Wie viele Dosen bekommt Hessen? Wo wird geimpft? Und wer zuerst? Fragen und Antworten zur Corona-Impfung.

Es ist der wichtigste Stoff dieses Winters: der Impfstoff gegen Covid-19. Die wichtigsten Fragen zur Corona-Massenimpfung im Überblick:

Wie viele Menschen sollen geimpft werden?

Ziel ist, mindestens 60 Prozent der Bürger gegen das Coronavirus zu impfen, um Herdenimmunität zu erreichen. Für Hessen ist geplant, rund 3,8 Millionen der insgesamt gut sechs Millionen Einwohner zu impfen. Die Landesregierung geht davon aus, dass so viele Menschen auch geimpft werden wollen. Die Impfung ist freiwillig, es gibt keine Impfpflicht.

Da mit zeitlichem Abstand zwei Impfungen bei jedem Impfwilligen nötig sind - beim Biontech-Impfstoff liegen drei bis zwölf Wochen dazwischen - müssen die Verteilung und die Verabreichung von knapp acht Millionen Impfdosen organisiert werden - und ebenso viele Impftermine.

Wer kommt zuerst an die Reihe?

Weil die verfügbaren Dosen in der ersten Zeit begrenzt sind, kommen zuerst "prioritäre Gruppen" dran. In der ersten Phase des dreistufigen Impfkonzepts der Landesregierung wurden die Freiwilligen der obersten Prioritätengruppen geimpft - Bewohner in Alten- und Pflegeheimen sowie das medizinische Personal an den sechs Covid-19-Schwerpunktkliniken.

Grafik Impfstrategie Hessen

Dazu zählen das Klinikum Kassel, das Klinikum Fulda, die Uniklinik Gießen und Marburg, Helios HSK Wiesbaden, die Uniklinik Frankfurt sowie das Klinikum Darmstadt. Mobile Impfteams suchen die Alten- und Pflegeeinrichtungen in den Städten und Landkreisen auf und impfen die Bewohner vor Ort.

Am 19. Januar begann die zweite Stufe in der hessischen Impfstrategie. An dem Tag ging das Impfen der "mobilen Ab-80-Jährigen" aus ganz Hessen in den sechs Regional-Impfzentren in Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt los. Seit 12. Januar können sich die entsprechenden Personengruppen der höchsten Prioritätsgruppe über das Anmeldeportal impfterminservice.hessen.de oder per Telefon unter 116 117 sowie 0611-505 92 888 einen Termin reservieren. Wegen des großen Zulaufs gab es am ersten Tag größere technische Schwierigkeiten.

In der dritten Stufe schließlich soll am 9. Februar der Betrieb in allen 28 hessischen Impfzentren aufgenommen werden. Innenminister Peter Beuth (CDU) kündigte an, die Terminvergabe ab dem 3. Februar wieder für alle Menschen der ersten Prioritätsgruppe zu öffnen. Telefonhotline und Server sollen dieses Mal durchgehend geöffnet bleiben. Termine würden bis in den April oder Mai hinein vergeben, so Beuth. Pro Woche stünden voraussichtlich 60.000 Impfdosen zur Verfügung, deshalb werde es zehn Wochen dauern, bis die erste Gruppe geimpft sei.

Weitere Informationen

Diese Personen gehören zur höchsten Prioritätsgruppe

Nach der Impfverordnung von Bund und Land gehören zur höchsten Prioritätsgruppe für die Corona-Schutzimpfungen Ältere ab 80 Jahren, Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen, Personal in Notaufnahmen, Corona-Stationen, Intensivstationen, dem Rettungsdienst sowie in der ambulanten Altenpflege.

Ende der weiteren Informationen

Wer arbeitet in den Impfzentren?

Neben Ärzten dürfen auch medizinische Fachangestellte sowie "geschultes, medizinisches Personal" die Impfung vornehmen, vor allem dieses Fachpersonal fehlt vielerorts noch. Für den Betrieb der Impfzentren schätzt das Land den Personalbedarf auf rund 5.000 Personen. Die Landesärztekammer rekrutiert Mitglieder, die im Ruhestand oder aus anderen Gründen nicht berufstätig sind. Auch Organisationen wie das Rote Kreuz sollen helfen. Im Frankfurter Impfzentrum sollen beispielsweise insgesamt 250 Mitarbeiter für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Wie läuft es in einem Impfzentrum ab?

In den Zentren gibt es sogenannte Impfstraßen: eine Abfolge von Stationen, über die der Impfkandidat geleitet wird. Zuerst werden die Daten erfasst, dann gibt es ein Vorgespräch mit einem Arzt, schließlich wird in Einzelkabinen die Spritze gesetzt, am Ende liegt eine Ruhezone. Trennwände schotten die einzelnen Straßen voneinander ab. Insgesamt soll der Aufenthalt nicht länger als 30 Minuten dauern.

