Schild zu 3G-Regel in der Gastronomie

Die Akzeptanz der Corona-Regeln bröckelt unter Hotel-Betreibern und Gastronomen in Hessen. Die 2G-Option, die nur Geimpften und Genesenen Zutritt erlaubt, findet keine Mehrheit, wie eine hessenweite Umfrage unter rund 600 Betrieben zeigt. Aber auch die 3G-Regel wird kritisiert.

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Audioseite Was wird bevorzugt? Umfrage zu 3G- und 2G-Modell im hessischen Gastgewerbe

Hinweisschild zu Corona-Regeln in einem Gastronomiebetrieb
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Das Hotel- und Gastgewerbe in Hessen sieht die aktuellen Corona-Regeln immer kritischer und will keinen höheren Druck auf Ungeimpfte ausüben. Nach einer Umfrage des Branchenverbandes Dehoga Hessen sprechen sich rund 64 Prozent gegen die viel diskutierte und teils umstrittene 2G-Option als Alternative zur 3G-Regel aus.

Unter anderem Gaststätten und Hotels dürfen in Hessen seit Mitte September zwischen dem 2G- und 3G-Modell wählen. Nach der 2G-Regel wird nur Geimpften oder Genesenen Zutritt in die Lokalitäten gewährt. Die befragten Betriebe favorisieren eher das 3G-Modell, wonach zusätzlich auch negativ Getestete bedient werden.

Dehoga Hessen hatte vom 29. September bis 3. Oktober über 600 Betriebe aus allen Bereichen von Hotellerie und Gastronomie in Hessen befragt. Ergebnis: Die Akzeptanz für die 2G-Regel bröckelt demnach gewaltig. Während sich vor drei Wochen noch 40 Prozent der Dehoga-Mitglieder dafür aussprachen, sind es nun nur noch 11 Prozent, die sich in ihren Betrieben für ein konsequentes 2G-Modell entschieden haben. Große Unterschiede habe es zwischen Gastronomie und Hotellerie bei den Umfrage-Resultaten nicht gegeben, erklärte der Verband.

2G und 3G mit Vor- und Nachteilen

Der Vorteil für Betriebe, die 2G anwenden: In den Lokalitäten herrscht für Mitarbeitende und Gäste keine Masken- und Abstandspflicht sowie keine Beschränkung der Gästezahlen je nach Größe der Lokalität. Bei der 3G-Regel müssen pro Gast fünf Quadratmeter Fläche eingeplant werden.

Es gibt unterschiedliche Gründe, wieso die meisten Gastgeber laut der Dehoga-Umfrage bei 3G bleiben: Mit 41 Prozent gaben die meisten an, dass sie sich aus moralischen und sozialen Beweggründen für den Verbleib beim 3G-Standard entschieden hätten. "Wir wollen niemanden ausgrenzen. Das ist nicht unsere Aufgabe als Gastgeber", lautet der Tenor der Rückmeldungen, wie sie Dehoga-Hauptgeschäftsführer Julius Wagner erhalten hat.

23 Prozent der Befragten geben an, dass 3G wirtschaftlich sinnvoller sei, da die Gästestruktur noch nicht vollständig und überwiegend geimpft sei, wie zum Beispiel Familien mit Kindern über 12 Jahre. 17 Prozent berichten, dass ein Wechsel auf 2G nicht in Betracht käme, da nicht alle Mitarbeiter geimpft seien.

Wer sich für 2G entscheidet, muss dafür sorgen, dass auch nur geimpfte oder genesene Mitarbeiter im Lokal bedienen. Weitere zehn Prozent der Befragten haben Angst vor Auseinandersetzungen mit Gästen, schlechten Bewertungen oder Anfeindungen von Impfgegnern.

2G-Wirt: "Gewaltiger Shitstorm"

Unliebsame Erfahrungen haben einige Betriebe in Hessen gemacht. "Wir haben einen gewaltigen Shitstorm abbekommen", sagt Robert Hofmann, Wirt der Fuldaer Kneipe "Spitzbub im Fässchen". "Mir wird gewünscht, dass ich pleite gehe - aber da stehe ich drüber."

Hofmann hat sich für 2G entschieden und gute Erfahrungen gemacht. Bei den Kneipen-Gästen komme 2G "mega gut" an. Der 2G-Effekt für ihn und seine Gäste: "Ich mache mehr Umsatz und kann so viele Gäste einlassen wie üblich. Und es gibt keine Einschränkungen mit Masken oder Abstandhalten."

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Audioseite Anfeindungen für Fuldaer Wirt wegen Umsetzung der 2G-Coronaregel

Fuldaer Kneipenwirt Robert Hofmann
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Steffen Ackermann, der Fuldaer Kreisvorsitzende im Branchenverband Dehoga, sagte: Auch enttäuschte Gäste müssten Verständnis aufbringen, dass Gastwirte einen Weg finden müssen, rentabel zu arbeiten. Wenn man eine kleine Gaststube oder Kneipe habe und dann pro Gast fünf Quadratmeter einplanen müsse, sei die Kapazität arg begrenzt. "Wer getränkeorientiert arbeitet, wird sich wohl eher für 2G entscheiden."

Hessens Dehoga-Chef Wagner analysierte die Umfrage mit den Worten: "Bei dem Vorstoß, über das 2G-Optionsmodell im Gastgewerbe die Impfquote in der Bevölkerung flankierend zu den übrigen Maßnahmen zu steigern, hat die Politik die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Bedenken der Branche sind mehrheitlich zu groß." Der Langmut der Wirte sei ausgereizt. Die Auffassung, dass auch bei 3G ein sicherer Gastro-Besuch möglich sei, überwiege in der Branche.

Mehrheit will auch bei 3G keine Masken mehr

Lediglich 28 Prozent der Hoteliers und Gastronomen in Hessen halten die derzeitigen Regelungen der hessischen Verordnung zum 2G-Optionsmodell für der Lage angemessen.

58 Prozent fordern angesichts der landesweiten geringen Corona-Inzidenzen in den Innenräumen des Gastgewerbes die Maskenpflicht bis zum Sitzplatz für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete sowie die Abstände abzuschaffen. Vorbilder seien die Bundesländer Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und das Saarland.

Wagner sagte, bei allem Zuspruch des Dehoga Hessen für das 2G-Modell insbesondere in Clubs und Diskos müsse man feststellen: "Die Frage, ob wir in Hessen noch eine Impfquote von 75 Prozent der Bevölkerung erreichen, wird nicht an der Restaurant-Tür entschieden. Und da gehört sie auch nicht hin."

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80 Kommentare

  • Wie oft kommen denn solche Umfragen noch? Ist nicht so langsam alles gesagt, auch von allen?

  • Mal abgesehen das man keine Kaffeefilter mehr sehen möchte wenn man Feierabend hat, ebenso wie Abstand und Stillsitzen. . Hat sich die Frage nicht sowieso erledigt sobald die Testerei teuer wird. Bei meinen Lokalitäten gehen die Wirte sowieso davon aus das 90 der Gäste geimpft sind.

  • Entweder ganz oder gar nicht! Soll heissen, entweder bin ich geimpft oder genesen und somit keine grosse Gefahr mehr für andere, oder aber ich habe Pech gehabt!
    Anders bekommt man die Pandemie nicht in den Griff!
    Wer jetzt noch fordert, dann haltet halt intensivkapaziäten frei, hat es noch nicht kapiert. Die Allgemeinheit trägt die Kosten und das gilt nicht nur für das Monetäre.

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