Villa Meister Frankfurt

Die Villa Meister mit ihrem wundervollen Park ist ein Frankfurter Kleinod. Noch darf das Grün von jedermann genutzt werden - so hat es die letzte Eigentümerin einst in ihrem Testament verfügt. Die Erben haben die Villa nun an einen privaten Investor verkauft, der plant den Bau exklusiver Wohnungen.

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Villa Meister Frankfurt - Innenansicht - Treppe und Glasfenster
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Die Villa unter den Linden, auch Villa Meister genannt, liegt versteckt in einer ruhigen Seitenstraße im Frankfurter Stadtteil Sindlingen. Das gusseiserne Tor ist offen, gibt den Blick frei auf eine lange Kastanienallee. Am Ende liegt die alte, beeindruckende Gründerzeit-Villa mit verspielten Ornamenten, Einflüssen aus Jugendstil und italienischer Baukunst.

Drumherum: Grüne Wiese, Büsche und alte Bäume. Schatten und Licht wechseln sich ab. Ruhig und friedlich ist es hier. "Ein Kleinod mitten in Frankfurt“, schwärmt Planungsdezernent Mike Josef (SPD), wie es sie nur noch selten in der Stadt gebe.

Ein Juwel mit dem Charme vergangener Zeiten

Von der Terrasse aus hat man einen weiten, freien Blick auf den Main. Über 100 Jahre lang war die Villa im Besitz der Familie Meister, einer alteingesessenen Frankfurter Unternehmer-Familie, die die Höchst-Werke mitgegründet hat. Zur Villa gehören mehrere Gebäude, das Gärtnerhaus, die Reithalle, Orangerie und eine weitläufige Parkanlage.

Orangerie der Villa Meister in Frankfurt

Das gesamte Ensemble wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut. Die Villa steht unter Denkmalschutz und gilt als wichtiger Teil deutscher Industriegeschichte. Sie versprüht den Charme vergangener Zeiten. An vielen Stellen blättert der Putz, das Dach müsste neu gemacht werden. Man sieht der Villa an, dass sie saniert werden muss.

Schon seit Jahren wurde über die Zukunft von Villa und Park diskutiert. Die Eigentümer, eine Erbengemeinschaft der Familie Meister, wollten verkaufen. Im Stadtteil Sindlingen machten Gerüchte die Runde von Immobilienmaklern in dunklen Limousinen, die vor dem Anwesen parkten. Jetzt hat die Erbengemeinschaft verkauft. An einen privaten Investor.

Investor plant exklusive Wohnungen

Der Immobilien-Spezialist Cairos-Gruppe hat die Villa mit sämtlichen Gebäuden und dem Park gekauft. Damit ist eine jahrelange Debatte über den zukünftigen Eigentümer beendet. "Wir gehen jetzt in Gespräche mit der Stadt. Natürlich wollen wir das Ensemble nach den Richtlinien des Denkmalschutzes sanieren", sagt der Geschäftsführer der Cairos-Gruppe Frankfurt, Marcus Bube.

Um die Kosten zu refinanzieren, sollen auf dem Gelände exklusive Wohnungen geschaffen werden - in und außerhalb der Villa. Ob zum Kauf oder zur Miete sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar. Der Kauf sei noch zu frisch. Noch sei die Erbengemeinschaft offiziell Eigentümer.

Umweltdezernentin: "Wir haben eine Chance vertan"

Auch die Stadt Frankfurt hatte die Chance, die Villa samt Anwesen zu erwerben. "Die Stadt Frankfurt wäre ein wünschenswerter Käufer gewesen", erklärt Robert v. Bennigsen, Vertreter der Erbengemeinschaft. Doch im Frankfurter Magistrat fand sich dafür keine Mehrheit. Deshalb habe man sich auf dem freien Markt umgeschaut.

"Ich finde es schade, dass wir diese Chance vertan und diese wunderschöne Villa mit dem alten Baumbestand aus der Hand gegeben haben“, sagt Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Wenn da jetzt gebaut werde, verliere die Anlage ihren Charakter.

