Viele Freiwillige Feuerwehren haben Nachwuchsprobleme - vor allem auf dem Land. Um das Problem zu lösen, geht die Feuerwehr dahin, wo die Jugendlichen sind: in die Schulen. Die Feuerwehr-AGs sind bei den Schülern sehr beliebt.

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Jede Sekunde zählt für die Schülerinnen und Schüler der Weibelfeldschule in Dreieich (Offenbach). Die Zwölftklässler in Uniform zeigen, was sie in der Brandschutz- und Rettungsdienst-AG gelernt haben. Ein simulierter Unfall: Eine verletzte Person liegt in einem völlig zerbeulten, dunkelroten Kleinwagen mitten auf einem Schotterplatz. Im Ernstfall müsste bei den Helfern jetzt jeder Handgriff sitzen, um Leben zu retten, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.

Schüler proben den Ernstfall

Das versuchen nun Christoffer und Sara aus der Feuerwehr AG. "Wie ist Ihr Name? Haben Sie Schmerzen? Und wie schnell sind Sie gefahren?" Die Ansprache ist wichtig, um herauszufinden, wie es der Verletzten geht. Und um zu erfahren, was überhaupt passiert ist. Schließlich versuchen die beiden 17-Jährigen, die eingeklemmte Person zu befreien. Mit einem riesigen Spreizgerät. "Der Spreizer wiegt 25 Kilo, das merkt man, wenn man an dem Auto herumschneidet", erklärt Christoffer.

AG bringt viele neue Mitglieder für die Feuerwehr

Das Land Hessen fördert mit dem Projekt "Mehr Feuerwehr in der Schule" die Zusammenarbeit von Feuerwehr und Bildungseinrichtungen. Die Feuerwehr AG an der Weibelfeldschule gibt es seit drei Jahren. Die AG - eine Kooperation der Schule mit der benachbarten Feuerwehr - ist freiwillig. Ja nach Anzahl der Schulstunden gibt es für solche Angebote eine Förderung von bis zu 800 Euro. Einheiten, die das ganze Schuljahr über andauern, werden mit bis zu 5.000 Euro unterstützt. Bereits 19 Schulen bieten ganz unterschiedliche Angebote für jüngere oder ältere Brandschützer an. Und es sollen noch mehr werden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found 19 Schulen in Hessen bieten bereits Feuerwehr-AGs an.

Schüler in Feuerwehrmontur beim Löschen eines kleinen Feuers
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"Ich kann diese Kooperation nur jeder Schule und jeder Feuerwehr empfehlen", sagt Stadtbrandinspektor Markus Tillmann. Er hat die Feuerwehr-AG in Dreieich mit ins Leben gerufen. "Wir erreichen an der Schule eine Zielgruppe, an die wir sonst gar nicht rankommen würden. Wer sagt schon mit 16 Jahren, dass er sich für die Freiwillige Feuerwehr interessiert“, erklärt er. Seit es die AG gibt, sind rund 30 Schülerinnen und Schüler in die Einsatzabteilung der Feuerwehr eingetreten. Sie dürfen jetzt bei echten Einsätzen mitfahren. Für den Stadtbrandinspektoren "ein echter Erfolg".

Einmaleins der Feuerwehr von der Pike auf

Doch bis es soweit ist, braucht es Zeit. In der Brandschutz- und Rettungsdienst-AG lernen die Schülerinnen und Schüler das Einmaleins der Feuerwehr von der Pike auf. Nach dem Grundkurs können die Teilnehmenden eine Prüfung ablegen, "die auch die Landesfeuerwehrschule akzeptiert", so Tillmann. Dann sind die Schülerinnen und Schüler etwa 17 Jahre alt und dürfen bei größeren Einsätzen mitfahren. "Natürlich nur, wenn die Noten stimmen und gerade keine Arbeit geschrieben wird" ergänzt Marc Heberer, Lehrer an der Weibelfeldschule.

"Feuerwehr ist eine coole Sache"

Schüler der Feuerwehr AG mit einem Spreizgerät

Den Schülern der Weibelfeldschule in Dreieich gefällt ihre ungewöhnliche AG. Neben dem Feuerwehrgrundkurs können sie hier auch noch eine Rettungssanitäter-Ausbildung machen. "Sie bekommen Verantwortung, ihnen wird etwas zugetraut. Sie nehmen nicht nur, sondern sie bringen sich ein", sagt Lehrer Marc Heberer. Bei den Schülern ist die AG auch beliebt, "weil Feuerwehr einfach eine coole Sache ist", erklärt Sara, "und es Spaß macht, anderen zu helfen", sagt Christoffer.

Die Tür des demolierten Fahrzeugs ist mittlerweile aufgeschnitten, die verletzte Person befreit, die Übung beendet. Wie Sara ist auch Christoffer nach der Feuerwehr-AG in die örtliche Freiwillige Feuerwehr eingetreten. "Dort mitzumachen gibt einem einfach ein gutes Gefühl."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 10.09.2019, 16.45 Uhr