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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Umweltorganisationen rufen zum Plastikfasten auf

Mikroplastik

Eingeschweißte Bananen, Bonbonpapier oder Coffee to Go: Muss das sein? Umweltorganisationen rufen in den kommenden sieben Wochen zum Plastikfasten auf. Ein Gespräch mit Sabine Wolters vom BUND Hessen.

Die Müllberge wachsen und wachsen. Laut Umwelthilfe verursacht Deutschland von allen europäischen Ländern den meisten Verpackungsmüll. Umweltorganisationen wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Deutsche Umwelthilfe rufen deshalb in diesem Jahr zum Plastikfasten auf. Die Idee: Verbraucher sollen sich in den nächsten sieben Wochen bis Ostern vermehrt fragen, wo sie überall Plastikmüll produzieren und wie sie ihn reduzieren können. Unter #plastikfasten können sich die Fastenden Tipps und Inspiration für ein plastikfreies Leben geben lassen.

In der Katholischen Familienbildungsstätte Buseck (Gießen) gibt es dieses Jahr eine Plastikfasten-Gruppe. Geleitet wird sie von Sabine Wolters, der Jugendbildungsreferentin vom BUND Hessen. hessenschau.de sprach mit ihr.

hessenschau.de: Frau Wolters, Plastikfasten war auch in den letzten Jahren immer mal wieder ein Thema. Haben Sie das Gefühl, dass Sie dieses Jahr damit einen besonderen Nerv treffen?

Sabine Wolters: Ja, das ist in letzter Zeit tatsächlich überall aufgeploppt, weil es auch so drängend ist. Es ist uns einfach bewusst geworden, wie viel Plastik in der Umwelt landet. Und das schadet ja nicht nur der Umwelt sondern auch uns. Im Plastik sind oft Zusatzstoffe wie Weichmacher oder Bisphenol A (BPA), die hormonell oder krebserregend wirken können. Der andere Faktor ist das Mikroplastik: Plastik zersetzt sich nur ganz langsam. Es wird vor allem zerrieben in kleinste Bestandteile. Und diese Partikel nehmen wir über die Nahrung wieder auf.

hessenschau.de: In der Plastikfasten-Gruppe in Buseck wollen Sie Verbrauchern helfen, unnötigen Müll zu reduzieren. Worum geht es genau?

Wolters: Es geht vor allem darum, sich bewusst zu machen, an welchen Stellen man bisher Plastik benutzt hat. Vor allem geht es um Verpackungsmaterial, weil das den größten Anteil am Plastikmüll ausmacht. Die Kursteilnehmer sollen sich fragen, welche Lebensmittel man zum Beispiel unverpackt einkaufen kann. Dafür macht man sich eine Einkaufsliste und überlegt sich: Welche Beutel oder Dosen nehme ich mit als Behälter?

Und dann schaue ich ganz gezielt: Wo kann ich diese Sachen lose einkaufen? Man kann zum Beispiel mit Tüten oder Beuteln Obst und Gemüse lose einkaufen, Käse und Wurst kann man sich in Kunststoff- oder Glasbehälter einpacken lassen, auch Brot kann man sich im Brotbeutel einpacken lassen. Das Ziel ist eine Verhaltensänderung: Also dass man sich Praktiken aneignet und dann beibehält. So dass man einen dauerhaften Beitrag zur Plastikreduktion leisten kann.

hessenschau.de: Gibt es noch andere Lebensbereiche, in denen wir Plastik vermeiden können?

Wolters: Für mich war neu, dass ein großer Teil des Mikroplastiks im Meer durch Abrieb beim Waschen von synthetischen Textilien entsteht. Das macht 35 Prozent des Mikroplastiks im Meer aus. Drei Viertel unserer Faserproduktion sind synthetische Textilfasern. Die stecken also nicht nur in Sportkleidung und Putzlappen sondern auch in ganz normalen Textilien, die man so trägt. Dafür habe ich mir jetzt einen Waschbeutel zugelegt – aus Plastik. Da kommen die synthetischen Textilien beim Waschen rein und dann werden die Fasern in diesem Beutel gesammelt und man kann sie hinterher entnehmen und im Restmüll entsorgen. Damit gelangen sie dann nicht ins Abwasser und ins Meer.

hessenschau.de: Also gibt es auch bei Ihnen zu Hause immer noch Plastik?

Wolters: Ja, natürlich. Ganz viele Gebrauchsgegenstände enthalten ja Plastik oder bestehen aus Plastik. Mein Staubsauger oder mein Mixer zum Beispiel. Und die Sachen versuche ich, dann möglichst lange zu benutzen und zu reparieren, wenn es geht.

hessenschau.de: Kann man überhaupt plastikfrei leben?

Wolters: Ja, es gibt durchaus Menschen, die das machen.

hessenschau.de: Wo ist es am schwersten, auf Plastik zu verzichten?

Wolters: Das hängt natürlich von der persönlichen Lebensführung ab. Ich hab zum Beispiel nie To Go-Becher benutzt, deshalb ist das für mich auch kein Problem, darauf zu verzichten. Bei mir ist das zum Beispiel die Umstellung bei Kosmetika. Da habe ich noch nicht alles auf feste Seifenstücke umgestellt, sondern ich habe noch das Shampoo in der Plastikflasche.

Bei Kosmetik ist der erste Schritt zu schauen, dass man auf jeden Fall Produkte nimmt, die frei von Mikroplastik sind. Das ist oft in Peelings oder Zahncremes drin. Und man kann auch Dinge selbst herstellen, Cremes und Zahnpasta sind ganz einfach. Cremes gibt es zum Beispiel auch in Glasbehältern zu kaufen.

hessenschau.de: Es gibt ja immer mehr Unverpackt-Läden, in denen man lose Lebensmittel und Produkte ohne Mikroplastik kaufen kann. Sind solche Läden für Sie die Lösung?

Wolters: Die Unverpackt-Läden machen es einem einfacher, weil die ein breites Sortiment haben und man sich da mit allem ausstatten kann. Aber man kann auch in anderen Läden unverpackt einkaufen. Und es wäre ja auch schön, wenn auch die nach und nach umstellen. Es ist also gut, in Läden nachzufragen, ob die nicht bestimmte Produkte auch unverpackt anbieten können.

hessenschau.de: Plastikverzicht kann ja auch viel Zeit kosten, etwa weil man beim Einkaufen immer an Behälter denken muss, nur in bestimmte Läden gehen kann oder mehr Dinge selbst herstellen muss. Das finden viele Leute anstrengend oder sogar abschreckend. Was raten Sie denen?

Wolters: Ich rate dazu, Schritt für Schritt vorzugehen und sich erst mal eine Sache anzueignen, die leichtfällt oder wo man besonders viel Plastikmüll vermeiden kann. Wenn man etwa auf dem Weg zur Arbeit immer einen Coffee To Go nimmt, dann kann man den ja weiter nehmen, aber man bringt sich den Thermobecher mit.

Und schon hat man ganz viel Plastikmüll gespart. Und so kann man sich nach und nach Bereiche aneignen. Es ist nicht schlimm, wenn man nicht alles auf einmal umstellen kann. Jeder einzelne Bereich, den man umstellt, hilft ja schon bei der Plastikreduzierung.

Das Gespräch führte Rebekka Dieckmann

Sendung: hr4, 26.02.2020, 7.30 Uhr