Bildkombo Auschwitz-Häftlinge und Tonband des Auschwitzprozesses
Zu den in die Liste aufgenommen Prozessakten gehören auch Tonbänder Bild © picture-alliance/dpa

Sie sind Dokumente des nationalsozialistischen Vernichtungssystems in Auschwitz und nun Teil des Weltdokumentenerbes: Die Akten des 1. Frankfurter Auschwitz Prozesses sind jetzt von der Unesco ins "Gedächtnis der Welt" aufgenommen worden.

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456 Aktenbände und 103 Tonbänder des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963-1965) sind am Mittwoch offiziell ins "Gedächtnis der Welt" aufgenommen worden. Bei dem Festakt im Frankfurter Haus Gallus, wo der bisher größte Strafprozess in der Bundesrepublik geführt wurde, bekam der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) am Mittwoch die entsprechende Urkunde der Weltkulturorganisation Unesco überreicht.

Verena Metze-Mangold, Präsidentin der Deutschen Kommission der Unesco, erinnerte bei der Übergabe der Urkunde an die Bedeutung der Prozessakten auch für die Gegenwart. "Sie erinnern uns daran, dass wir Unrecht nicht schweigend hinnehmen dürfen", sagte sie. Der Auschwitz-Prozess gilt als wegweisend für die juristische Auseinandersetzung in der Bundesrepublik mit den nationalsozialistischen Verbrechen.

Minister Rhein sagte: "Die Dokumente des Frankfurter Auschwitz-Prozesses müssen uns immer wieder daran erinnern, was passieren kann, wenn Unrecht schweigend hingenommen wird."

22 Angeklagte, 319 Zeugen

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Die vom Hessischen Landesarchiv aufbewahrten sowie digitalisierten Prozessakten und Tonbandaufnahmen dokumentieren den gesamten Verlauf des Verfahrens, das der damalige Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer gegen viele Widerstände betrieben hatte. Darin mussten sich 22 Angeklagte vom stellvertretenden Lagerkommandanten bis zu niederen KZ-Schergen für die Gräueltaten an jüdischen und anderen Opfern in Auschwitz verantworten.

Ihre Aussagen sind in den mittlerweile auch im Internet abrufbaren Tonbandaufnahmen ebenso verewigt wie die der insgesamt 319 Zeugen in der Hauptverhandlung. Diese standen bei dem Prozess knapp 20 Jahre nach Kriegsende erstmals wieder ihren Peinigern gegenüber.

Milde Urteile, aber große Bedeutung

Die früheren SS-Mitglieder waren wegen Mordes und Beihilfe zum Mord im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau angeklagt. Die Urteile fielen relativ milde aus. Sechs der ehemaligen SS-Männer wurden wegen Mordes zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt, zehn Angeklagte kamen wegen gemeinschaftlicher Beihilfe zum gemeinschaftlichem Mord mit zum Teil kurzen Zuchthausstrafen davon. Drei Angeklagte wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Dennoch wurde der Prozess und vor allem die Berichterstattung über die Aussagen der ehemaligen Häftlinge des größten deutschen Vernichtungslagers für viele jüngere Deutsche zu einer Lehrstunde über die deutschen Verbrechen, über die in der damaligen Gesellschaft meist geschwiegen wurde.

"Unrecht nicht schweigend hinnehmen"

In Auschwitz-Birkenau wurden während des Zweiten Weltkrieges mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet. Die meisten der Opfer waren Juden. Auch polnische Widerstandskämpfer, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene, Homosexuelle und andere Verfolgte des Nazi-Regimes wurden dort ermordet.

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Weltdokumentenerbe

Das UNESCO-Programm zum Schutz bedeutsamer dokumentarischer Werke wurde 1992 ins Leben gerufen. Ziel ist, dokumentarische Zeugnisse aus Archiven, Bibliotheken oder Museen zu sichern und weltweit zugänglich zu machen.

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