Wohnblock der Vonovia in Frankfurt-Sachsenhausen, wo es seit Jahren Probleme mit Legionellen gibt

Seit 2013 beklagen Bewohner eines Mietblocks in Frankfurt zu hohe Legionellenwerte in ihren Wasserleitungen. Das Gesundheitsamt zeigt sich machtlos. Erst jetzt scheint Vermieter Vonovia das Problem grundlegend anzugehen.

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hs
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Legionellen können lebensgefährliche Lungenerkrankung verursachen. Bei immungeschwächten Menschen können sie sogar tödlich sein. Das Gesundheitsamt Frankfurt stellte bereits vor Jahren eine bedenkliche Konzentration der gesundheitsgefährdenden Bakterien in den Wasserleitungen eines Wohnblocks an der Mörfelder Landstraße im Stadtteil Sachsenhausen fest. Messungen ergaben zwischen 10.000 und 50.000 koloniebildende Einheiten (KBE) auf 100 Milliliter Wasser. Als unbedenklich angesehen werden bis zu 100 KBE.

Allerdings, so informiert das Gesundheitsamt auf Anfrage des hr: "Einen Hinweis auf ein bestehendes oder nicht bestehendes Gesundheitsrisiko kann dieser Wert jedoch nicht direkt geben. Im Sinne der Trinkwasserverordnung handelt es sich um eine vermeidbare Gefährdung."

Beim Duschen können sich gefährliche Aerosole bilden

Der Vermieter der rund 200 Wohnungen in Frankfurt-Sachsenhausen ist der DAX-notierte Wohnungskonzern Vonovia. Nach Bekanntwerden der hohen Legionellenkonzentration im Trink- und Brauchwasser rüstete der Vermieter die Duscharmaturen mit sogenannten Sterilfiltern aus. Damit hat er aus Sicht der Stadt seiner Pflicht Genüge getan.

Jedoch nicht aus Sicht der Mieter: Denn während es als unproblematisch gilt, mit Legionellen belastetes Wasser zu trinken, muss man sich davor hüten, dass mit den Bakterien kontaminierte Aerosole in Atemwege und Lunge gelangen. Solche Aerosole können sich beim Duschen oder beim Spülen der Toiletten bilden. Mieterin Alina Thoma (Name geändert, d. Red.) berichtet, dass sie bei jedem Spülvorgang Angst habe. Als sie 2015 eingezogen sei, habe niemand ihr gesagt, dass vom Wasser ein Gesundheitsrisiko ausgehen könnte.

Nachrüstungen ohne Erfolg

"Die Gesundheit unserer Mieterinnen und Mieter war und ist nicht gefährdet", betont eine Sprecherin der Vonovia gegenüber dem hr. Man habe mit dem Einsatz der Sterilfilter alle Vorschriften erfüllt und stehe in regelmäßigem Austausch mit dem Gesundheitsamt Frankfurt. Bei Mietern mit Vorerkrankungen habe der Konzern zusätzliche Filter einbauen lassen.

Letztlich kommen freilich Gesundheitsamt wie Vonovia zum Schluss: Die bisherigen Nachrüstungen zeitigten nicht den erwünschten Erfolg. Nach wie vor sei die Konzentration der Legionellen im Wasser hoch.

"Die vollständige Bekämpfung von Legionellen ist leider eine sehr langwierige Angelegenheit - vor allem in Wohnhäusern mit vielen Mietparteien", wirft die Konzern-Sprecherin ein. Das Gesundheitsamt räumt ein, dass es keine Handhabe für Sanktionen habe - auch wenn das Problem seit sieben Jahren besteht. "Solange die Vonovia immer wieder Maßnahmen ergreift, geben die gesetzlichen Regelung keinen Spielraum, um Bußgelder zu verhängen", sagt eine Sprecherin von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne).

Mietergewerkschaft gegründet

Mit solchen Erklärungen wollen sich etliche Mieter nicht länger zufrieden geben. Im vergangenen Jahr gründeten sie eine Mietergewerkschaft. Den Anstoß dazu gab Daniel Schultz. Er sagt: "Die Mieterschaft wehrt sich jetzt kollektiv. Vonovia spielt mit dem Leben. Sie muss endlich das Problem in den Griff bekommen und beseitigen."

Schultz fordert, dass der Wohnungskonzern die Ursache der hohen Legionellenkonzentration angeht. Sie liegt meist in der Heizungs- und Trinkwasseranlage, wenn diese zu groß sind oder wenn es Totleitungen gibt.

Vonovia kündigt Heizungsumbau an

Die in der Mietergewerkschaft organisierten Bewohner des Wohnblocks in Frankfurt-Sachsenhausen drohten damit, ihre Mieten zu reduzieren. Nun versichert die Vonovia: Weil der Einsatz der Filter keinen nachhaltigen Erfolg gehabt habe, "beginnen wir noch in diesem Jahr mit einem Heizungsumbau". Die Mieterinnen und Mieter seien bereits informiert. "Wir gehen davon aus, dass es anschließend im besten Fall keinen auffälligen Legionellenbefund in den Häusern mehr geben wird und auch die Sterilfilter langfristig nicht mehr notwendig sein werden", sagt die Vonovia-Sprecherin.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 08.09.2020, 19.30 Uhr