Ein Mitarbeiter sitzt am Schreibtisch und arbeitet am PC, auf welchem ein Bild eines Coronavirus zu sehen ist.

Zu langsam, zu wenig Leute, zu alte Technik: In der Corona-Pandemie müssen die Gesundheitsämter neben Dauerstress auch viel Kritik aushalten. Aber es hat sich einiges getan, wie das Amt in Marburg zeigt.

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Nachverfolgung – Viel Arbeit für Gesundheitsämter

hs
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Ein Corona-Fall in einem Marburger Studentenwohnheim. Die Verantwortlichen im Gesundheitsamt gehen davon aus, dass es sich um die besonders ansteckende Omikron-Variante des Coronavirus geht. "Da müssen wir schnell handeln", sagt Koordinator Christian Königer.

In einem Wohnheim könnte schließlich ein einziger Fall zu einem großen Ausbruch führen - und den möchten Königer und seine Kollegen vermeiden. Jetzt muss es zackzack gehen, und das geht es auch.

Eine Mann mit Mund-Nasen-Schutz sitzt an einem Schreibtisch und arbeitet an einem Computer.

Gut vorbereitet

Rasch sind viele Fragen zu klären. Vor allem die, welche Kontakte der Infizierte hatte. Im aktuellen Fall ist das nicht einfach. Einige Räume im Wohnheim werden gemeinschaftlich genutzt - aber wie viele? Und dann ist da noch die nötige Quarantäne. "Gibt es zum Beispiel ein extra Bad für Infizierte?", fragt Königer. Und: "Kann man den Betroffenen vorübergehend in einem Einzelappartement unterbringen?"

Vor solchen Problemen stehen die Mitarbeiter des Gesundheitsamts in Marburg täglich. Bei der Telefon-Hotline melden sich viele an, weil sie Fragen zur sich ausbreitenden Omikron-Variante haben. Auch Kontaktpersonen meldeten sich mit ihren Unsicherheiten hinsichtlich der Quarantäne-Verordnungen.

Lernprozess durchgemacht

Wo das nächste Testcenter ist? Königer und seine Kollegen suchen auch das geduldig heraus. "Wir kriegen das alles gut hin, wir sind ein gutes Team und vorbereitet", sagt der Mann mit Blick auf die befürchtete neue Corona-Welle.

Vor knapp zwei Jahren, zu Beginn der Corona-Pandemie, sah es im Gesundheitsamt noch anders aus. Damals wurde alles noch auf Papier bearbeitet. Inzwischen sind die Prozesse digitalisiert und dadurch kürzer. Und das Personal hat sich schnell vergrößert. Statt 80 kümmern sich derzeit 120 Mitarbeiter um Corona-Fälle. Inzwischen gibt es auch einen eigenen Fachdienst, der sich nur mit der Pandemie beschäftigt.

In der Zeit vor Weihnachten wurden Vorbereitungen getroffen, um sich für die nun schon fünfte Corona-Welle zu wappnen, wie Amtsleiterin Birgit Wollenberg sagt. Das Gesundheitsamt ist sieben Tage die Woche besetzt. Auch an den Feiertagen waren die Mitarbeiter demnach im Einsatz, um eingehende Fälle direkt zu bearbeiten.

Ein Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen zeigt, dass der Kreis Marburg-Biedenkopf eine verhältnismäßig geringe Corona-Inzidenz aufweist. Am Donnerstag lag sie bei 168,8.

Digitalisierung statt Papierberge

Jeden Tag sind 30 bis 40 Mitarbeiter im Einsatz, die sich um Infektionsfälle kümmern. 107 neue Fälle wurden dem Amt alleine vergangenen Dienstag bekannt. Jeder Betroffene muss individuell kontaktiert werden, damit er sich möglichst schnell isoliert und seine Kontaktpersonen herausgefunden werden. Weil im Moment die Corona-Lage überschaubar sei, könne man die Menschen auch darüberhinaus noch betreuen, sagt Gesundamtsleiterin Wollenberg.

Eine Frau mit Mund-Nasen-Schutz steht vorne im Bild. Im Hintergrund sind Mitarbeitende an Schreibtischen und PCs zu sehen.

Lage im Griff?

Auch in den Alten- und Pflegeeinrichtungen ist die Lage infolge von Impfungen und Management besser als zu Beginn der Pandemie. "Es ist Gott sei dank ruhig", sagt Cäcilia Zöller - und hofft, dass es so bleibt. Sie muss als "Fachdienstleiterin Corona" das Infektionsgeschehen in den Einrichtungen des Kreises im Blick haben. Insgesamt seien dort 90 Prozent der Mitarbeiter geimpft, bei den Bewohnern liegt der Wert bei 94 Prozent.

Das Schutzkonzept habe sich bewährt, sagt Zöller. Maskenpflicht, Abstand halten und tägliches Testen funktionierten gut. Teams gingen regelmäßig in die Heime, um ein spontanes Impfen oder Boostern anzubieten.

Im Fall des infizierten Studenten kommt schließlich Entwarnung: Er hat zu keinem Corona-Ausbruch im Wohnheim geführt. Aufgrund der Feiertage waren nur wenige Studierende da. Alle vier Kontaktpersonen sind symptomfrei, ihre PCR-Tests waren negativ.

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