Klinik Wolfhagen

In Wolfhagen wird es künftig wohl keine stationären Behandlungen von Patienten mehr geben. Die Gesundheit Nordhessen Holding will sich neu aufstellen und die Klinik durch ein Ärztehaus ersetzen. Der Landkreis Kassel versucht das noch verhindern.

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Das Krankenhaus in Wolfhagen (Kassel) soll geschlossen werden. Das geht aus einem Umstrukturierungskonzept der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) hervor, dem der Aufsichtsrat in dieser Woche zugestimmt hat. An die Stelle der Klinik soll ein Ärztehaus treten.

Klinik nicht mehr wirtschaftlich

Die Klinik in Wolfhagen könne in ihrer jetzigen Form nicht wirtschaftlich betrieben werden, hieß es in einer Mitteilung. Sie sei zudem für die medizinische Versorgung der Bevölkerung verzichtbar. Die stationäre Versorgung soll demnach nach Bad Arolsen verlagert werden, wo ein Ausbau mit geringem Aufwand möglich sei. Darüber berichtetete zuerst die HNA.

Am Neubau der Klinik in Hofgeismar will die GNH festhalten. "Wir werden das medizinische Konzept dafür in den kommende Wochen noch einmal prüfen", sagte Vorstandschef Michael Knapp. Das Einzugsgebiet des Klinikums Kassel soll vergrößert werden. Zudem strebt man dort eine Verbesserung interner Prozesse und effizientere Abläufe in der Notaufnahme sowie den Intensivstationen und OPs durch Digitalisierung an.

Keine Kündigungen geplant

Man reagiere mit der Neuausrichtung unter anderem auf neue gesetzliche Vorgaben und Kostenzwänge, teilte die GNH mit. So müssten ab 2020 Krankenhäuser wegen des neuen Pflegepersonalstärkungsgesetz in Vorleistung treten.

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Leere Krankenbetten
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Für die GNH gehe es dabei um rund zwei Millionen Euro pro Monat. Zudem stünden durch Neubauten in Kassel und Hofgeismar Investitionen von 75 Millionen Euro an, die nur teilweise durch Fördermittel gedeckt seien.

Der Aufsichtsratsvoritzende der GNH, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), sprach von einem "ersten wichtigen Meilenstein". Er versicherte, dass es bei der GNH durch die Umstrukturierung keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde.

Landkreis stellt sich quer

Der Landkreis Kassel als Minderheitseigner der GNH will die Schließung der Wolfhagener Klinik nicht hinnehmen. Stattdessen wolle man Alternativkonzepte vorlegen, die eine stationäre Versorgung in der Stadt auch in Zukunft sicherstellen sollen, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn am Donnerstag hessenschau.de. "Für uns ist die Messe noch nicht gelesen."

Man werde dazu im Kreistag einen Dringlichkeitsantrag einbringen, sagte Kühlborn. Nach seinen Angaben plant der GNH-Aufsichtsrat die Schließung der Klinik zur Mitte des kommenden Jahres.

Die GNH beschäftigt nach eigenen Angaben 4.800 Mitarbeiter. Haupteigner ist zu 92,5 Prozent die Stadt Kassel, der Landkreis Kassel hält 7,5 Prozent. Neben den genannten Kliniken betreibt die GNH auch Reha-Zentren und ein Zentrum für medizinische Versorgung sowie eine Seniorenwohnanlage in Kassel.

Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 19.09.2019, 19.30 Uhr