Grafik von einem Trabi, der durch die Mauer bricht, und Arndt Macheledt, der über sein Interesse an der Geschichte der deutschen Teilung berichtet

Zum 30. Jahrestag berichten hier Hessen, was der Mauerfall für sie persönlich bedeutet. Heute: Arndt Macheledt. Der 30 Jahre alte Historiker fühlt sich als Kind der deutschen Teilung und arbeitet in der Gedenkstätte Point Alpha.

Am 9. November 1989 fiel die Mauer, die seit 1961 Ost- von West-Berlin getrennt hatte. In den folgenden Monaten wurden sämtliche Grenzübergänge zwischen der BRD und der DDR geöffnet. Von Thüringen strömten die Menschen in Trabis nach Hessen, wo vorher Minenfelder, hohe Zäune, Selbstschussanlagen und Grenzschützer das verhindert hatten.

In einer Serie auf hessenschau.de erzählen bis Samstag, 9. November, Zeitzeugen, gebürtige Ostdeutsche und Nachgeborene, was sie mit dem Mauerfall verbinden. An dieser Stelle schreibt Arndt Macheledt. Er kam im Dezember 1988 im Kreis Hersfeld-Rotenburg zur Welt, wuchs im ehemaligen Grenzgebiet auf, hat Verwandte in Thüringen und beschäftigt sich auch beruflich mit der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands. Der 30 Jahre alte Historiker arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Point Alpha Stiftung in der gleichnamigen Gedenkstätte.

Arndt Macheledt, Historiker in der Gedenkstätte Point Alpha, an einem schwarz-rot-goldenen Grenzstein an der früheren innerdeutschen Grenze

Der 9. November 1989 hat eine große Bedeutung in meinem Leben, auch wenn ich damals erst zarte elf Monate alt war. Aufgewachsen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, war die Grenze zu Thüringen für mich als Kind nicht weit entfernt. Gern und oft habe ich mit meinen Eltern Verwandte in Eisenach besucht und nach dem Abitur dort auch ein Jahr für die evangelisch-lutherische Landeskirche in Thüringen gearbeitet.

Weitere Informationen

4. November: Ein Ostdeutscher im Rhein-Main-Gebiet
5. November: Der Bürgermeister einer früheren Grenzstadt
6. November: Eine junge politik- und geschichtsinteressierte Frankfurterin
7. November: Aufgewachsen im Schatten der hessisch-thüringischen Grenze
8. November: Von Berufs wegen Grenzgänger
9. November: Eine Frau, die ohne Mauerfall ihren Partner nicht hätte

Ende der weiteren Informationen

Die familiären Erzählungen über die deutsche Teilung aus der Ost- und Westperspektive haben mich immer interessiert. Mein Vater floh mit seinen Eltern und Geschwistern 1961, wenige Wochen vor dem Mauerbau, über West-Berlin nach Hessen, wo er später meine Mutter kennen lernte. Ich kann mich also als ein Kind der deutschen Teilung bezeichnen.

Dass ich bei Point Alpha arbeite, kann kein Zufall sein

Unser Nachbarbundesland hat mich als geschichtsinteressierten Menschen schon immer aufgrund seines kulturellen Reichtums - ich denke da nur an die Wartburg oder die Klassikerstadt Weimar - fasziniert. So entschied ich mich dann auch, Geschichte zu studieren. Ich habe mich intensiv mit der deutschen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinandergesetzt. Nach dem Studium verschlug es mich dann wieder in die Heimat.

Heute arbeite ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gedenkstätte Point Alpha bei Rasdorf (Fulda), unmittelbar an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Das Thema begleitet mich also weiter, und dabei nur an Zufall zu glauben, fällt mir als Christ schwer.

Wie kann man nur Zustände in der Diktatur verharmlosen?

Ich wohne im Kreis Fulda und arbeite im thüringischen Geisa, bin also ein täglicher Grenzgänger, führe Besucher über den ehemaligen Todesstreifen und forsche über die Entwicklungen auf beiden Seiten des "Eisernen Vorhangs". Fast täglich höre oder lese ich Geschichten über das Leben im Sperrgebiet der DDR, getrennte Familien oder die Repressionen in der Diktatur.

Irritierend ist es dann, wenn man immer noch Stimmen - teilweise sogar aus meiner Generation - hört, die diese Zustände verharmlosen oder verklären.

Ich bin froh, in einem geeinten Deutschland aufgewachsen zu sein. Ohne die Grenzöffnung und die Wiedervereinigung wäre mein Leben sicher anders verlaufen.