Personen genießen die warme Sonne und den Spätsommertag auf der Liegewiese am Mainufer vor dem Bankenviertel in Frankfurt

Die zunehmende Verbreitung ansteckenderer Corona-Mutanten könnte uns den kommenden Sommer deutlich vermiesen. Aber es gibt auch Grund zur Hoffnung, findet der Frankfurter Virologe Martin Stürmer.

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zum Video Hilft der Sommer im Kampf gegen Corona?

hs 19:30 31.03.2021 Thumbnails
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Mit steigenden Temperaturen bahnt sich auch die Vorfreude auf den Sommer ihren Weg. Schließlich konnten wir uns im Corona-Jahr 2020 während der Sommermonate auch über sinkende Infektionszahlen und in der Folge viele Lockerungen freuen. Warum die Voraussetzungen in diesem Jahr ganz andere sind und wie wir trotzdem gut durch den Sommer kommen können, erklärt der Frankfurter Virologe Martin Stürmer im Interview.

hessenschau: Der Sommer rückt näher, das Wetter wird besser. Gibt es einen positiven Zusammenhang zwischen dem Virus und der Wetterlage?

Martin Stürmer: Es gibt leider keinen so ausgeprägten Zusammenhang zwischen schönem Wetter und Sars-CoV-2, wie wir das von anderen Erkältungserregern kennen, die saisonal sehr eindeutig im Winter und gar nicht im Sommer auftauchen.

Der Vorteil der warmen Jahreszeit liegt darin, dass wir vermehrt nach draußen gehen. Dass wir uns also weniger den Aerosolen in geschlossenen Räumen aussetzen und dass unsere Schleimhäute auch insgesamt durch die Sommerluft besser in Form sind als in der Heizungsperiode. Das kommt uns entgegen. Wir sind nicht mehr ganz so empfänglich, aber das war es dann auch mehr oder weniger schon.

Der Virologe Martin Stürmer im Labor

hessenschau: Im vergangenen Jahr waren die Infektionszahlen im Sommer trotz Lockerungen sehr niedrig. Woran lag das?

Stürmer: Wir müssen mal die Situation vergleichen: Wir kamen damals aus dem ersten Lockdown raus, wir hatten ein in Deutschland bei Weitem nicht so verbreitetes Infektionsgeschehen wie aktuell. Die Fallzahlen waren deutlich niedriger, wir hatten eher eine punktuelle Ausbreitung. Das sind Faktoren, die jetzt deutlich anders sind. Wir haben flächendeckende Infektionen in ganz Deutschland auf einem sehr hohen Level, wir haben die britische Variante, die sich deutlich effektiver verbreiten kann. Dementsprechend sind wir in einer ganz anderen Situation als vor einem Jahr.

hessenschau: Bleibt wegen der mutierten britischen Variante das Infektionsrisiko im Sommer weiterhin so hoch?

Stürmer: Das Infektionsrisiko ist auf jeden Fall höher, wenn man die alte Variante des letzten Sommers mit der Variante dieses Sommers vergleicht. Dieses Virus ist effizienter, es verzeiht deutlich weniger Fehler und Nachlässigkeiten. Dementsprechend steigt auch die Gefahr, dass man sich im Kontext von Treffen im Freien eher anstecken kann als bisher. Das muss man einfach neu bewerten und dementsprechend auch vorsichtiger sein.

hessenschau: Ist diese Unbedarftheit, mit der man sich bei schönem Wetter im Freien treffen will, gefährlich?

Stürmer: Nein, gefährlich im Prinzip nicht. Das schöne Wetter soll man natürlich nutzen und soll auch rausgehen, so lange es die Corona-Regeln in der Form erlauben. Auch wenn man sich mit Leuten trifft im Rahmen dessen, was erlaubt ist, kann man das natürlich tun. Man sollte eben nur nicht zu leichtsinnig sein und sagen, es ist alles schön, und wir müssen uns an gar keine Regeln mehr halten. Das darf man auf gar keinen Fall machen. Aber wenn man sich draußen im Freien aufhält und sich konsequent an die bestehenden Regeln hält, sollte auch das mit der britischen Variante eher unbedenklich sein.

hessenschau: Was wäre Ihr Rat für uns alle, wie wir uns im Sommer verhalten sollten?

Stürmer: Wir sollten versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Wenn schönes Wetter ist, natürlich nach draußen gehen und Freizeitaktivitäten wahrnehmen. Man sollte die Kontakte trotz allem aber auch so weit wie möglich reduzieren. Dann werden wir auch ganz gut über den Sommer kommen.

Wir können hoffentlich ab April mit dem Impfen Gas geben, wir werden mit den Teststrategien besser werden. Wenn wir jetzt einmal konsequent auf die Bremse treten würden, dann reden wir im Sommer auch über ganz andere Fallzahlen.

Die Fragen stellte Hülya Deyneli.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 31.03.2021, 19.30 Uhr