Wie viele Dosen bekommt Hessen? Wo wird geimpft? Und wer zuerst? Fragen und Antworten zur Corona-Impfung.

Es ist der wichtigste Stoff dieses Winters: der Impfstoff gegen Covid-19. Die wichtigsten Fragen zur Corona-Massenimpfung im Überblick:

Wo kommt der Impfstoff her?

Der Bund beschafft den Impfstoff zentral. Nach Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wurden bis Jahresende rund 1,3 Millionen Impfdosen an die Bundesländer verteilt. "Im Januar werden jede Woche mindestens weitere 670.000 Dosen ausgeliefert", schrieb der CDU-Politiker auf Twitter. Zuvor hatte er für das erste Quartal die Zahl elf bis 13 Millionen Dosen genannt. Da das Präparat zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge in etwa für 5,5 bis 6,5 Millionen Menschen reichen.

Insgesamt hat sich der Bund über einen EU-weiten Schlüssel und nationale Vereinbarungen bisher mehr als 300 Millionen Dosen gesichert - von Biontech und anderen Herstellern. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer soll unter anderem auch in einem Marburger Werk produziert werden. Inzwischen ist auch der Impfstoff des US-Herstellers Moderna zugelassen und an die Länder verteilt worden. Hessen hat am 12. Januar 4.800 Dosen erhalten. Weitere Lieferungen sollten in den kommenden Wochen folgen.

Wie wird der Impfstoff gelagert und transportiert?

Der Impfstoff wird in Hessen an mehreren - aus Sicherheitsgründen geheimen - Stellen zentral gelagert. Aus diesen Zentrallagern werden die Tagesdosen bedarfsgerecht an die Impfzentren ausgeliefert. Das übernehmen Logistikunternehmen, die auch dafür sorgen müssen, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Der Biontech-Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden, fünf Tage hält er laut Unternehmen dann bis zur Impfung auch im Kühlschrank. Der Moderna-Impfstoff ist weniger anfällig. Er soll auch bei minus 20 Grad längere Zeit aufbewahrt werden können.

Wie sicher ist der Impfstoff?

In Deutschland wird ein Impfstoff grundsätzlich nur zugelassen, wenn er alle drei Phasen des klinischen Studienprogramms erfolgreich bestanden hat und damit hohe Qualitätsstandards erfüllt. Der Covid-19-Impfstoff durchläuft damit laut Paul-Ehrlich-Institut den gleichen Zulassungsprozess wie jeder andere Impfstoff auch. Der Prozess wurde wegen der besonderen Bedeutung des Corona-Impfstoffs lediglich beschleunigt. Es wurden durchgeführte Studien mit so vielen Teilnehmern angelegt, dass auch seltene Nebenwirkungen, die beispielsweise bei einem von tausend Menschen vorkommen, erkannt wurden.

Wie viele Menschen sollen geimpft werden?

Ziel ist, mindestens 60 Prozent der Bürger gegen das Coronavirus zu impfen, um Herdenimmunität zu erreichen. Für Hessen ist geplant, rund 3,8 Millionen der insgesamt gut sechs Millionen Einwohner zu impfen. Die Landesregierung geht davon aus, dass so viele Menschen auch geimpft werden wollen. Die Impfung ist freiwillig, es gibt keine Impfpflicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat allerdings bereits eine Diskussion über eine mögliche Impfpflicht für Beschäftigte in Pflegeberufen angestoßen. Laut hessischem Sozialministerium ist dies in Hessen nicht geplant. Man müsse aber generell alle Maßnahmen überprüfen, hieß es aus Wiesbaden.

Da mit zeitlichem Abstand zwei Impfungen bei jedem Impfwilligen nötig sind - beim Biontech-Impfstoff liegen drei bis zwölf Wochen dazwischen - müssen die Verteilung und die Verabreichung von knapp acht Millionen Impfdosen organisiert werden - und ebenso viele Impftermine.

Wer kommt zuerst an die Reihe?

Weil die verfügbaren Dosen in der ersten Zeit begrenzt sind, komen zuerst "prioritäre Gruppen" dran. In der ersten Phase des dreistufigen Impfkonzepts der Landesregierung wurden die Freiwilligen der obersten Prioritätengruppen geimpft - Bewohner in Hessens Alten- und Pflegeheimen sowie das medizinische Personal an den sechs hessischen Covid-19-Schwerpunktkliniken.

Grafik Impfstrategie Hessen

Dazu zählen das Klinikum Kassel, das Klinikum Fulda, die Uniklinik Gießen und Marburg, Helios HSK Wiesbaden, die Uniklinik Frankfurt sowie das Klinikum Darmstadt. Mobile Impfteams suchen die Alten- und Pflegeeinrichtungen in den Städten und Landkreisen auf und impfen die Bewohner vor Ort.

