Höchstens 19 Grad in Räumen, kalte Flure und Licht nur da, wo es wirklich nötig ist: Das sieht die geplante Energiesparverordnung auch für Unis und Hochschulen vor. Diese können sich sogar vorstellen, Gebäude zu schließen und wieder digital zu unterrichten.

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Unis: Heizung runter, Licht aus, oder gleich ganz Zuhause bleiben?

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Zehntausende Studierende, über hundert Gebäude: Manche hessischen Unis erinnern eher an kleine Städte, als an Bildungseinrichtungen. Doch egal ob groß oder klein, die Herausforderungen angesichts der drohenden Energieknappheit im Winter sind riesig.

Von der Politik gibt es nun erste Vorgaben. Mit der Energiesparverordnung ist etwa ab dem ersten September geregelt, dass die Innentemperatur in öffentlichen Gebäuden auf 19 Grad abgesenkt werden soll. Doch auch unabhängig davon haben sich in vielen Universitäten und Hochschulen bereits Task-Forces gegründet, die überlegen, wo sich Energie einsparen lässt. Besonders kritisch schauen Studierendenvertreter dabei darauf, dass in bestimmten Szenarien auch Gebäude geschlossen und die Lehre wieder in den digitalen Raum verlegt werden könnte.

Was bisher bekannt ist haben wir in einem Überblick zusammengefasst.

Goethe-Universität Frankfurt

Die Goethe-Universität wird nach Angaben von Kanzler Albrecht Fester nur indirekt von Gasknappheit betroffen sein, da die Gebäude im Wesentlichen über Fernwärme aus einem Müllheizkraftwerk versorgt werden. Dennoch könnte die Universität mit ihren rund 140 Gebäuden die Gasknappheit zu spüren bekommen, da sich der Gasmangel wohl auch im Fernwärmeverbundsystem bemerkbar machen wird. Zudem rechnet der Kanzler damit, dass die höheren Energiekosten ein zweistelliges Millionenloch in den Etat der Universität reißen werden.

Goethe-Universität in Frankfurt

Dass die Studenten nach zwei Jahren Corona-Pandemie in Präsenz unterrichtet werden können, habe oberste Priorität, so der Kanzler. Deshalb müssten zunächst alle anderen Möglichkeiten, wie etwa eine Senkung der Temperatur in den Uni-Gebäuden auf 19 Grad ausgeschöpft werden. Das bringe schon rund 15 Prozent Einsparungen. Dennoch: "Wenn größere Einsparungen nötig sind, kann man auch nicht ausschließen, dass man Gebäude schließen muss”, sagt der Kanzler. Etwa der Fachbereich Medizin, die Labore und auch der Maschinenpark der Universität müssten besonders vor Energieengpässen geschützt werden, um finanzielle Schäden und Sicherheitsrisiken zu vermeiden.

Hochschule Fulda

Laut Pressesprecher Peter Diehl wird die Hochschule Fulda aufgrund ihrer Heizart unmittelbar von einer Gasknappheit betroffen sein. Deshalb sei es möglich, dass bestimmte Gebäude in den Abendstunden früher schließen oder etwa an Samstagen ganz geschlossen bleiben. Zudem werde überlegt, ob die gesamte Hochschule zum Jahreswechsel länger als sonst üblich zubleibt. Auch könnte die Außenbeleuchtung abgeschaltet oder zumindest reduziert werden. Die Hochschule Fulda will nach eigenen Angaben so viele Veranstaltungen wie möglich vor Ort im Präsenzunterricht anbieten. Sollten Einschränkungen nötig sein, würden Laborübungen, Prüfungen und Forschungsprojekte mit Terminvorgaben vorrangig behandelt. Darüber werde kurzfristig entschieden.

Eine Studentin nimmt im April an einer Videokonferenz an der Hochschule Fulda teil

Hochschule RheinMain

Die Hochschule RheinMain prüft, wie der Gasverbrauch reduziert werden kann. Dabei ist der Standort Rüsselsheim als weniger kritisch im Vergleich zu Wiesbaden zu betrachten, weil hier mit einer Holzhackschnitzelanlage geheizt wird. Nach Angaben Hochschulsprechers Johannes Eickhoff wird überlegt, inwieweit Lehr- und Forschungszeiten gebündelt werden können, um Energie einzusparen. "Dabei gibt es unterschiedliche Varianten, wie der Betrieb phasenweise auf einzelne Gebäudeteile konzentriert werden könnte, um dann die Temperatur in den jeweils anderen Gebäuden auf 13 Grad abzusenken." Geplant sei allerdings weiterhin ein Semester im Präsenzbetrieb. Dafür sei eine große Flexibilität aller Beteiligter nötig.

