Zweimal hat der hr hessische Schüler während der Corona-Pandemie gefragt: Wie geht’s Euch? Die Umfrageergebnisse zeigen: Schon vor dem zweiten Lockdown hat Homeschooling den Schülern zugesetzt. Nun scheinen einige an ihre Belastungsgrenze zu stoßen.

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hessenschau vom 23.02.2021
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"Es hört irgendwie nie auf, es fühlt sich an, als ob es so unendlich weitergehen würde", sagt der 17-jährige Elias: "Man fühlt sich zu nichts verpflichtet." Alles wirke irgendwie leblos.

Elias besucht die Ludwig-Geißler-Berufsschule in Hanau. Er hat Glück, denn er darf anders als viele andere Schüler in seinem Alter zumindest drei Tage pro Woche in die Schule gehen. Dennoch kämpft Elias mit dem Homeschooling.  

77 Prozent der Schüler fühlen sich schlecht

So wie ihm geht es den meisten Kindern und Jugendlichen in Hessen. Das zeigen die Ergebnisse zweier Umfragen des Hessischen Rundfunks: Demnach fühlen sich viele Schüler derzeit "gestresst", "überfordert", "depressiv" oder "erschöpft". 77 Prozent antworteten auf die Frage "Wie fühlst Du Dich - in einem Wort?" mit negativen Begriffen, nur 13,5 Prozent haben Positives wie "gut" oder "glücklich" zu Protokoll gegeben.

Sowohl im Dezember 2020 als auch Anfang Februar 2021 wurden Schüler anonym nach ihrer Situation gefragt. Insgesamt wurde an der nicht repräsentativen Umfrage rund 7.000 Mal teilgenommen.

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Für 49 Prozent der Schüler hat der Leistungsdruck "stark" (17 Prozent) oder "eher" (32 Prozent) zugenommen. Nur 23 Prozent sagen, dass er "eher" (16) oder "stark" abgenommen (7) habe. Auch sagen 51 Prozent der Schüler, dass es ihnen "viel schwerer" (19) oder "eher schwerer" (32) falle, ihre Aufgaben zu erledigen. "Eher leichter" (10 Prozent) oder gar "viel leichter" (3) fällt es nur den wenigsten Schülern.

Der 17-jährige Elias gehört zu denjenigen, denen Homeschooling zu schaffen macht. "In der Schule kriege ich einfach den Stoff ein bisschen besser mit. Dann kann der Lehrer nochmal alles erklären, wenn ich es nicht verstehe." Über das Internet sei es immer ein bisschen schwerer. In der Schule habe man mehr Vorteile. "Das macht mir auch persönlich mehr Spaß", so Elias. 

Mangelnde Ausstattung, schlechtes Lernumfeld

Von diesen Erfahrungen weiß auch Jessica Pilz, stellvertretende Landesschulsprecherin aus Hanau, zu berichten. "Viele Schüler haben Schwierigkeiten, im Distanzunterricht weiterhin die Leistungen zu erbringen, die sie im normalen Unterricht erbringen würden." Mangelnde Ausstattung, schlechtes Lernumfeld und psychische Belastungen durch die Pandemie nennt Pilz als Gründe dafür. Die Schulsprecherin leitet den Ausschuss für psychische Gesundheit in der Schülervertretung.

Sie meint auch, dass Schülern mehr Kompetenzen vermittelt werden sollten, sich selbst zu organisieren und sich neues Wissen anzueignen. "Deshalb haben viele Schüler momentan ihre Probleme damit, den Alltag zu strukturieren oder sich selbstständig neuen Themen anzueignen", so Pilz.

Schüler vermissen Freunde und Abwechslung 

Weitere Informationen

Corona-Logbuch Schule

In einer mehrteiligen Serie fragt das hr-fernsehen, wie es Kindern in der Pandemie geht, wenn sie nicht in die Schule können.

Corona-Logbuch Schule (ARD Mediathek)

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Dass die Situation zunehmend belastend ist, zeigen weitere Ergebnisse der Umfrage. So vermissen 85 Prozent der Schüler den Kontakt zu ihren Freunden, 66 Prozent ihre Hobbys oder Sport. Der Lockdown scheint dabei die Wünsche und Bedürfnisse zu verstärken: Im Vergleich zur ersten Befragung im Dezember wächst vor allem der Drang nach Abwechslung (Freunde treffen, Haus verlassen, Urlaub, Kulturereignisse).  

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Umfrage fragt Schüler, wie es ihnen geht

Ein Grundschulkind sitzt mit einem Buch vor dem Laptop
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Landesschulsprecher Dennis Lipowski erklärt sich das so: "Es ist gerade in unserem Alter nicht gut, wenn Schule, Leistung - gewissermaßen der Job - und das Privatleben vermischt werden." Digitalunterricht, Arbeitsaufträge, Hausaufgaben, alles fände nun in einem Zimmer statt - wenn man denn überhaupt eines für sich alleine habe. Aber im Lockdown träfe das eben auch auf den größten Teil der Freizeit zu.  