Am 19. Januar beginnt die zweite Stufe in der hessischen Impfstrategie. Dann soll auch das Impfen der "mobilen Ab-80-Jährigen" aus ganz Hessen in den sechs hessischen Regional-Impfzentren in Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt losgehen. Seit 12. Januar können sich die entsprechenden Personengruppen der höchsten Prioritätsgruppe über das Anmeldeportal impfterminservice.hessen.de oder per Telefon unter 116 117 sowie 0611-505 92 888 einen entspechenden Termin reservieren. Wegen des großen Zulaufs gab es am ersten Tag größere technische Schwierigkeiten.

In der dritten Stufe schließlich soll der Betrieb in allen 28 hessischen Impfzentren aufgenommen werden. Der Startzeitpunkt hängt davon ab, wie viele Impfdosen zur Verfügung stehen und ob noch weitere Impfstoffe in der EU zugelassen werden.

In dieser Phase würden auch weitere Prioritätsgruppen nach der bundesweiten Priorisierung berücksichtigt werden. Dann sollen, wenn es einen stabilen Zugang zum Impfstoff gibt, sogar bis zu 30.000 Impfungen pro Tag vorgenommen werden. In jedem Fall werden für längere Zeit längst nicht alle Impfwilligen zum Zuge kommen.

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Diese Personen gehören zur höchsten Prioritätsgruppe

Nach der Impfverordnung von Bund und Land gehören zur höchsten Prioritätsgruppe für die Corona-Schutzimpfungen Ältere ab 80 Jahren, Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen, Personal in Notaufnahmen, Corona-Stationen, Intensivstationen, dem Rettungsdienst sowie in der ambulanten Altenpflege.

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Wer arbeitet in den Impfzentren?

Neben Ärzten dürfen auch medizinische Fachangestellte sowie "geschultes, medizinisches Personal" die Impfung vornehmen, vor allem dieses Fachpersonal fehlt vielerorts noch. Für den Betrieb der Impfzentren schätzt das Land den Personalbedarf auf rund 5.000 Personen. Die Landesärztekammer rekrutiert Mitglieder, die im Ruhestand oder aus anderen Gründen nicht berufstätig sind. Auch Organisationen wie das Rote Kreuz sollen helfen. Im Frankfurter Impfzentrum sollen beispielsweise insgesamt 250 Mitarbeiter für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Wie läuft es in einem Impfzentrum ab?

In den Zentren gibt es sogenannte Impfstraßen: eine Abfolge von Stationen, über die der Impfkandidat geleitet wird. Zuerst werden die Daten erfasst, dann gibt es ein Vorgespräch mit einem Arzt, schließlich wird in Einzelkabinen die Spritze gesetzt, am Ende liegt eine Ruhezone. Trennwände schotten die einzelnen Straßen voneinander ab. Insgesamt soll der Aufenthalt nicht länger als 30 Minuten dauern. Zwei Impfungen sind nötig - man muss also zweimal hin. Der Impfschutz beginnt nach derzeitigem Kenntnisstand sieben Tage nach der zweiten Impfung. Wie lange dieser Schutz anhält, ist noch nicht bekannt. Der Impfstoff von Biontech soll nach Angaben des Unternehmens eine Wirksamkeit von 95 Prozent haben.

Wie lange dauert die Impfaktion?

Einen konkreten Zeitrahmen für die Corona-Massenimpfungen gibt es nicht. Das Land geht davon aus, dass hessenweit pro Tag rund 30.000 Menschen geimpft werden können, wenn alle 28 Impfzentren in Betrieb gegangen sind.

Liefe bei diesem Kraftakt alles wie gedacht, wäre die größte konzertierte Impfaktion Hessens so in einem Zeitraum von knapp 260 Tagen vollendet - nicht ganz neun Monate also. Die Stadt Frankfurt will in ihrem Impfzentrum in der Festhalle sogar bis zu 4.000 Menschen täglich impfen, wenn ausreichend Impfstoff vorhanden ist.

Was kostet das?

Den Impfstoff selbst bezahlt der Bund, im Etat 2021 sind vorerst 2,7 Milliarden Euro dafür reserviert. Das Land unterstützt bei der Zulieferung des Impfstoffs, außerdem stellt es das Verbrauchsmaterial (wie Kanülen und Tupfer) und Schutzausstattung für das Personal zur Verfügung.

Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) rechnet nach eigenen Angaben mit Kosten pro Impfzentrum von 1,8 Millionen Euro im Monat. Das Geld strecke er mit Schulden aus dem Corona-Sondervermögen vor. Der Bund erstatte dem Land die Hälfte zurück.

Legt man die bereits durch den Haushaltsausschuss des Landtags bewilligten 150 Millionen Euro für die ersten drei Monate zugrunde, kommen hochgerechnet bis September Kosten von bis zu einer halben Milliarde Euro auf die öffentliche Hand zu. Für alle Bürger ist die Schutzimpfung kostenlos.

Wieso kann man sich nicht beim Hausarzt impfen lassen?

