Ein Gesundheitsamt-Mitarbeiter mit Kontaktpersonenliste.

Ihnen kommt eine zentrale Rolle in der Bekämpfung der Corona-Pandemie zu. Doch eine Umfrage von NDR und WDR zeigt: Um Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln, fehlt es auch hessischen Gesundheitsämtern erheblich an Personal.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gesundheitsämter leiden in Corona-Krise unter Personalmangel

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Viele Gesundheitsämter haben in der Corona-Krise zu wenige Mitarbeiter, um die Kontakte Infizierter ausreichend nachzuverfolgen. In einer bundesweiten Umfrage von NDR und WDR gaben 119 der rund 380 bundesweit befragten Ämter an, nicht über die von Bund und Ländern geforderten fünf Mitarbeiter pro 20.000 Einwohner zu verfügen.

In Hessen beteiligten sich nur sechs von 24 Gesundheitsämtern an der Umfrage, darunter die Behörde aus dem Hochtaunuskreis. Dort sollten 60 Mitarbeiter zur Verfügung stehen, um enge Kontaktpersonen von Corona-Fällen auszumachen – laut dem Kreis sind es derzeit aber nur 17 Mitarbeiter. Wiesbaden verfügt über 23 Ermittler, empfohlen sind 70.

Drei hessische Gesundheitsämter laut Umfrage überlastet

Auch in Frankfurt klaffen Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Dort werden nach den Personalvorgaben der Bundesregierung 190 Mitarbeiter empfohlen, im Einsatz sind laut Stadt nur 50 bis 60.  

Das Frankfurter Gesundheitsamt gab in der Umfrage zudem an, überlastet zu sein. Gleiches antworteten auch die Gesundheitsämter in Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus) und dem Werra-Meissner-Kreis. Diese nannten allerdings keine konkreten Mitarbeiterzahlen.

Das Gesundheitsamt im Schwalm-Eder-Kreis gab als einziges in Hessen an, bis voraussichtlich Ende Mai genügend Personal für die Ermittlung von engen Kontaktpersonen zur Verfügung zu haben. Die Behörde würde dann mit 45 Mitarbeitern den Empfehlungen von Bund und Ländern entsprechen.

Der Pool an Kontaktpersonen-Ermittlern besteht vielerorts nicht nur aus Behördenmitarbeitern, sondern auch aus Studenten, Ärzten mit abgeschlossenem Studium vor dem Berufsbeginn oder Ärzten im Ruhestand. Auch Teilzeitkräfte und so genannte Containment-Scouts vom Robert-Koch-Institut (RKI) sind im Einsatz.

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Enge Kontaktpersonen werden nicht getestet

Die Gesundheitsämter wurden bei der Umfrage auch gefragt, ob sie – wie vom Bund empfohlen - alle Kontaktpersonen der Kategorie 1 auf das Corona-Virus testen. Die eben aufgeführten hessischen Ämter gaben an, dies nicht zu tun.

Zur Kategorie 1 zählen Menschen, die mindestens 15 Minuten lang direkten Gesichtskontakt zu einem Corona-Infizierten hatten. Sie sollen von Mitarbeitern des örtlichen Gesundheitsamtes kontaktiert und in häusliche Quarantäne geschickt werden.  

Bundestag billigt Ausweitung von Corona-Tests

Für die Gesundheitsämter soll sich die Lage demnächst verbessern: Der Bundestag beschloss am Donnerstag das Gesetz zur Ausweitung der Corona-Tests und zur besseren Ausstattung der Gesundheitsämter. Die in namentlicher Abstimmung gebilligte Neufassung des Infektionsschutzgesetzes legt fest, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Tests auch dann bezahlen müssen, wenn jemand keine Symptome zeigt. Im Umfeld besonders gefährdeter Menschen - etwa in Pflegeheimen - soll verstärkt auf das Virus getestet werden.

Der Bund unterstützt die 375 Gesundheitsämter mit 50 Millionen Euro, um deren Digitalisierung voranzubringen. Beim Robert-Koch-Institut wird dauerhaft eine Kontaktstelle für den Öffentlichen Gesundheitsdienst eingerichtet.

Die bundesweiten Ergebnisse der Umfrage finden Sie auf tagesschau.de.

Sendung: hr-iNFO, 14.5.2020, 12:30 Uhr