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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Offenbach und das eigentlich unnötig lange Warten auf Lockerungen

Straßenkreuzung mit Menschen

Ab Sonntag können die Offenbacher wieder nachts raus und endlich in die Außengastronomie. Kinder dürfen öfter zur Schule. Die Stadt hätte die Bundesnotbremse früher verlassen können, aber der Inzidenz des RKI liegen überholte Zahlen zugrunde.

Die lang ersehnten Lockerungen kommen in Offenbach an diesem Sonntag. Am Freitag hat die Stadt die 100er Inzidenz fünf Werktage am Stück unterschritten, die strikten Regeln der Bundesnotbremse gelten ab dem übernächsten Tag nicht mehr. Aber Offenbach hätte die erste Lockerungsstufe schon sechs Tage früher erreichen können, wenn das Robert-Koch-Institut (RKI) die Stadt nicht kleiner machen würde, als sie aktuell ist.

Wenn das RKI die Sieben-Tage-Inzidenz berechnet, geht es von 130.000 Einwohnern in Offenbach aus. Das war der offizielle Stand Ende 2019. Laut Stadtverwaltung sind aktuell aber rund 140.000 Menschen in Offenbach gemeldet. Demnach wäre die Inzidenz eigentlich rund sieben Prozent niedriger als vom RKI ausgewiesen. Da Offenbach zuletzt nur ganz knapp über der 100er Marke lag, hätte das den entscheidenden Unterschied gemacht.

Einspruch der Stadt half nichts

Bernhard Bornhofen, Leiter des städtischen Gesundheitsamts, sagt, er habe das RKI auf die Diskrepanz hingewiesen. Aber die Bundesbehörde kann der Stadt nicht helfen. Sie müsse bundeseinheitlich vorgehen, erklärt eine Sprecherin auf hr-Anfrage. Deshalb legt das RKI für alle Landkreise und kreisfreien Städte die aktuellsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zugrunde. Und das sind die vom 31. Dezember 2019.

Darunter leiden vor allem Kreise und Städte, die seit dem Stichtag noch mal ordentlich gewachsen sind – wie eben Offenbach. Wenn die Inzidenz ganz knapp um einen Schwellenwert pendelt, macht sich der Unterschied bemerkbar.

Wiesbaden will ganz andere Berechnungsgrundlage

Auch Wiesbaden klagte kürzlich über die überholte Statistik, die zu einer überhöhten Inzidenz führe. Die RKI-Werte sind dort um rund 4,5 Prozent höher, als sie es bei einer aktuellen Berechnung wären. Die Landeshauptstadt zählt derzeit 291.000 Einwohner, das RKI geht nur von 278.000 aus. Ein Stadtsprecher geht sogar noch weiter: Bei der Inzidenz sollten auch die Pendler mitberücksichtigt werden, "da der tatsächliche Aufenthaltsort der Menschen im Infektionsgeschehen eine wesentliche Rolle spielt".

Deutschlands Pendlerhauptstadt Frankfurt will die Berechungsmethode des RKI dagegen nicht kritisieren. Genauso wenig wie Kassel und Darmstadt, obwohl auch diese Städte in den vergangenen Jahren Einwohner hinzugewonnen haben. Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zu verwenden, sei zwar nicht ganz aktuell, aber nachvollziehbar, teilt ein Sprecher der Stadt Darmstadt mit: "Um bundesweit eine Vergleichbarkeit der Inzidenzen zu gewährleisten, erachten wir das als zielführend." Auch wenn das, wie in Offenbach, die Lockerungen mal ausbremst.

Sendung: hr4, hessenschaureport, 28.05.2021, 18.30 Uhr