Autofreier Mainkai und volle Straßen am Museumsufer in Frankfurt

Die Sperrung des nördlichen Mainufers in Frankfurt kommt bei den Anwohnern auf der anderen Mainseite nicht gut an. Denn jetzt leiden die Sachsenhäuser vermehrt unter Lärm und Verkehr. Betroffene wollen nun eine Bürgerinitiative gründen.

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hs
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8:00 Uhr morgens, Berufsverkehr in Frankfurt. Anwohner Herbert Schmoll steht auf der südlichen Mainseite und blickt auf den Stau. Laut dem 68-Jährigen waren der Verkehr und der Lärm noch nie so schlimm. "Seit das Mainufer auf der nördlichen Seite auf rund 900 Metern gesperrt ist, drängt sich der Verkehr durch Sachsenhausen", sagt er.

Das nördliche Mainufer in Frankfurt ist seit dem 30. Juli 2019 zwischen der Untermainbrücke und der Alten Brücke probeweise gesperrt. Die Stadt will mit dem Modellprojekt Fußgängern, Radfahrern und Touristen Raum geben und eine Flaniermeile schaffen. Nach 13 Monate wird dann entschieden, ob der Abschnitt dauerhaft gesperrt bleiben soll.

Anwohner: "Ein dilettantisches Modellprojekt"

Anwohnern in Sachsenhausen gefällt das gar nicht: Schmoll fordert, die Sperrung des Mainkais vorzeitig aufzuheben. Dazu rief er die Initiative "Sachsenhausen wehrt sich" ins Leben und erstellte Ende August eine Webseite, um weitere Mitstreiter zu finden.

In den nächsten zwei Wochen soll es eine Versammlung zur offiziellen Gründung der Bürgerinitiative geben. Schmoll sagte, er habe bereits mehr als 500 E-Mails von Betroffenen erhalten. Darunter seien viele verärgerte Berufspendler und Anwohner. Diese seien entsetzt, gereizt und fänden die Sperrung des Mainufers "absolut irre".

Karte von einem Teil der Frankfurter Innenstadt, wo Autos ab August eine Straße nicht mehr befahren dürfen

Nach Angaben des Frankfurter Verkehrsdezernats waren vor der Sperrung täglich 20.000 Autos und Lastwagen entlang des Mainkais unterwegs. "Diesen Verkehr haben wir jetzt in Sachsenhausen", sagt Schmoll.

Ergebnisoffenes Pilotprojekt

Auch Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) ist der Ansicht, dass sich im Moment noch zu viel Verkehr nach Sachsenhausen verlagert. "Das wird sich aber mit der Zeit normalisieren, man muss an der ein oder anderen Stelle bei den Ampelphasen noch nachsteuern", meint er. 

In zwei Monaten will das Verkehrsdezernat für eine Zwischenbilanz die Verlagerung des Verkehrs genauer auswerten. Einen ersten Erfolg sieht Oesterling aber schon auf der nördlichen Mainseite: "Es fahren bis zu 250 Fahrräder pro Stunde dort entlang."

Auch südliches Mainufer könnte für Autos gesperrt werden

Oesterlings Parteikollege Oliver Strank, Ortsvorsteher der Frankfurter Innenstadt, betont, er halte nichts von einer vorzeitigen Aufhebung der Sperrung. Es handele sich um ein ergebnisoffenes Pilotprojekt.

Auch die anfängliche Befürchtung , dass die Sperrung des Mainkai-Ufers zu mehr Verkehr auf der parallel verlaufenden Berliner Straße führe, könne er bislang nicht bestätigen. Der SPD-Politiker hält zudem die Überlegung, das südliche Mainufer entlang des Museumsufers zu sperren, für sinnvoll.

Das Museumsufer sperren? Das fände Anwohner Schmoll auch attraktiv. Denn dort gebe es wesentlich mehr Angebote als am aktuell gesperrten Mainkai-Abschnitt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 06.09.2019, 16:45 Uhr