Links: Ein von Urin im Laufe der Jahre zersetzter Sandstein an der Fassade der Schirn. Rechts: Ein Hinweisschild in der öffentlichen Toilettenanlage am Paulsplatz weist auf das kostenlos nutzbare Urinal hin.

Das Fehlen öffentlicher Toiletten sorgt in Frankfurt für immer mehr Wildpinkler. In der neuen Altstadt hinterlässt der Urin riech- und sichtbare Spuren. Doch die Stadt lässt beim versprochenen WC-Konzept die Dringlichkeit vermissen.

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Die Touristenströme in der neuen Frankfurter Altstadt sind groß - und sie werden nicht weniger. Seit Eröffnung der historischen Nachbauten zwischen Dom und Römer im vergangenen Jahr ist die Zahl der Neugierigen stetig gewachsen. Doch kaum ein Besucher weiß, wo eine Toilette zu finden ist. Und das ist kein Einzelfall: Generell gibt es viel zu wenige öffentliche WCs in Frankfurt.

Der Mangel ist nicht selten eine willkommene Einladung für Wildpinkler. Anwohner und Gastronomen in der Altstadt sind bereits genervt. Vom Geruch mal abgesehen: Viele Stücke im Mauerwerk seien schon verfärbt. Am Kaiserdom hatte der Urin einigen Steinen so sehr zugesetzt, dass diese ausgetauscht werden mussten.

Dom dient als stilles Örtchen

"Rund um den Dom ist ein beliebter Platz, um seine Notdurft zu entledigen", berichtet Stefan Scholz, Priester am Frankfurter Dom. Vor allem die Nordseite des Doms sei als stilles Örtchen begehrt. "Der Sandstein saugt den Urin auf. Das gibt unangenehme Gerüche und der Stein zersetzt sich", sagt Scholz.

Der Priester sieht dringenden Handlungsbedarf. Bei der Planung der Frankfurter Innenstadt habe man versäumt, entsprechende Toilettenanlagen zu bauen. Eine Möglichkeit sei, seiner Meinung nach, der Bau einer gut ausgeschilderten Toilettenanlage in der Nähe des Eisernen Stegs.

"Eine öffentliche Toilette ist zu wenig"

Das Rathaus ist von dem Problem der Wildpinkler ebenfalls betroffen, und auch am Mainufer gibt es zur Zeit noch keine öffentliche Toiletten. Die Stadt verweist sowohl Besucher der Altstadt als auch des Mains auf eine unterirdische Toilettenanlage am Paulsplatz. Diese ist für Besucher allerdings kaum zu finden und außerdem nachts auch noch geschlossen.

Stadtführerin Stefanie Reimann kennt die Toiletten-Situation in Frankfurt nur allzu gut. "Wir haben im Moment nur eine einzige öffentliche Toilette, die wir empfehlen können. Das ist etwas wenig", sagt sie. Sie wünscht sich, dass die Stadt noch mehr WC-Anlagen in der Altstadt errichtet.

Wo liegt das Problem?

Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) setzt sich seit Jahren für mehr Toiletten ein. "Wir haben immer mehr stationäre und auch mobile Toiletten gefordert", sagt er. Vor allem dort, wo sich viele Frankfurter und auch Touristen aufhalten, gebe es zu wenige Toiletten. Probleme sehe er vor allem in der Innenstadt samt Altstadt, im Bahnhofsviertel und auch im Gallus.

"Man hat den Eindruck, dass der Magistrat die Dringlichkeit nicht sieht und andere Prioriäten setzt", sagt Strank. Die Bereitschaft, ausreichend Geld zur Verfügung zu stellen, sei bislang nicht da gewesen. "Frankfurt gibt an dieser Stelle kein gutes Bild ab. Das muss die Stadt endlich in den Griff bekommen", beklagt er. Wiesbaden mache vor, wie es richtig gehe. Strank wünscht sich selbstreinigende Toilettenanlagen, die kostenlos und barrierefrei sind. Diese könne die Stadt durch Werbung finanzieren.

Was tut die Stadt?

Im Bau- und Immobiliendezernat wird seit langem an einem Toilettenkonzept gearbeitet. Doch das lässt bislang noch auf sich warten. Zunächst sollen zusätzliche Schilder aufgestellt werden, damit Besucher die WC-Anlagen besser finden können, sagt Stadtrat Jan Schneider (CDU). In den vergangenen Tagen habe man bereits neue Hinweistafeln rund um die Altstadt und den Dom montiert. In den nächsten Wochen sollen noch mehr folgen. Auch mithilfe von Karten und Toiletten-Apps könne man sich behelfen, sagt Schneider.

In ganz Frankfurt gebe es zur Zeit 57 städtische WC-Anlagen. Auf eine Toilette kämen demnach 13.000 Einwohner. "Im Vergleich zu anderen großen Städten stehen wir gar nicht so schlecht da", sagt Stadtrat Schneider. Andernorts komme man auf 20.000 bis 25.000 Einwohner pro Toilette. Die Touristen sind da aber noch nicht mit eingerechnet.

Bürger konnten Vorschläge äußern

Da Frankfurt aber eben auch sehr viele Touristen habe, arbeite die Stadt mit Hochdruck an einem Konzept. "Zum einen möchten wir alte Anlagen wieder in Betrieb nehmen und restaurieren", sagt Schneider. Zum anderen wolle man überprüfen, wo überhaupt Bedarf vorhanden sei. Dafür habe man auch eine Online-Umfrage durchgeführt, an der sich Bürger beteiligen konnten. Daraus haben sich viele Vorschläge ergeben.

Derweil prüfe das Bau- und Immobiliendezernat alle vorhandenen Anlagen sowie weitere WCs, etwa von Behörden, und trage diese zusammen. Insgesamt würden mehr als 400 Standorte auf ihre Eignung untersucht werden. Die Ergebnisse sollen im Laufe des Jahres vorgelegt werden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 8.7.19, 19:30 Uhr