Aktivistin im Baum - Maulbacher Wald

Der Konflikt um den Ausbau der Autobahn 49 in Mittelhessen hat sich zu Wochenbeginn in den Maulbacher Wald verlagert. Waghalsige Blockaden machten die Räumung für die Polizei zum heiklen Einsatz.

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zum Video Proteste der A49-Gegner gehen weiter

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Nachdem in der vergangenen Woche die Rodungen im Herrenwald begonnen hatten, verlagerte sich am Montag das Geschehen in den Maulbacher Wald bei Homberg (Ohm). Auch dort wurden Bäume gefällt.

Aktivisten besetzten am Morgen einen Teil des Waldes. Das Motto: "Maul behalten, statt Maul halten". Mit Sitzblockaden und einer Barrikade aus Stämmen versuchten sie, die Rodungsarbeiten zu verhindern. Viele hingen an Seilen und Hängematten in den Bäumen. Zudem gab es eine Mahnwache. Im Laufe des Tages nahm die Polizei mehr als 20 Aktivisten vorübergehend in Gewahrsam, um ihre Identität zu überprüfen.

Der Einsatz war für beide Seiten aufgrund der Manöver der Aktivisten heikel. So versuchten Kletterer der Polizei, eine Frau aus einer Hängematte in zehn Metern Höhe zu holen. Die Frau spielte währenddessen Flöte und sang Lieder. Am Boden wurde ein Sprungtuch ausgebreitet. Unter Protesten gelang es der Polizei schließlich, die Frau herunterzuholen.

Weitere Aktivisten lagen nach Informationen der Polizei unter Barrikaden von Baumstämmen. Fast zwei Meter hoch war das Holz aufgeschichtet, die Baustämme lagen kreuz und quer über den Menschen. Nach einiger Zeit konnten sie befreit werden. Das Polizeipräsidium Mittelhessen warnte: "Solche Konstruktionen sind gefährlich und können einstürzen."

Sitzblockaden und Tripods

Andere Autobahngegner hatten sogenannte Tripods errichtet. Dabei handelt es sich um drei Baumstämme, die zu einer Art Turm aufgestellt werden. Im oberen Teil hatten sich Personen mit Gurten und Schlaufen befestigt. Aus einer dieser Blockaden holte die Polizei einen Aktivisten heraus, der anschließend medizinisch versorgt werden musste. Laut Polizei war er entkräftet, aber nicht verletzt.

Rund 100 Personen blockierten den Kreisel Berliner Straße/Marburger Straße in Homberg (Ohm), was für Staus und Verkehrsbehinderungen sorgte. Die Polizei löste eine Mahnwache am Maulbacher Wald auf und verlagerte sie etwa 200 Meter weiter weg, weil sie sich im Sicherheitsbereich rund um die Rodungsarbeiten befunden habe. Die Umweltschützer übten an dem Vorgehen der Polizei Kritik.

Deges: Rodungsarbeiten gut vorangekommen

Am Nachmittag demonstrierten laut einem Polizeisprecher etwa 65 Aktivisten bei einem großen Lastwagen bei Homberg: "Einige Personen haben eine Raupe auf dem Tieflader in 4,50 Meter Höhe bestiegen. Dafür haben wir die Höhenretter angefordert." Bereits am Morgen hatte es eine einstündige Sitzblockade einer Süßwaren-Fabrik in Stadtallendorf gegeben. Außerdem wurde am Dannenröder Forst eine Baumaschine blockiert.

Am späten Mittag konnten die Rodungsarbeiten schließlich starten. Ein Sprecher der Projektgesellschaft Deges sagte dem hr, die Rodungsarbeiten seien trotz der Blockaden gut vorangekommen. Am Dienstag solle es im Maulbacher Wald weitergehen.

Bau der A49 steht im schwarz-grünen Koalitionsvertrag

Vor dem Bundesverkehrsministerium in Berlin demonstrierten Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion gegen den Weiterbau der A49. Der ehemalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kritisierte derweil die Forderung der Grünen nach einem Moratorium.

Parteichefin Anna-Lena Baerbock hatte am Wochenende gefordert, alle Autobahn- und Bundesstraßen-Bauprojekte auf Eis zu legen, um zu prüfen, ob sie sich mit dem Klimaschutz vereinbaren lassen. Dobrindt bezeichnete dieses Vorhaben gegenüber der Deutschen Presse-Agentur als "Gift für den Wirtschaftsstandort Deutschland und eine harte Attacke gegen die Mobilität".

Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) twitterte: "Die Großstadt-Grünen verstehen nicht, was ganz Deutschland braucht. Die Straße ist ein unverzichtbarer Verkehrsweg - NEBEN der Schiene, Luft und Wasser." Dass die Grünen sich nun bei der A49 in Szene setzten, beweise ihre Doppelmoral, kritisierte Scheuer. In Hessen stehe der Bau der A49 im schwarz-grünen Koalitionsvertrag.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 05.10.2020, 19.30 Uhr