Frau mit Atemschutzmaske vor einer Apotheke

Ob Frankfurter Flughafen oder Uni-Kliniken: Hessen rüstet sich gegen das Coronavirus. Experten schätzen das Ansteckungsrisiko zwar als gering ein. Atemschutzmasken in Apotheken sind dennoch ausverkauft.

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hs
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Das Land Hessen hat Sicherheitsvorkehrungen getroffen, falls sich auch hierzulande jemand mit dem gefährlichen Coronavirus anstecken sollte. Das sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne). Das Land sei vorbereitet, im Fall des Falles schnell zu reagieren, damit es nicht zu einer Verbreitung komme.

Dass eine Ausbreitung des Virus, das erstmals in China auftrat, möglich ist, zeigt der erste Fall aus Deutschland: In Bayern wurde erstmals eine Infektion mit dem Coronavirus bestätigt. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg hatte sich bei einer Frau aus China angesteckt, die zu Gast bei seiner Firma war. Auch in Frankreich gibt es schon drei bestätigte Fälle. In Hessen ist der Erreger bisher nicht nachgewiesen worden.

Fluggäste mit Fieber aus China werden untersucht

Das hessische Sozialministerium verwies darauf, dass der öffentliche Gesundheitsdienst in besondere Bereitschaft versetzt wurde. Am Frankfurter Flughafen werden Passagiere mit Fieber, die aus den Risikogebieten in China einreisen, nach der Landung untersucht. Erkrankte werden auf der Reise bereits im Flugzeug isoliert.

Bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus käme ein Patient ins Krankenhaus, die Mitreisenden würden informiert. Außerdem bekommen seit Samstag Reisende nach China sowie Passagiere aus den betroffenen Regionen Infoblätter über das Virus.

Ansteckungsrisiko in Hessen derzeit "gering"

Von dem Ausbruch des neuartigen Erregers, der eine schwere Lungenkrankheit auslöst, ist insbesondere China betroffen. In Hessen wurden schon mehrere Patienten unter anderem in der Uniklinik Frankfurt wegen des Verdachts auf das Virus untersucht - der sich aber jeweils nicht bestätigte.

Das Risiko einer Ansteckung für Menschen in Deutschland und somit auch in Hessen schätzt das Robert-Koch-Institut als gering ein. Deutschland sei gut vor dem neuen Coronavirus geschützt. Der Erreger wird von Mensch zu Mensch über die sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen.

"Wenn man also beim Niesen die Hand vor den Mund hält und dann dem Nachbarn die Hand reicht, dann ist das ein Weg, wie man das Virus übertragen kann", erklärt Holger Rabenau, der Leiter der Virologie der Uniklinik Frankfurt. Deshalb sei es wichtig, sich immer die Hände zu waschen, nachdem man jemandem die Hand gegeben oder etwa in der U-Bahn einen Griff festgehalten hat.

Wer nicht in die Risikogebiete in China gereist ist oder Kontakt mit jemandem hatte, der nachweislich am Coronavirus erkrankt ist, bekomme das Virus in der Regel auch nicht, sagt der Mediziner. In China haben sich bereits mehr als 4.000 Menschen angesteckt, 106 Erkrankte starben bislang.

Atemschutzmasken ausverkauft

Atemschutzmasken sind in hessischen Apotheken inzwischen ausverkauft. Der Vorsitzende des hessischen Apotheker-Verbandes, Holger Seyfarth, sagte dem hr, derzeit seien Masken für den Virenschutz in fast allen hessischen Apotheken vergriffen, auch der Großhandel könne derzeit nicht liefern. Grund sei eindeutig die Angst vor dem Coronavirus. Die Nachfrage sei derzeit sechs- bis achtmal so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Der Arzt und Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg, hält solche sogenannten chirurgischen Gesichtsmasken in diesem Fall allerdings für nicht hilfreich. Sie seien eigentlich nicht zum Schutz vor Ansteckungen gemacht. Vielmehr sollen sie dafür sorgen, dass aus dem Atemtrakt von Chirurgen keine möglicherweise infektiösen Tröpfchen in das Operationsgebiet gelangen.

Es mache Sinn, zum Beispiel als Grippekranker eine Maske zum Schutz anderer Menschen zu tragen. "Aber der Schutz vor einer Infektion von außen ist sehr, sehr schlecht damit", sagte Salzberger. Die Wirkung sei nicht besser als mit einem Schal vor Mund und Nase.

Kliniken für Verdachtsfälle vorbereitet

An der Uniklinik Frankfurt sieht man sich für Behandlungen gut gerüstet. Verdachtspatienten werden nach Angaben einer Sprecherin isoliert - ein Standardverfahren in solchen Fällen. Es stehe ein spezielles Diagnoseverfahren zur Verfügung, das die Abklärung von Verdachtsfällen "innerhalb kürzester Zeit" ermögliche.

Auch die Uniklinik Marburg sieht sich gut vorbereitet: Im Fall einer Ausbreitung der Infektionskrankheit sei das Wichtigste schnell und sicher zu diagnostizieren. Das sei am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) gewährleistet.

"Betroffene Patienten müssen innerhalb kürzester Zeit von Nicht-Betroffenen getrennt und in isolierten Räumen behandelt werden, um eine weitere Verbreitung zu stoppen", erläutert Andreas Jerrentrup, der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme in Marburg. Das UKGM sieht sich auch deshalb gerüstet, weil einige Ärzte und Forscher sowohl in Marburg als auch in Gießen auf Virus- und Lungenerkrankungen spezialisiert sind.

So gibt es etwa in Gießen die Klinische Forschungsgruppe "Virus-induziertes Lungenversagen". Und am Institut für Virologie der Marburger Universität erforschen Wissenschaftler hochansteckende Erreger. Das Institut ist auch daran beteiligt, einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu entwickeln.

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Sendung: YOU-FM, 28.01.2020, 8.45 Uhr