Straßenschild "Europastraße", im Hintergrund der Europakreisel.

Jedes Jahr vergibt der Europarat an ein paar Kommunen ihre "Ehrenplakette" - diesmal auch an die mittelhessische Kleinstadt Aßlar. Dort spielt Europa tatsächlich eine große Rolle, von der Schule bis zum Kreisverkehr.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bürgermeister Schwarz und andere über die Europastadt Aßlar

Aßlars Bürgermeister Schwarz mit einem Teller, der die Wappen der Partnerstädte zeigt.
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Das EU-Parlament, der nächste Urlaub, Fördergelder für Naturschutzprojekte - häufig sind das die ersten Assoziationen beim Thema Europa. Oder eben Aßlar. Denn die nur scheinbar unscheinbare Kleinstadt im Lahn-Dill-Kreis hat nun eine der höchsten Auszeichnungen des Europarats erhalten, die sogenannte Ehrenplakette, als eine von nur acht Kommunen in Europa. Die Plakette ist die zweithöchste Auszeichnung, die es für Städte vom Europarat gibt, danach kommt nur noch der Europapreis.

Bürgermeister Christian Schwarz (parteilos) freut sich sehr über die Auszeichnung, schließlich sei der europäische Gedanke schon sehr lange in Aßlar beheimatet - nicht nur, weil es hier eine Europa-Straße und einen Europa-Kreisverkehr gibt: "Wir haben mit der Stadt Saint-Ambroix in Südfrankreich seit 55 Jahren eine Städtepartnerschaft, mit Jüterbog in Brandenburg seit 30 Jahren. Und seit dem vergangenen Jahr haben wir eine neue Städtepartnerschaft mit Fossato di Vico in Italien."

Deutsch-italienische Grill-Fachleute

Diese Partnerschaften würden von den Bürgern gelebt und über Jahrzehnte mit Leben gefüllt: Gemeinsame Feste, viele gegenseitige Besuche - durch das starke ehrenamtliche Engagement der Bürger in den örtlichen Vereinen seien viele Freundschaften entstanden. Probleme mit der Kommunikation gebe es nicht, auch bei ihm nicht, wenn er mit seinen Amtskollegen telefoniert oder sich mit ihnen trifft: "Das meiste läuft auf Englisch, zur Not kommunizieren wir aber auch mit Händen und Füßen."

"Im vergangenen Jahr zur Partnerschaftsfeier kamen Mitglieder des örtlichen Barbecue-Vereins aus Fossato di Vico mit", erzählt Schwarz. Da in Aßlar-Werdorf ein Grillverein bestehe, "haben wir die Leute sofort zusammengeführt". Eigentlich sei in diesem Jahr ein großes Wiedersehen mit Grillfest in Italien geplant gewesen, das sei jedoch im Zuge der Corona-Beschränkungen ausgefallen.

"Zu Isa und Enrico statt einfach nach Italien"

Apropos Vereine: Neben der örtlichen Deutsch-Französischen Gesellschaft gibt es in Aßlar auch den Verein "Aßlar, Partner in Europa". Dessen Vorsitzende Gudrun Esch sagt, dass die individuellen Begegnungen der Menschen das A und O seien, gerade auch, um den aufkeimenden Nationalismus zu bekämpfen. "Es ist was andres, wenn ich jemanden kenne. Wenn ich nicht nach Italien fahre, sondern zu Isa und Enrico."

Roland und Gudrun Esch vom Verein "Aßlar, Partner in Europa."

Und damit der Nationalismus-Gedanke erst gar nicht entsteht, fördert auch die Alexander-von-Humboldt-Schule den Austausch mit Schulen in Spanien und Frankreich, auch dank des Erasmus-Plus-Programms der Europäischen Union. Schulleiter Peter Schmitt erklärt: "Dadurch müssen die Kinder nichts mehr für den Austausch bezahlen, nicht einmal Fahrtkosten." So könne "jedes Kind, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, mitfahren."

800 Schüler aus 40 Nationen

Beide Programme, nach Spanien und Frankreich, würden sehr gut angenommen, sagt Schmitt - und Jugendliche von dort kämen auch sehr gerne nach Aßlar. Das helfe den Schülern, über ihren Tellerrand hinaus zu schauen. Und für die spätere Berufswahl sind Fremdsprachenkenntnisse ohnehin kein Fehler.   

Schulleiter Peter Schmitt.

Für die besonders Engagierten an der Alexander-von-Humboldt-Schule gibt es noch "Model United Nations", bei dem Schülerinnen und Schüler von unterschiedlichen Schulen in Europa zusammenkommen und in einer Simulation ein Land vertreten und dessen Positionen verteidigen.

Übrigens: 800 Schüler aus 40 Nationen besucht die Alexander-von-Humboldt-Schule, sagt Schmitt. Auch das fördere einen Zusammenhalt, der für den Europäischen Gedanken nur gut sein könne.

Weitere Informationen

Ehrenplakette des Europarats

Gemeinden, die schon seit mehreren Jahren Träger der Ehrenfahne sind, können mit der Ehrenplakette ausgezeichnet werden. Die Gemeinde muss sich darum bewerben. Die Ehrenplakette ist eine Vorstufe zur höchsten Ehrung, dem Europapreis. In Hessen sind bislang vier Städte und Gemeinden mit dem Europapreis ausgezeichnet worden: Offenbach (1956), Darmstadt (1975), Braunfels (1981) und Hünfeld (2011).

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr4, die hessenschau in Mittelhessen, 22.07.2020, 15.30 Uhr