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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Spendenkonto für Studierende in Gießen

Uni in Gießen

Die Universität Gießen hat eine Spendenaktion für Studierende in finanzieller Not gestartet. In der Corona-Krise sind vielen die Einkünfte weggebrochen. Ein ähnliches Hilfsprogramm an der Uni Marburg musste wegen bürokratischer Hürden gestoppt werden.

Als Bedienung in Club oder Kneipe oder im Sommer auf Festivals Instrumente schleppen: Viele klassische Jobs, mit denen sich Studierende nebenbei Geld dazuverdienen, sind durch die Corona-Krise weggebrochen.

Hinzu kommt, dass viele Eltern jetzt zum Beispiel durch Kurzarbeit selbst Geldprobleme haben und ihre Kinder nicht mehr so einfach finanziell unterstützen können. Weil die Lebenskosten auch für die Studierenden aber nicht geringer werden, geraten viele in Geldnot.

Verein: Hilfen von Bund und Land reichen nicht

Zwar gibt es schon Hilfsprogramme für Studierende, sowohl vom Land Hessen als auch von der Bundesregierung. "Die reichen aber nicht aus", sagt Nabor Keweloh, zweiter Vorsitzender vom Solifonds Gießen. Der Verein unterstützt unschuldig in Not geratene Studierende seit Jahren.

In der Corona-Krise hat er einen Sonder-Fördertopf von aktuell 40.000 Euro aufgelegt, von dem im Moment vor allem ausländische Studierende profitieren. Sie hätten oft keine andere finanzielle Unterstützung und müssten sonst wohl - mitten in der Corona-Krise - Deutschland verlassen.

Spendenkonto auch wegen abgelehnter Zuschüsse

Damit noch mehr Studierenden geholfen werden kann, will die Justus-Liebig-Universität Gießen den Verein unterstützen und hat jetzt ein Spendenkonto eingerichtet. "Anlass waren die zunehmenden Berichte über Notlagen von Studierenden - auch angesichts der zahlreichen Ablehnungen von Anträgen auf Zuschüsse", teilte Uni-Präsident Joybrato Mukherjee am Mittwoch mit.

Nabor Keweloh vom Solifonds findet das eine "super Geste". Allerdings müsse man gucken, was dabei rumkommt. Viele Leute hätten aktuell selbst große finanzielle Probleme. Deshalb rechne er nicht damit, dass dabei die Summe rauskommen werde, die gebraucht wird. Er hofft daher, dass die Uni selbst nochmal etwas drauflegt.

Uni Marburg sammelte 72.000 Euro an Unterstützung

Auch die Philipps-Universität Marburg hatte im Mai ein Programm gestartet, um Studierende vor der Corona-Pleite zu bewahren. Hier kamen laut Uni 72.000 Euro zusammen, die an 230 Studierende verteilt worden sind. Im Schnitt gab es für jeden einmalig 313 Euro.

Seit Anfang Juli pausiert das Programm aber, zum einen, weil das Geld ausgegangen ist, zum anderen ist es laut Uni aber auch schwer, die Hilfen mit den anderen Unterstützungen vom Staat zu kombinieren.

"Viele Studierende mussten sich hoch verschulden"

Weil die Uni aber nicht davon ausgeht, dass sich die Job-Situation für Studierende auf absehbare Zeit deutlich verbessert, sei sie darauf vorbereitet, eine weitere Spendenkampagne zu starten.

Dass das nötig werden könnte, hält auch Sophie Falschebner für wahrscheinlich. Sie hat als Mitglied der evangelischen Studierendengemeinde die Anträge auf Unterstützung für die Uni geprüft. "Viele Studierende mussten sich verschulden, haben sich Geld bei Freunden, der Familie geliehen oder sind auf dem Konto in den Dispo gerutscht."

Auch wenn sie im Nachhinein keinen Einblick in die Konten der Antragsteller mehr hatte: Falschebner geht nicht davon aus, dass die maximal 200 bis 400 Euro für jeden Studierenden ausreichend waren.

Sendung: hr4, 29.07.2020, 14.30 Uhr