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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Groß-Gerau führt Maskenpflicht im Unterricht ein

Schüler mit Masken vor einem Hinweisschild zur Maskenpflicht

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in mehreren Landkreisen und Städten ist zum Start ins neue Schuljahr sprunghaft angestiegen. In Offenbach gelten bereits verschärfte Maßnahmen. Groß-Gerau zieht nach.

Mit dem Ferienende stiegen vielerorts die Corona-Infektionszahlen. Neben der Stadt Offenbach überschritten am Montag nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) auch der Kreis Groß-Gerau und die Stadt Wiesbaden die kritische Marke von 20 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz).

Ab diesem Wert gilt nach dem Eskalationskonzept der Landesregierung eine erhöhte Aufmerksamkeit. Erste lokale Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sind möglich. So gehen die betroffenen Kreise und Städte mit dem Anstieg um:

Maskenpflicht im Unterricht für Teile des Kreises Groß-Gerau

Eigentlich gilt zum neuen Schuljahr eine Maskenpflicht nur bis zum Betreten des Klassenzimmers. Als erster Kreis in Hessen hat nun aber der Landkreis Groß-Gerau am Montag eine Maskenpflicht auch im Unterricht beschlossen. Diese gilt bis zum 30. August und zunächst nur für den Nordkreis - also Rüsselsheim, Raunheim, Kelsterbach, Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg, wie eine Sprecherin auf hr-Anfrage bestätigte.

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 22 habe Groß-Gerau die zweite Warnstufe erreicht. "Wir beobachten zurzeit keine spezifischen Infektionsherde, sondern eine diffuse Ausbreitung", sagte die Leiterin des örtlichen Gesundheitsamts, Angela Carstens. Bei den Infizierten handele es sich vorrangig um Urlaubsrückkehrer.

Da aus Risikogebieten zurückgekehrte Kinder nach einem negativen Testergebnis wieder in die Schule geschickt werden dürften, habe der Kreis die Maskenpflicht ausgeweitet: "Die Tests sind ja immer nur eine Momentaufnahme", sagte Carstens. Viele Familien seien erst am Wochenende aus dem Urlaub zurückgekommen. "Wir möchten verhindern, dass jetzt komplette Klassen in Quarantäne geschickt werden." Deshalb werde auch der Sportunterricht auf Theoriestunden beschränkt.

Keine Schließung von Geschäften oder Restaurants

Das Schulamt hatte den Schulträgern bereits am Sonntag empfohlen, die Maskenpflicht in Groß-Gerau auf den Unterricht auszuweiten. Im Südkreis gilt diese Empfehlung weiterhin. Am Dienstag wird der Krisenstab des Landkreises zudem weitere Maßnahmen diskutieren - etwa in Bezug auf Veranstaltungen. Geschäfte oder Restaurants zu schließen, ist nach Aussage der Gesundheitsamtsleiterin aber keine Option: "Wenn wir die Leute in den finanziellen Ruin treiben, macht das auch krank."

Gesundheitsdezernent Walter Astheimer (Grüne) mahnte am Wochenende in einem Videobeitrag zur Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln sowie der Maskenpflicht. "Corona ist noch nicht vorbei", sagte Astheimer. Er rief außerdem dazu auf, den Corona-Drive-In zu nutzen. Dieser war wegen der zahlreichen Urlaubsrückkehrer wieder geöffnet worden. Sie können sich dort innerhalb von 72 Stunden kostenlos testen lassen.

Offenbach verlängert verschärfte Maßnahmen

In der Stadt Offenbach gelten bereits seit zwei Wochen verschärfte Corona-Regeln: Öffentliches Grillen oder Picknicken ist verboten, in Restaurants müssen Gäste auf dem Weg zum Tisch wieder eine Maske tragen, in Bussen und Bahnen wird die Einhaltung der Maskenpflicht verschärft kontrolliert. Da die Sieben-Tage-Inzidenz noch immer bei rund 33 Fällen liegt, wurde zum Wochenbeginn erneut beraten, wie das Virus eingedämmt werden kann. Die bisher geltenden Maßnahmen aus der Stufe ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen wurden verlängert, wie ein Stadtsprecher am Dienstag sagte.

Auch Wiesbaden erreicht kritischen Wert

Die Stadt Wiesbaden steuert ebenfalls auf eine Warnstufe zu. Laut RKI lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Montag bei 20,8 und damit knapp über der ersten kritischen Schwelle von 20 Neuinfektionen. Auf Anfrage hieß es am Montag bei der Stadt allerdings, davon sei noch nichts bekannt. Derzeit gehe "alles seinen normalen Gang".

Die Infektionszahlen würden schwanken, Maßnahmen seien deshalb vorerst nicht erforderlich. Die Stadt wolle vielmehr abwarten, wie sich die Neuinfektionen nach den am Wochenende üblichen Verzögerungen entwickelten.

Kassel macht die bayerische Corona-Panne zu schaffen

Auch in der Stadt Kassel sind die Zahlen der Infizierten wieder angestiegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag für die Stadt am Montag bei 18,3 - und damit ebenfalls nah an der kritischen Marke von 20 Fällen. Neben einer Familienfeier in Rheinland-Pfalz machten Reiserückkehrer aus der Balkanregion den Großteil der Neuinfizierten aus, teilte die Stadt mit.

Dabei bereitet der Stadt die Panne bei den Corona-Tests in Bayern Schwierigkeiten: Die Urlauber seien bei der Einreise nach Deutschland an der bayerischen Grenze getestet worden. Die Testergebnisse seien der Stadt und den Betroffenen allerdings erst Tage später übermittelt worden, erst am Freitag habe man davon erfahren. Positiv-Getestete hätten nichts von ihrer Infektion gewusst. Einige von ihnen seien mehr als eine Woche lang ohne Vorsichtsmaßnahmen unterwegs gewesen.

Die Stadt müsse nun mühsam alle Kontaktpersonen ermitteln und Quarantänen anordnen, das sei "sehr schwierig", erklärte Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD). Das Gesundheitsamt sei personell aufgestockt worden. Lokale Einschränkungen werde es aber zunächst nicht geben, teilte Geselle mit.

Sendung: hr-iNFO, 17.08.2020, 17.57 Uhr