Eine Studentin läuft über den Campus der Goethe-Universität Frankfurt

Pick-Up-Artists geben sich als Experten im Frauenaufreißen aus. Ein Student in Frankfurt klagte dagegen, dass eine Zeitung ihn als solchen identifizierte. Doch das war zulässig.

Ein Frankfurter Student brachte Männern in Uni-Seminaren bei, wie man seiner Meinung nach Frauen ansprechen sollte. Er war mit seiner Tätigkeit als Aufreiß-Coach nicht nur in einem Fernsehbeitrag, sondern auch auf der Internetseite seiner Agentur zu sehen.

Doch dass der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Goethe-Universität 2015 in seiner Zeitung öffentlich machte, dass er Teil der umstrittenen "Pick-up-Artist"-Szene war, wollte der Student verhindern. Er klagte gegen die Veröffentlichung.

AStA-Zeitung der Uni Frankfurt

Am Donnerstag hat das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt entschieden: Es war zulässig, dass die AStA-Zeitung in ihren zwei Artikeln den "Pick-up-Artist" als solchen identifizierte. In den Berichten waren ein Bild von ihm und Teile seines Namens zu sehen. Die Artikel setzten sich kritisch mit sexuellen Übergriffen auf Frauen auseinander und nannten den Einfluss von Aufreiß-Coaches als eine Ursache dafür.

OLG: Kläger begab sich bewusst in die Öffentlichkeit

Das Gericht erklärte zur Begründung, die Meinungsfreiheit der Verfasser wiege schwerer als die Persönlichkeitsrechte des Studenten. Die Artikel griffen zwar in dessen Persönlichkeitsrecht, allerdings nicht rechtswidrig. Der Mann sei online und durch seinen Auftritt in dem Fernsehbeitrag selbst bewusst in die Öffentlichkeit gegangen.

Als die Artikel veröffentlicht wurden, habe es vermehrt Übergriffe an der Universität gegeben. Deshalb habe "ein hohes öffentliches Interesse an einer Auseinandersetzung mit dem Phänomen der 'Pick-up-Artist'-Szene" bestanden, heißt es in der Urteilsbegründung.

Der Student klagte gegen die Studierendenschaft der Uni Frankfurt - und damit gegen den AStA als deren Vertreter. Das Landgericht Frankfurt hatte ihm zuerst Recht gegeben. Der AStA ging in Berufung vor dem OLG.

"Ein Sieg für die Pressefreiheit"

Für den AStA Frankfurt sei das Urteil ein "voller Erfolg", sagte dessen Anwalt, Wilhelm Achelpöhler, auf Anfrage des hr: "Das Oberlandesgericht hat erklärt, dass Artikel auch in einer AStA-Zeitung das Grundrecht der Meinungsfreiheit genießen." Das betreffe im Grunde alle Studierendenschaften in Deutschland und ihre Zeitungen.

Außerdem sei das Urteil ein "Sieg für die Pressefreiheit", sagte Achelpöhler weiter. Das Gericht habe nämlich das Recht der Presse gestärkt, im Einzelfall mit Namensnennung über öffentlich auftretende Personen zu berichten. Die Presse müsse nicht grundsätzlich anonymisiert berichten.

Weltweite Kritik an "Pick-up-Artists"

Seminare von "Pick-up-Artists" stehen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit in der Kritik. Ende 2014 sorgte der Aufreiß-Trainer Julien Blanc international für Negativschlagzeilen, weil er im Internet sexistische und demütigende Abschlepp-Tipps verbreitete.

Blanc rief zu Gewaltakten gegen Frauen auf. Das Ziel seiner Seminare: Männer sollten lernen, wie man Frauen auch gegen ihren Willen zu Sex nötigt. Als Einstieg in ein Gespräch mit einer fremden Frau empfahl er zum Beispiel den Würgegriff.

Das ging auch deutschen Politikern zu weit. "Wir wollen keine Seminare, die zu sexualisierter Gewalt an Frauen aufrufen, in Frankfurt. Solche Seminare schaden dem Ruf unserer Stadt“, sagte etwa Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und rief Hoteliers dazu auf, den selbst ernannten Verführungsberatern keine Räume zur Verfügung zu stellen.