Zwei Impfungen sind nötig - man muss also zweimal hin. Der Impfschutz beginnt nach derzeitigem Kenntnisstand sieben Tage nach der zweiten Impfung. Wie lange dieser Schutz anhält, ist noch nicht bekannt. Der Impfstoff von Biontech soll nach Angaben des Unternehmens eine Wirksamkeit von 95 Prozent haben.

Wie lange dauert die Impfaktion?

Einen konkreten Zeitrahmen für die Corona-Massenimpfungen gibt es nicht. Das Land ging zunächst davon aus, dass hessenweit pro Tag rund 30.000 Menschen geimpft werden können, wenn alle 28 Impfzentren in Betrieb gegangen sind. Wegen der geringen Verfügbarkeit des Impfstoffes wird das aber zunächst nicht funktionieren.

Nach Schätzungen des Innenministeriums von Ende Januar werden pro Woche rund 60.000 Impfdosen nach Hessen geliefert werden. Dass die Impfaktion nach neun Monaten beendet sein wird wie zunächst angenommen, wird damit unwahrscheinlicher.

Wo kommt der Impfstoff her?

Der Bund beschafft den Impfstoff zentral. Nach Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wurden bis Jahresende 2020 rund 1,3 Millionen Impfdosen an die Bundesländer verteilt. Im Januar kam es mehrfach zu Verzögerungen.

Insgesamt hat sich der Bund über einen EU-weiten Schlüssel und nationale Vereinbarungen bisher mehr als 300 Millionen Dosen gesichert - von Biontech und anderen Herstellern. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer soll unter anderem auch in einem Marburger Werk produziert werden. Inzwischen ist auch der Impfstoff des US-Herstellers Moderna zugelassen und an die Länder verteilt worden. Hessen hat am 12. Januar 4.800 Dosen erhalten. Weitere Lieferungen sollten in den kommenden Wochen folgen.

Wie wird der Impfstoff gelagert und transportiert?

Der Impfstoff wird in Hessen an mehreren - aus Sicherheitsgründen geheimen - Stellen zentral gelagert. Aus diesen Zentrallagern werden die Tagesdosen bedarfsgerecht an die Impfzentren ausgeliefert. Das übernehmen Logistikunternehmen, die auch dafür sorgen müssen, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Der Biontech-Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden, fünf Tage hält er laut Unternehmen dann bis zur Impfung auch im Kühlschrank. Der Moderna-Impfstoff ist weniger anfällig. Er soll auch bei minus 20 Grad längere Zeit aufbewahrt werden können.

Wie sicher ist der Impfstoff?

In Deutschland wird ein Impfstoff grundsätzlich nur zugelassen, wenn er alle drei Phasen des klinischen Studienprogramms erfolgreich bestanden hat und damit hohe Qualitätsstandards erfüllt. Der Covid-19-Impfstoff durchläuft damit laut Paul-Ehrlich-Institut den gleichen Zulassungsprozess wie jeder andere Impfstoff auch. Der Prozess wurde wegen der besonderen Bedeutung des Corona-Impfstoffs lediglich beschleunigt. Es wurden durchgeführte Studien mit so vielen Teilnehmern angelegt, dass auch seltene Nebenwirkungen, die beispielsweise bei einem von tausend Menschen vorkommen, erkannt wurden.

Was kostet das Impfen?

Den Impfstoff selbst bezahlt der Bund, im Etat 2021 sind vorerst 2,7 Milliarden Euro dafür reserviert. Das Land unterstützt bei der Zulieferung des Impfstoffs, außerdem stellt es das Verbrauchsmaterial (wie Kanülen und Tupfer) und Schutzausstattung für das Personal zur Verfügung.

Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) rechnet nach eigenen Angaben mit Kosten pro Impfzentrum von 1,8 Millionen Euro im Monat. Das Geld strecke er mit Schulden aus dem Corona-Sondervermögen vor. Der Bund erstatte dem Land die Hälfte zurück.

Legt man die bereits durch den Haushaltsausschuss des Landtags bewilligten 150 Millionen Euro für die ersten drei Monate zugrunde, kommen hochgerechnet bis September Kosten von bis zu einer halben Milliarde Euro auf die öffentliche Hand zu. Für alle Bürger ist die Schutzimpfung kostenlos.

Wieso kann man sich nicht beim Hausarzt impfen lassen?

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die Impfstoffe müssen bei sehr niedrigen Temperaturen gelagert werden, das geht nicht beim Hausarzt. Ein größeres Zentrum kann mehr Menschen durchschleusen. Und mit zentraler Organisation ist es leichter zu bewerkstelligen, dass zuerst diejenigen dran kommen, die am meisten gefährdet sind. Später sollen aber auch Arztpraxen eingebunden werden.

