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zum Video Künstler auf dem Schulhof: "Ich komme nicht bloß für ein paar Stunden eingeschwebt"

Wie kommen Schüler im ländlichen Raum mit Kunst in Kontakt? Zum Beispiel, indem die Kunst zu ihnen kommt. Ein Pilotprojekt auf einem Schulhof im mittelhessischen Wetter will den Kindern außerdem eines geben: Mut.

Noah Koch ist elf Jahre alt und besucht die sechste Klasse der IGS Wollenbergschule in Wetter (Marburg-Biedenkopf). Gefragt nach dem Projekt "Das fliegende Künstlerzimmer", sagt er: "Ich finde das richtig cool." Immer wieder besucht er in seiner Pause das mobile Container-Atelier des Künstlers und DJs Jan Lotter, das der 40-Jährige auf den Schulhof hat stellen lassen. Die Türen hier sind immer geöffnet. Lotter will den Schülern einen neuen Blick auf Kunst und die Welt eröffnen.

Die Schüler kommen freiwillig

"Es geht darum, Leben zu gestalten", beschreibt Lotter das Projekt. Zeichnen, Audiomixe auf einem Mischpult erstellen, Playlists zusammenstellen: Die Schüler können mit ihm gestalten und Kunst so interpretieren, wie sie es möchten - freiwillig, auf Eigeninitiative.

Ein Jahr lang arbeitet und wohnt der Künstler drei Tage die Woche in dem Atelier auf dem Schulhof der IGS. Das Atelier ist ein großer Schiffcontainer, in dem ein Mischpult steht und bunte Tiermasken, Zeichnungen und Fotos an den Wänden hängen. Direkt daneben: ein Bett, eine Küchenzeile und ein kleines Bad. "Dass der Künstler immer vor Ort ist, ist Teil des Projekts", sagt Lotter.

Mehr kulturelle Angebote im ländlichen Raum

"Das Interesse der Kinder an Kunst und Kultur ist groß", erklärt die Schuldirektorin Barbara Burggraf. Gemeinsam mit dem Kultus- und dem Wissenschaftsministerium sowie dem Landkreis Marburg-Biedenkopf hat sie das Projekt zu Schuljahresbeginn gestartet. Gerade im ländlichen Raum bräuchten Schüler mehr kulturelle und künstlerische Angebote.

"Bei Kunst gibt es kein richtig oder falsch", erklärt Lotter weiter. Selbstbewusst eine eigene Meinung zu vertreten und den Mut aufzubringen, selbst etwas zu gestalten, das möchte er im "Fliegenden Künstlerzimmer" vermitteln.

Lehrer können fächerübergreifend ihren Unterricht mit Lotter gestalten. Auch chemische Reaktionen könnten beispielsweise künstlerisch verstanden werden, sagt Lotter. "Wie kann ich Dinge verändern?" sei hierbei die Frage.

Vertrauen durch das Duzen

Auch die Schülerinnen Mira, Ellen und Lena nutzen das fliegende Künstleratelier und erstellen mit Lotter in ihrer Mittagspause eine Playlist. Künftig soll zu Schulbeginn und zu Schulende in der Eingangshalle Musik laufen - dafür suchen sie gemeinsam mit dem DJ Musik aus.

"Es macht Spaß, weil es locker ist, weil wir unsere eigene Meinung äußern dürfen", sagt Ellen. Ihr gefällt auch, dass Lotter und die Schüler sich duzen. Das baue Vertrauen auf, erklärt der Künstler.

Nach dem Jahr in Wetter soll das fliegende Künstleratelier an eine andere Schule kommen, mit einem anderen Künstler. Bis dahin hat Lotter noch viel Zeit, den Schülern Kunst aus ihrer eigenen Perspektive zu zeigen.

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"Das fliegende Künstlerzimmer"

"Das fliegende Künstlerzimmer" ist eine Initiative der Crespo Foundation in Zusammenarbeit mit dem Land Hessen, dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und der IGS-Wollenbergschule Wetter. Das mobile Künstleratelier wurde von den Architekten Nikolaus Hirsch und Michel Müller entworfen.

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