist mir wichtig, dass das, was ich bringe, direkt in den Händen derer landet, die es auch brauchen." Das gelte allerdings nicht für die Dinge, die er für die Front organisiert. Die schickt er mit Mittelsmännern weiter – oder auch mit der ukrainischen Post.  

Blutgruppe auf der Jacke notiert

Paul Guire schlägt die Tür seines Busses zu und streicht sich über die schwarze Fleece-Jacke – ein Geschenk aus der Ukraine, erzählt er. Mit Klettverschluss sind darauf mehrere Wappen befestigt und ein länglicher Aufnäher: "Meine Blutgruppe", erklärt Paul Guire. "Hoffentlich wird das nicht gebraucht. Aber wahrscheinlich ist es wichtig, wenn eben doch ein Fehler passiert."

Guire erzählt, dass er durchaus Respekt vor Raketen habe und jedes Warnsignal ernst nehme. Aber von seinen Plänen abbringen könne ihn das trotzdem nicht und auch seine Frau und sein Sohn würden ihn unterstützen. Für dieses Jahr hat er sich vorgenommen, pro Monat eine Woche lang in die Ukraine zu fahren. Solange er genügend Spenden zusammen bekommt – und solange der Krieg eben dauern wird. 

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