Was ist, wenn jemand nicht selbst ins Impfzentrum kommen kann?

Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gibt es mobile Impfteams. Sie fahren zum Beispiel Pflegeheime gezielt an, um die Corona-Schutzimpfung vor Ort durchzuführen. Es sollen aber auch die Heimärzte beziehungsweise die Hausärzte der Heimbewohner impfen dürfen.

Wo wird geimpft?

Grundsätzlich möglichst wohnortnah. Hessenweit wurden 28 Impfzentren aus dem Boden gestampft - in Sporthallen, Hotels, Messehallen, Kongresszentren oder sogar auf einem alten Flugplatz. Verantwortlich für die Errichtung sind die Kreise und kreisfreien Städte, örtliche Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk oder das Rote Kreuz beraten und unterstützen. An sieben Tagen die Woche von 7 bis 22 Uhr soll dort geimpft werden. Zunächst legten am 19. Januar die sechs größten Impfzentren in Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt los.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Datawrapper (Datengrafik) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Datawrapper (Datengrafik). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts
Weitere Informationen

Adressliste der Impfzentren in Hessen

  • Bergstraße: Büro & Geschäftshaus, Berliner Ring 89, 64625 Bensheim
  • Darmstadt: Wissenschafts- und Kongresszentrum, Schlossgraben 1, 64283 Darmstadt
  • Darmstadt-Dieburg: Impfzentrum DADI Ost, Am Sportzentrum 1A, 64354 Reinheim und Impfzentrum DADI West, Ostendstraße 3, 64319 Pfungstadt
  • Frankfurt: Messehalle, Ludwig-Erhard-Anlage 1, 60326 Frankfurt am Main
  • Fulda: Kongress- und Kulturzentrum, Esperantoplatz 1, 36037 Fulda
  • Gießen: Rollermarkt, 1. OG, Ludwig-Rinn-Straße 49, 35452 Heuchelheim
  • Groß-Gerau: Sporthalle Martin-Buber-Schule, Wilhelm-Seipp-Straße 1, 64521 Groß-Gerau
  • Hersfeld-Rotenburg: Göbel Hotels Arena, Heinz-Meise-Straße 190, 36199 Rotenburg an der Fulda
  • Hochtaunus: DXC Technology Deutschland, Am grünen Weg 1, 61352 Bad Homburg
  • Kassel (Kreis): Impfzentrum LK Kassel / Alter Flugplatz, Flugplatzstraße, 34379 Calden
  • Kassel (Stadt): Großsporthalle Auepark, Damaschkestraße 25, 34121 Kassel
  • Lahn-Dill: Lahnauhalle, Geraberger Platz 2, 35633 Lahnau
  • Limburg-Weilburg: Impfzentrum Limburg-Weilburg, Senefelderstraße 2, 65553 Limburg-Dietkirchen
  • Main-Kinzig: Sporthalle der Kreisrealschule, Lohmühlenweg, 63571 Gelnhausen und August-Schärttner-Halle, Martin-Luther-King-Straße, 63452 Hanau
  • Main-Taunus: Verwaltungszentrum am Regionalparkturm, Mainzer Landstraße 500, 65795 Hattersheim
  • Marburg-Biedenkopf: Messegelände Afföller, Afföllerstraße 106, 35039 Marburg
  • Odenwald: Impfzentrum Odenwaldkreis, Obere Marktstraße / Wiesenmarktgelände, 64711 Erbach
  • Offenbach (Kreis): Campus Heusenstamm Rhein-Main, Jahnstraße 64, 63150 Heusenstamm
  • Offenbach (Stadt): Stadthalle, Waldstraße 312, 63071 Offenbach am Main
  • Rheingau-Taunus: Sporthallen am Wiesweg, Wiesweg 7, 65343 Eltville
  • Schwalm-Eder: Bersucherparkplatz der Georg-Friedrich-Kaserne, Berliner Straße, 34560 Fritzlar
  • Vogelsberg: Hessenhalle Alsfeld, An der Hessenhalle 1, 36304 Alsfeld
  • Waldeck-Frankenberg: Großsporthalle "Auf der Hauer", Karpatenstraße 20, 34497 Korbach
  • Werra-Meißner: Großsporthallen der beruflichen Schulen sowie des Oberstufengymnasiums, Südring 37, 37269 Eschwege
  • Wetterau: Gewerbehalle, Industriestraße 46, 63654 Büdingen
  • Wiesbaden: Rhein Main Congress Center, Friedrich-Ebert-Allee 1, 65185 Wiesbaden
Ende der weiteren Informationen