Der Hauptgebäude der Universität Gießen, von unten nach oben fotografiert

Ein Hacker-Angriff legte die Computersysteme der Uni Gießen wochenlang lahm. Am Montag will die Hochschule ihre Homepage wieder freischalten. Bis alle Systeme wieder laufen, wird es aber noch dauern.

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hessenschau kompakt - 16:45 Uhr - 06.01.2020
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Die Geschäftsleitung der Gießener Justus-Liebig-Universität (JLU) sprach von "guten Nachrichten", als sie sich jetzt in einem auf Deutsch und Englisch verfassten Rundschreiben an die Studierenden und Lehrenden der Hochschule wandte. Wichtige Teile des IT-Systems stünden ab kommendem Montag wieder zur Verfügung, steht in der von Uni-Präsident Joybrato Mukherjee unterzeichneten Mail, die dem hr vorliegt.

Wieder Zugriff auf digitale Lehrinhalte

Unter anderem nehme man die Lehrplattform Stud.IP wieder in Betrieb, die Zugriff auf digitale Lehr- und Lernmaterialien ermögliche. Wer sein neues Passwort vor Weihnachten bereits abgeholt habe, könne sich dort ab Montag wieder einloggen.

Auch die Webseite der JLU soll ab Montag wieder unter www.uni-giessen.de zu erreichen sein. Dort stehen derzeit nur aktuelle Informationen zum Shutdown der IT-Systeme. Bis alle Angaben - etwa zu Rückmeldefristen - auf dem neuesten Stand seien, werde es aber noch "ein paar Tage dauern", teilte Mukherjee weiter mit.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Uni Gießen kehrt zurück ans Netz

Uni Gießen Hauptgebäude
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Neben Stud.IP soll auch die Cloud-Plattform JLUBox ab Montag wieder arbeiten. Weitere Systeme wie die der Uni-Bibliothek und das Prüfungsverwaltungssystem FlexNow sollen nach Angaben der Universität in der Woche ab dem 13. Januar folgen. Der vollständige Internet-Zugang werde erst schrittweise in den kommenden Wochen möglich sein.

Die Renaissance der Karteikarten

Die Rechner der JLU waren Anfang Dezember Opfer eines mutmaßlichen Cyber-Angriffs geworden. Aus Sicherheitsgründen nahm die Universität daraufhin sämtliche Computersysteme vom Netz und fuhr sie herunter.

Seitdem stehen wichtige Systeme nicht zur Verfügung. Unter anderem müssen Angestellte und Nutzer in der Bibliothek wieder auf herkömmliche Karteikarten zurückgreifen. Langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlten sich an frühere Zeiten erinnert. Mukherjee sprach von einer "niederträchtigen kriminellen Attacke".

Insgesamt musste die Hochschulverwaltung rund 38.000 E-Mail-Konten neu einrichten, um die Sicherheitslücke zu schließen. Der Uni-Präsident dankte allen Beschäftigten, die ihre Weihnachtspause geopfert hätten, um die Systeme möglichst rasch wieder zur Verfügung zu stellen.

Weitere Städte von Angriffen betroffen

Neben dem Angriff auf die Universität, von dem auch die Uniklinik teilweise betroffen war, hatte es in den vergangenen Wochen weitere Cyber-Attacken auf Behörden gegeben. So hatte die Stadt Frankfurt Mitte Dezember ihre Systeme sicherheitshalber vom Netz genommen, nachdem dort Schadsoftware entdeckt worden war.

Auch die Stadt Bad Homburg fuhr ihre Rechnersysteme nach der Entdeckung von sogenannter Malware aus Sicherheitsgründen herunter. Zuletzt ging die Stadt Alsfeld vorsichtshalber offline, nachdem unbekannte Erpresser gedroht hatten, die Computer der Verwaltung zu verschlüsseln und Daten unzugänglich zu machen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 06.01.2020, 16.45 Uhr