Landsschulsprecher fordert Präsenzunterricht

Kaum eine Debatte wird derzeit so emotional geführt wie die über die Frage, wann Kitas und Schulen wieder regulär für alle öffnen sollen. Die Schüler werden dabei nur selten gefragt. Würden die Schüler vor die Wahl gestellt, würde die klare Mehrheit für den Präsenzunterricht stimmen, ist Lipowski überzeugt.

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Das zeigen auch die Ergebnisse der hr-Befragung: Während im Dezember noch rund 38 Prozent von zu Hause aus unterrichtet werden wollten, sind es jetzt nur noch 25 Prozent. 75 Prozent wünschen sich dagegen Unterricht entweder wie vor der Pandemie (32 Prozent), in der Schule mit geteilten Klassen (21) oder zumindest Hybrid-Unterricht mit Online- und Präsenzunterricht im Wechsel (23). Lipowski und andere Schüler fordern deshalb "so viel Präsenzunterricht wie möglich".

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Wer denkt, der Distanzunterricht fände nach einem Jahr Pandemie routiniert per Videotelefonie statt, der irrt. Nur rund 20 Prozent aller Schüler geben an, digitalen Unterricht nach Stundenplan zu haben. Die Mehrheit scheint teilweise Unterricht zu haben, teilweise Arbeitsaufträge erledigen zu müssen (aber mehr als üblich). 16,2 Prozent müssen sogar überwiegend Arbeitsaufträge (von Schulplattformen oder via E-Mail) allein bewältigen. 

Unterricht bestenfalls befriedigend 

Der Unterricht in der jetzigen Form in der Ausnahmesituation schneidet in der hr-Umfrage eher schlecht ab. Die Schüler gaben ihm die Schulnote "Vier plus" (Durchschnittswert 3,6).

Ohne Antwortmöglichkeiten vorzugeben, haben wir die Schüler gefragt, woran es an der Schule für Online-Unterricht mangelt. 43 Prozent der Teilnehmer nennen die Medien-Kompetenz der Lehrer. 40 Prozent die Internetverbindung, zehn Prozent die technische Ausstattung. Und: Noch immer fehlt es 12 Prozent der Schüler zu Hause an notwendiger Technik oder Ruhe für den Unterricht.

Dass es überhaupt einigermaßen läuft, liegt laut der Vize-Landesschulsprecherin Jessica Pilz am Einsatz der einzelnen Schulen. "Die Hilfestellung des Kultusministeriums an die Schulen nehmen wir als eher schwach wahr." Deshalb sei Eigeninitiative gefragt.

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Schüler sehnen sich nach Normalität 

In der hr-Umfrage wurde auch gefragt, worauf sich Schüler in der Zukunft am meisten freuen. Die klare Antwort: auf normalen Unterricht. Das haben 70 Prozent der Teilnehmer angegeben. Immerhin rund zwei Drittel freuen sich darauf, wenn sie in den Pausen und der Schule frei bewegen können, ohne auf Corona achten zu müssen (65 Prozent).

Bleiben darf nach Ansicht von 58 Prozent der Schüler der vermehrte Einsatz von Smartphones und Tablets - im Dezember lag dieser Wert allerdings noch deutlich höher, nämlich bei 70 Prozent. Denn offenbar lässt der Distanzunterricht hier die Wünsche nach einer digitaleren Zukunft schrumpfen. So wollen auch nur noch 24 Prozent der Schüler künftig mehr Online-Unterricht als vor der Pandemie (Dezember: 36 Prozent).

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Hintergrund zur Umfrage "Deine Stimme zählt"

Vom 11. bis 20. Dezember 2020 und vom 29. Januar bis 7. Februar 2021 hat der hr hessische Schüler in zwei Online-Befragungen um Antworten gebeten. Ein Link, der jeweils im Schneeballsystem über Messengerdienste verbreitet wurde, führte im Dezember rund 4.200 und im Januar rund 2.600 Schüler zur jeweiligen Umfrage.  

Die nicht-repräsentative Umfrage wurde offen für alle Schulformen und Jahrgänge in ganz Hessen konzipiert, die Teilnahme erfolgte anonym. Das Teilnehmerfeld bestand zu etwa 60 Prozent aus weiblichen und 36 Prozent aus männlichen Teilnehmern. Rund 1,2 Prozent wählten die Option "divers", der Rest machte keine Angaben. Überwiegend sind die Teilnehmenden in den Jahrgangsstufen 7 bis 13, mehrheitlich am Gymnasium, Gesamtschulen, Berufsschulen und Realschulen. 

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zum hr-fernsehen.de Video Homeschooling 2.0 - Eine Schule zeigt, wie es geht

Homeschooling - Eine Schule zeigt wie es geht
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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 23.02.2021, 19.30 Uhr