Justus-Liebig-Universität Gießen

Uni Gießen Hauptgebäude

Die Justus-Liebig-Universität (JLU) will den Energieverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel reduzieren, so Sprecherin Charlotte Brückner-Ihl. Dafür soll etwa die Weihnachtspause um eine Woche bis zum 9. Januar verlängert und die Außenbeleuchtung der Gebäude reduziert werden, zudem soll weniger gekühlt und weniger geheizt werden. Eine generelle Schließung der JLU halte das Präsidium für falsch. Deshalb fasst Brückner-Ihl zusammen: "Der Kern der Lehre im Wintersemester 2022/23 wird eine 'energiearme Präsenzlehre' sein - selbstverständlich unter Einhaltung der rechtlichen Vorgaben."

Philipps-Universität Marburg

Die Philipps-Universität kann nach eigenen Angaben Teile ihrer Gebäude über ein Fernheizwerk versorgen und hat außerdem einen Öltank mit hoher Speicherkapazität und eine Notstromversorgung. Sollte es zu Engpässen bei der Energieversorgung kommen, könnten Notfallpläne greifen, die gerade noch erarbeitet oder aktualisiert würden. Dabei gehe es darum, etwa das Rechenzentrum, die Räume mit Tieren und Labore mit erhöhten Sicherheitsanforderungen weiter mit Energie versorgen zu können. Wie im Wintersemester der Energieverbrauch generell gesenkt werden kann, wird laut Pressesprecherin Christina Mühlenkamp gerade noch diskutiert. Denkbar wäre etwa, dass Lehrveranstaltungen morgens und abends, die bisher in dezentralen Gebäuden stattgefunden haben, in das Hörsaalgebäude zu verlegen, damit dieses verstärkt genutzt wird und die Temperatur in anderen Gebäuden abgesenkt werden kann.

Der Stundenplan für die "Public Climate School" ist im Audimax der Marburger Uni ausgestellt.

TU Darmstadt

Die TU Darmstadt prüft derzeit mit Verwaltungsmitarbeitern und Wissenschaftlern, an welchen Gebäuden es welche Einsparpotenziale gibt. Aufgrund bestehender Lieferverträge bis Ende des Jahres gebe es kein akutes Problem, jedoch bereite sich die TU auf Lieferengpässe und Preissteigerungen vor, so Sprecherin Silke Paradowski. Um Energie einzusparen, spiele neben smarter Technik vor allem der Faktor Mensch eine große Rolle, heißt es auf der Webseite der TU Darmstadt. Es gelte etwa die Helligkeit an Computerbildschirmen zu reduzieren, bei der Internet-Recherche für häufig besuchte Seiten Lesezeichen zu setzen und besser Links als E-Mail-Anhänge zu verschicken.

Universität Kassel

Studentinnen und Studenten stehen in einer Schlange vor einem Universitätsgebäude.

Die Universität Kassel setzt beim Energiesparen auf drei Bausteine, erklärt Georg Mösbauer vom GreenOffice der Universität: "Das können technische Anpassungen sein, indem wir Heizsysteme modernisieren. Das können organisatorische Maßnahmen sein, indem Flurbeleuchtungen in den Randzeiten manuell eingeschaltet werden müssen. Aber vor allem wollen wir die Nutzer einbinden." Zehn Prozent Energie will die Uni Kassel durch Verhaltensänderungen einsparen, etwa: Computer runterfahren, Heizung runterdrehen, Lichter abends konsequent ausknipsen. Auch die Universität Kassel arbeitet derzeit nach eigenen Angaben an Energienotfallplänen, die darüber entscheiden sollen, was mit sensibler Infrastruktur und dem Universitätsbetrieb bei Energieengpässen passiert.  Die Präsenzlehre habe oberste Priorität, trotzdem würden die Vor- und Nachteile mobiler Arbeit in Workshops und Gremien diskutiert.

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