Kleine Weihnachtsmannfigur mit OP-Maske in einem Vorgarten.

Hessen verschärft angesichts der hochansteckenden Omikron-Variante die Corona-Regeln. Gelten sollen sie nach Weihnachten. Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer hält das für viel zu spät.

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Neue Corona-Beschlüsse: Kliniken in Sorge

hs
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Die verschärften Corona-Regeln, die ab dem 28. Dezember gelten, hätten nach Ansicht des Frankfurter Virologen Martin Stürmer schon viel eher beschlossen werden müssen. "Wenn ich die Möglichkeit habe, vor die Welle zu kommen, dann muss ich sie auch nutzen", sagte Stürmer hessenschau.de. Die Omikron-Variante sei nicht erst seit gestern eine Bedrohung.

Er bezeichnete es als Fehler, dass die schärferen Corona-Regeln erst nach Weihnachten greifen sollen - auch wenn es "unpopulär ist, das Weihnachtsgeschäft zu zerblasen." Die Fallzahlen könnten wegen der kurzen Verdopplungszeit von Omikron innerhalb der kommenden Tage bereits drastisch steigen, so Stürmer.

"Impfen und Boostern reicht bei Omikron nicht aus"

Martin Stürmer vor Hecken und Mauer im Freien

Für Weihnachten gelten seiner Meinung nach ähnliche Regeln wie im vergangenen Jahr. "Es hat ja letztes Jahr gut geklappt. Wir haben uns insgesamt alle diszipliniert verhalten." In diesem Jahr müsste das noch konsequenter geschehen, da Omikron doch "nochmal ein anderer Spieler" sei. Das Virus sei jetzt deutlich ansteckender als noch vergangenes Weihnachten.

Inzwischen sind zwar mehr Menschen vor dem Virus geschützt. Allerdings reichen Impfen und Boostern laut Stürmer als Schutz vor Omikron mit dem jetzigen Impfstoff nicht aus. "Da müssen wir in der Konsequenz zusätzlich die Kontakte reduzieren."

Diese Ansicht teilt die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. Auch eine Auffrischimpfung sei kein hundertprozentiger Schutz vor einer Corona-Infektion, sagte sie. Sie verwies auf Fälle von bereits geboosterten Menschen, die sich infiziert und auch andere angesteckt hätten. Bereits vor einer Woche hatte sie gefordert, dass die Politik möglichst schnell handeln müsse, um die Ausbreitung von Omikron zu bremsen.

Fußballfans müssen in den sauren Apfel beißen

Zu den nun beschlossenen Maßnahmen gehört auch ein Publikumsverbot bei Bundesliga-Spielen. Virologe Stürmer hält das für gerechtfertigt. Hinsichtlich des bevorstehenden Eintracht-Spiels gegen Dortmund sagte er: "Ich finde es auch schade, gerade weil jetzt dieses interessante Spiel vor der Tür steht im neuen Jahr. Aber es ist richtig und wichtig, das so zu machen."

"Wenn ich im privaten Bereich anfange, die Gruppengroße auf zehn zu reduzieren, dann kann ich nicht im gleichen Atemzug 15.000 Leute ins Stadion lassen. Das geht nicht, das macht auch keinen Sinn", so Stürmer. Das müssten Fußballfans leider in den sauren Apfel beißen. "Man muss es auch als starkes Signal sehen, dass wir da nicht mit zweierlei Maß messen."

Strenge Kontaktregeln ab dem 28. Dezember

Um die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante zu bremsen, hatten Bund und Länder umfassende Beschränkungen des privaten und öffentlichen Lebens beschlossen. Ab dem 28. Dezember soll generell eine Obergrenze von zehn Personen für Privattreffen gelten - auch für Geimpfte und Genesene.

Hessen setzt die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz entsprechend um. Die Situation sei paradox, meinte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU): "Wir sehen fallende Infektionszahlen. Das ist wegen der neuen Virusvariante Omikron aber kein Zeichen der Entspannung, denn wir nehmen wahr, was in anderen europäischen Ländern geschieht." Momentan gebe es zwar keinen Anlass zu Panik, aber größten Anlass zur Vorsicht.

RKI wollte sofortige Kontaktbeschränkungen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte vor dem Bund-Länder-Treffen viel weitreichendere Maßnahmen gefordert, darunter sofortige maximale Kontaktbeschränkungen. Diese Ansicht teilten auch Experten. "Natürlich wollen wir alle wieder zur Normalität zurück. Wir wollen diese Feiertage genießen und mal zur Ruhe kommen. Aber ich glaube nicht, dass wir das Signal der Entspannung aussenden können", sagte Stürmer dem Deutschlandfunk.

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