Parkanlage der Villa Meister in Frankfurt

Auch SPD-Planungsdezernent Mike Josef bedauert die Entscheidung: "Wir hätten ein solches Kleinod für die Stadt sichern sollen." Die Fläche sei für den Stadtteil sehr wertvoll. Nun müsse man abwarten was der Investor vorhat und welche Konsequenzen das hat, so Josef.

Die CDU war aus wirtschaftlichen Gründen dagegen. Von einer Kaufsumme in zweistelliger Millionenhöhe war die Rede. Offiziell bestätigen will das niemand. Auch Albrecht Fribolin (CDU), ein Sindlinger Urgestein im Ortsbeirat, hätte einen Kauf durch die Stadt für falsch gehalten. "Frankfurt kann nicht für mehrere Millionen ein Gebäude kaufen, ohne erkennbaren Nutzen."

Suchtklinik und Reitverein auf dem Gelände

Seit etwa 30 Jahren nutzt eine Klinik für ehemalige Drogenabhängige die Räume der Villa. Die Leitung der Klinik wusste auf hr-Anfrage noch nichts von dem Verkauf. Doch die Klinik wird in absehbarer Zeit ohnehin in andere Räumlichkeiten umziehen.

Der Reitverein Sindlingen, der auf dem Gelände seit 70 Jahren seinen Sitz hat, steht dagegen vor einer ungewissen Zukunft. "Wenn der Verein dort weg müsste, wäre das das Aus", sagt Ortsbeirat Fribolin.

Sorge über künftige Bebauung und Parknutzung

Noch dürfen alle Bürger die Parkanlage mit den alten Kastanienbäumen nutzen. Die letzte alleinige Eigentümerin der Villa Meister, Elisabeth Meister, hat genau das gewollt und in ihrem Testament festgelegt. Diesem Wunsch soll auch künftig entsprochen werden, erklärt die Erbengemeinschaft. "Wir stellen uns vor, dass die Öffentlichkeit künftig Zugang zu der privaten Parkanlage haben kann", betont Robert v. Bennigsen.

Doch viele in Sindlingen sind da skeptisch. Norbert Lehmler wohnt seit 60 Jahren direkt neben dem Anwesen. "Ich fände es schade, wenn jetzt hier alles zugebaut würde", sagt er. Nach Angaben des Planungsdezernats dürfen nicht mehr als 50 Wohneinheiten auf dem Gelände gebaut werden.

Abschiedsfest im Frühsommer 2020

Der Frankfurter SPD-Stadtverordnete Sieghard Pawlik wohnt in Sindlingen und zweifelt daran, dass nach dem Verkauf an einen Privat-Investor alles so bleibt wie es ist. "Das glaubt doch kein Mensch, dass dieser Ort dann für Bürgerinnen und Bürger zugänglich bleiben wird." Seine Befürchtung: "Die Leute die dann in den Wohnungen wohnen, werden den Park exklusiv für sich und ihre Ruhe haben wollen."

Die Erbengemeinschaft plant für das kommende Jahr ein Abschiedsfest. "Wir werden uns voraussichtlich im Frühsommer 2020 bei der Sindlinger Bevölkerung mit einem Abschiedsfest für die über 100-jährige gemeinsame Zeit mit unserer Familie bedanken", verspricht Robert v. Bennigsen.

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Die Villa Meister – ein Industriedenkmal mit Geschichte

Die Familie Meister, eine alteingesessene Unternehmerfamilie, gehört zu den Gründern der Höchst AG. Die Villa ist denkmalgeschützt und ein Teil deutscher Industriegeschichte. Das Ensemble mit der Gründerzeit-Villa, den Stallungen, der Orangerie und dem Gärtnerhaus wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut. Entworfen hat es der königlich-preußische Baurat Franz von Hoven im Auftrag des Vorstandsvorsitzenden der Farbwerke Hoechst, Herbert von Meister.

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Sendung: hr4, 30.08.2019, 15.30 Uhr