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die Impfstoffe müssen bei sehr niedrigen Temperaturen gelagert werden, das geht nicht beim Hausarzt. Ein größeres Zentrum kann mehr Menschen durchschleusen. Und mit zentraler Organisation ist es leichter zu bewerkstelligen, dass zuerst diejenigen dran kommen, die am meisten gefährdet sind. Später sollen aber auch Arztpraxen eingebunden werden.

Was ist, wenn jemand nicht selbst ins Impfzentrum kommen kann?

Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gibt es mobile Impfteams. Sie fahren zum Beispiel Pflegeheime gezielt an, um die Corona-Schutzimpfung vor Ort durchzuführen. Es sollen aber auch die Heimärzte beziehungsweise die Hausärzte der Heimbewohner impfen dürfen.

Wo wird geimpft?

Grundsätzlich möglichst wohnortnah. Hessenweit wurden 28 Impfzentren aus dem Boden gestampft - in Sporthallen, Hotels, Messehallen, Kongresszentren oder sogar auf einem alten Flugplatz. Verantwortlich für die Errichtung sind die Kreise und kreisfreien Städte, örtliche Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk oder das Rote Kreuz beraten und unterstützen. An sieben Tagen die Woche von 7 bis 22 Uhr soll dort geimpft werden. Zunächst sollen am 19. Januar die sechs größten Impfzentren in Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt loslegen.

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Weitere Informationen

Adressliste der Impfzentren in Hessen

  • Bergstraße: Büro & Geschäftshaus, Berliner Ring 89, 64625 Bensheim
  • Darmstadt: Wissenschafts- und Kongresszentrum, Schlossgraben 1, 64283 Darmstadt
  • Darmstadt-Dieburg: Impfzentrum DADI Ost, Am Sportzentrum 1A, 64354 Reinheim und Impfzentrum DADI West, Ostendstraße 3, 64319 Pfungstadt
  • Frankfurt: Messehalle, Ludwig-Erhard-Anlage 1, 60326 Frankfurt am Main
  • Fulda: Kongress- und Kulturzentrum, Esperantoplatz 1, 36037 Fulda
  • Gießen: Rollermarkt, 1. OG, Ludwig-Rinn-Straße 49, 35452 Heuchelheim
  • Groß-Gerau: Sporthalle Martin-Buber-Schule, Wilhelm-Seipp-Straße 1, 64521 Groß-Gerau
  • Hersfeld-Rotenburg: Göbel Hotels Arena, Heinz-Meise-Straße 190, 36199 Rotenburg an der Fulda
  • Hochtaunus: DXC Technology Deutschland, Am grünen Weg 1, 61352 Bad Homburg
  • Kassel (Kreis): Impfzentrum LK Kassel / Alter Flugplatz, Flugplatzstraße, 34379 Calden
  • Kassel (Stadt): Großsporthalle Auepark, Damaschkestraße 25, 34121 Kassel
  • Lahn-Dill: Lahnauhalle, Geraberger Platz 2, 35633 Lahnau
  • Limburg-Weilburg: Impfzentrum Limburg-Weilburg, Senefelderstraße 2, 65553 Limburg-Dietkirchen
  • Main-Kinzig: Sporthalle der Kreisrealschule, Lohmühlenweg, 63571 Gelnhausen und August-Schärttner-Halle, Martin-Luther-King-Straße, 63452 Hanau
  • Main-Taunus: Verwaltungszentrum am Regionalparkturm, Mainzer Landstraße 500, 65795 Hattersheim
  • Marburg-Biedenkopf: Messegelände Afföller, Afföllerstraße 106, 35039 Marburg
  • Odenwald: Impfzentrum Odenwaldkreis, Obere Marktstraße / Wiesenmarktgelände, 64711 Erbach
  • Offenbach (Kreis): Campus Heusenstamm Rhein-Main, Jahnstraße 64, 63150 Heusenstamm
  • Offenbach (Stadt): Stadthalle, Waldstraße 312, 63071 Offenbach am Main
  • Rheingau-Taunus: Sporthallen am Wiesweg, Wiesweg 7, 65343 Eltville
  • Schwalm-Eder: Bersucherparkplatz der Georg-Friedrich-Kaserne, Berliner Straße, 34560 Fritzlar
  • Vogelsberg: Hessenhalle Alsfeld, An der Hessenhalle 1, 36304 Alsfeld
  • Waldeck-Frankenberg: Großsporthalle "Auf der Hauer", Karpatenstraße 20, 34497 Korbach
  • Werra-Meißner: Großsporthallen der beruflichen Schulen sowie des Oberstufengymnasiums, Südring 37, 37269 Eschwege
  • Wetterau: Gewerbehalle, Industriestraße 46, 63654 Büdingen
  • Wiesbaden: Rhein Main Congress Center, Friedrich-Ebert-Allee 1, 65185 Wiesbaden
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