Mahnwache in Hanau

Der Vater des Attentäters von Hanau machte in den vergangenen Wochen immer wieder wegen rechtsextremer Beleidigungen Schlagzeilen. Nun wurde einem Zeitungsbericht zufolge Anklage gegen ihn erhoben.

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zum Video Vater des Hanau-Attentäters offenbar angeklagt

Demonstration in Hanau
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Am 19. Februar 2020 ermordete Tobias R. aus rassistischen Motiven in Hanau neun junge Menschen. Auch seine Mutter und sich selbst tötete er anschließend. Knapp ein Jahr nach dem Anschlag ist nun offenbar sein Vater wegen mutmaßlich rechtsextremer Ausfälle ins Visier der Justiz gerückt.

Die Staatsanwaltschaft Hanau erhob nach Informationen der Bild-Zeitung gegen den Vater des Attentäters Anklage wegen rassistischer Beleidigung. Der 73-Jährige habe sich über eine Gedenkveranstaltung für die Opfer im Dezember beschwert und sie bei der Polizei angezeigt. Er beklagte dem Bericht zufolge, die Polizei hätte die "wilden Fremden" bei der Mahnwache Banner nahe seiner Wohnungstür aufhängen lassen. Wegen dieser Äußerung wurde die Staatsanwaltschaft nun offenbar aktiv.

Oberstaatsanwalt: "Nicht tolerabel"

Genaue Angaben zur Identität des 73-Jährigen macht die Staatsanwaltschaft aus Gründen des Persönlichkeitsrechts nicht. Der Hanauer Oberstaatsanwalt Dominik Mies sagte dem hr allerdings: "Solche rassistischen Beleidigungen sind für uns nicht tolerabel und werden von der Staatsanwaltschaft Hanau mit aller Konsequenz verfolgt."

"Der Spiegel" hatte bereits im Dezember berichtet, dass der Vater von Tobias R. gefordert hatte, sämtliche Gedenkstätten, die an die Opfer erinnern, zu entfernen, weil er darin "Volksverhetzung" sehe. Auch die Tatwaffe seines Sohnes soll er zurückgefordert haben.

Angehörige der Opfer und Mitglieder der Initiative 19. Februar hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass vom Vater des Attentäters Gefahrenpotential ausgehe und dieser regelmäßig rassistisch beleidige.

Sendung: hr-fernsehen, 10.02.2021, 19.30 Uhr