Immer mehr ukrainische Kinder und Jugendliche werden in Hessens Schulen aufgenommen. Sie sollen dort nicht nur Deutsch lernen, sondern auch Sprach- und Kulturvermittlung in ukrainischer Sprache erhalten. Das Land sucht dafür Lehrkräfte.

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Unterstützung für geflüchtete Schüler aus der Ukraine

Lehrerin vor Schülerinnen in Klassenraum
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Hessen wirbt um ukrainische Lehrer, um die vor dem Krieg in ihrem Heimatland geflüchteten Kinder und Jugendlichen an den hessischen Schulen zu unterrichten. Es hätten sich bereits 170 Menschen bei den Schulämtern gemeldet, die aus dem ukrainischen Bildungssystem kommen, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag. Rund 100 dieser Lehrer hätten angegeben, auch über Deutschkenntnisse zu verfügen.

Kultusminister: Nicht mit hessischen Standards vergleichen

Die Angaben der Kandidaten werden derzeit überprüft. Die Anforderungen an die Pädagogen würden dabei nicht mit den Standards hessischer Lehrer verglichen.

Da sie für den Unterricht der ukrainischen Kinder zum Einsatz kommen sollen, sei es nicht zwingend erforderlich, dass sie als Lehrkräfte in Hessen anerkannt werden müssen. "Uns reicht in diesem Fall aus, dass sie im ukrainischen Bildungssystem in irgendeiner Form professionell pädagogisch tätig waren", sagte der Kultusminister.

Um für diese Aufgabe in Hessen zu werben, sollen die Staatlichen Schulämter, die Meldebehörden und auch ukrainische Vereine einen Flyer in deutscher und ukrainischer Sprache erhalten. Die Informationen sollen breit gestreut werden und unter anderem auch bei den Meldebehörden ausgelegt werden, teilte der CDU-Politiker mit.

Generalkonsul: "Ein wenig Normalität im Alltag"

"Für unsere Angebote stehen wir in Kontakt mit verschiedenen ukrainischen Vereinen und Verbänden in Hessen sowie dem Generalkonsul der Ukraine in Frankfurt - mit dem Ziel der weiteren personellen Unterstützung", sagte Lorz.

Der Generalkonsul der Ukraine in Frankfurt, Vadym Kostiuk, sagte: "Die Schulangebote des Landes Hessen helfen uns sehr, damit unsere geflüchteten Landsleute und gerade die Kinder und Jugendlichen hier ein wenig Normalität im Alltag bekommen."

An hessischen Schulen sind nach Angaben von Lorz mittlerweile rund 3.300 Kinder und Jugendliche, die wegen des Angriffs von Russland auf die Ukraine geflüchtet sind. Die Hälfte dieser Kriegsflüchtlinge sei innerhalb einer Woche nach Hessen gekommen. Die Zahl dieser Kinder und Jugendlichen sei zwar noch nicht sehr hoch. Es gebe aber eine große Dynamik, erklärte der Kultusminister.

Daniel May, bildungspolitischer Sprecher der mitregierenden Grünen im Landtag, sagte: "Uns ist klar, dass wir eher von einem längeren Aufenthalt der Geflüchteten ausgehen müssen." Neben den einzelnen Maßnahmen sei ein "Aktionsplan Ukraine" zwischen allen staatlichen Ebenen notwendig. Die Instrumente seien aus der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 bereits vorhanden, sagte May.

Unterricht aus der Ukraine online fortzuführen

Minister Lorz betonte, Hessen stehe wie alle anderen Bundesländer vor der Herausforderung, die Kinder und Jugendlichen "in die etablierten schulischen Strukturen aufzunehmen und gleichzeitig dem Wunsch vieler Geflüchteter nachzukommen, ihren bisherigen Unterricht aus der Ukraine online fortzuführen". Anders als bei der vorigen Flüchtlingswelle gehe es nun darum, für die geflohenen Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine einen Mittelweg zu finden.

Einerseits werde es eine Deutschförderung und eine Integration in das Schulsystem geben. Andererseits soll nach Angaben von Lorz auch die Fortführung eines Teils des bisherigen Schullebens ermöglicht werden. "Deshalb wollen wir - dort wo es möglich ist - neue Angebote machen."

Zusatzangebot mit vier Wochenstunden am Nachmittag

Ergänzend zu dem bisherigen System der Intensivklassen sollen die Geflüchteten deshalb mit einem neuen und freiwilligen Sprach- und Kulturunterricht in ukrainischer Sprache darin unterstützt werden, den Bezug zum ukrainischen Unterricht nicht zu verlieren.

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Intensivklassen

An den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Hessen gibt es derzeit rund 1.170 Intensivklassen mit 20.000 Kindern und Jugendlichen. Vorrangiges Ziel des Unterrichts in diesen Intensivklassen ist es, ein Mindestmaß an Deutschkenntnissen zu vermitteln. Mittlerweile verfügen nach Angaben des Kultusministeriums 6.000 Lehrkräfte in Hessen über die Qualifikation "Deutsch als Zweitsprache", die einen verstärkten Einsatz in Intensivklassen ermöglicht. Während der großen Flüchtlingswelle in den Jahren 2015 bis 2017 waren zum Höhepunkt im Mai 2017 in Hessen laut Ministerium rund 28.000 Schüler in 1.400 Intensivklassen unterrichtet worden.

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Das Angebot unterscheide sich damit vom herkömmlichen Herkunftssprachenunterricht. Der Unterricht werde in Verantwortung des Landes stattfinden und von Ukrainisch sprechendem und vom Land eingestelltem Personal erteilt.

Das Zusatzangebot könne in Grundschulen vier Wochenstunden am Nachmittag umfassen, sagte Lorz. An welchen Grundschulen der neue Unterricht angeboten werden kann, hänge von den personellen Möglichkeiten vor Ort ab. "Wir wollen damit eine Brücke bauen zum Unterricht aus dem Heimatland", erläuterte der Kultusminister.

15 neue Stellen bei Staatlichen Schulämtern

In der weiterführenden Schule könnten die Kinder und Jugendlichen für die Fortführung ihres bisherigen Online-Unterrichts aus der Ukraine von den Intensivsprachfördermaßnahmen befreit werden, wie das Kultusministerium weiter mitteilte. Auf diesem Weg könne ihnen bei den bald anstehenden Schulabschlüssen geholfen werden.

Nach dem Ende des regulären Schuljahrs in der Ukraine Ende Mai könne auch dort wie in der Grundschule ein ergänzender Unterricht in ukrainischer Sprache angeboten werden.

Um die Schulen und die Schulämter in diesen herausfordernden Zeiten bei der Sprachförderung zu stärken, erhalten die Staatlichen Schulämter laut Lorz zur Koordination 15 neue Stellen für die Aufnahme- und Beratungszentren. Für die Schulen soll es im Mai und Juni je nach Bedarf weitere zusätzliche Stellen zur flexiblen Nutzung in Vorlaufkursen und Intensivkursen geben.

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