Clubhouse Sujet

Um Clubhouse hat sich ein Hype entwickelt. Wie finden die ersten hessischen Nutzer die App? Und wie steht es um den Datenschutz?

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Eigentlich trifft Persönlichkeitscoach Olivia Heider ihre Klienten zu Einzelgesprächen oder Gruppenterminen. Wegen Corona geht davon vieles nicht mehr. Als sie zum ersten Mal von der App Clubhouse hörte, habe sie gedacht: "Genial, hier geht es nicht ums Aussehen. Es geht nur darum, was du sagst", erzählt die 30-Jährige aus Langen (Offenbach).

Sie entschied sich, die App beruflich einzusetzen. "Hier können mich Leute kennen lernen. Ich kann ihnen erzählen, was ich mache, und danach können wir entscheiden, ob sich daraus was entwickelt", sagt Heider.

Viele Räume mit Live-Gesprächen

Clubhouse ist eine Audio-App, die im vergangenen Jahr in den USA entwickelt wurde und seit wenigen Tagen auch in Deutschland von immer mehr Smartphone-Nutzern heruntergeladen wird. Am Montag verdrängte die App den Messenger-Dienst Telegram von Platz zwei der am häufigsten heruntergeladenen Gratis-Apps im Apple-Store.

Auf Clubhouse unterwegs: Olivia Heider aus Langen

Clubhouse funktioniert wie eine themenbasierte Telefonkonferenz. Wer sich dort registriert, kann in einem sogenannten Room bei Live-Gesprächen zuhören oder selbst eine Unterhaltung anstoßen. Im Prinzip erinnert die App an eine Podiumsdiskussion: mit Moderator, Sprechern und Zuhörern. Wer reden möchte, hebt eine virtuelle Hand. Der Moderator entscheidet, wer sprechen darf. Ansonsten sind alle Zuhörer auf stumm geschaltet.

Anders als bei Facebook, Twitter und Instagram, die von Fotos und Kommentarspalten leben, steht bei Clubhouse das gesprochene Wort im Mittelpunkt, ähnlich wie bei einem Podcast. Allerdings kann ein Clubhouse-Gespräch weder angehalten, zurückgespult oder nachgehört werden.

Auch die Jusos sind dabei

Zu den ersten Anwendern in Hessen gehören die Jusos. Vorstandsmitglied Rachid Khenissi lobt die ruhige und sachliche Diskussionskultur. "Auf Clubhouse geht es weniger um Kampf und Punchlines, wie etwa auf Twitter", sagt er. Was Khenissi nicht so gut findet: Wer nicht oder schwer hören kann, kann die App nicht nutzen. Exklusion statt Inklusion.

Die App könne eine Plattform werden, "auf der wir präsent sind, um junge politikinteressierte Menschen zu erreichen, zu Themen wie Klimaschutz oder Bildung während Corona", ergänzt Jusos-Landesvorsitzende Sophie Frühwald. Denkbar seien zum Beispiel Gesprächsräume mit jungen Kandidaten der Kommunalwahl.

Sophie Frühwald, die hessische Landesvorsitzende der Jusos

Dass Clubhouse in der Politik angekommen ist, mag nicht zuletzt daran liegen, dass am vergangenen Wochenende zahlreiche Politiker, Journalisten und Aktivisten wie FDP-Chef Christian Lindner, ZDF-Moderatorin Dunja Hayali und Klimaaktivistin Luisa Neubauer auf Clubhouse unterwegs waren. So lauschten etwa 1.000 Menschen Digitalministerin Dorothee Bär (CSU) und anderen, wie sie über "Diversity Jahr 2021" sprachen.

Audios landen in der amerikanischen Cloud

Doch es gibt auch Kritik: Die aktuelle Einladungspolitik der App trägt laut Digitalexperte Dennis Horn dazu bei, "dass die App von einer Elite bevölkert wird". Registrieren darf sich nur, wer eingeladen wird. Jede eingeladene Person darf nur maximal zwei weitere Personen einladen. "Das führt dazu, dass immer die gleichen Leute solche Plattformen bevölkern." Die Nutzerschaft sei aktuell "wenig divers und stark männlich geprägt", sagt Horn.

hr-Multimedia-Redakteur Udo Langenohl sieht vor allem zwei Punkte kritisch: die Verfügbarkeit und den Datenschutz. Bislang sei die App nur für iPhone-Nutzer zugänglich. "Über 80 Prozent der Smartphone-Nutzer können sich die App also aktuell gar nicht herunterladen, weil ihr Gerät über ein Android-Betriebsystem läuft."

Auch die Datenschutzregeln sind laut Langenohl abwegig: "Wer sich registriert, willigt ein, dass der Hersteller auf die gesamte Adressliste seines Handy zugreift." Zudem würden alle Gespräche und Audios komplett mitgeschnitten und landeten in der Cloud des Herstellers in den USA.

Die richtige App in der Corona-Zeit?

Social-Media-Experte Horn schätzt die Überlebenschance der App als eher gering ein. Die Idee der Live-Audio-Gespräche sei einfach zu kopieren. Es sei damit zu rechnen, dass bald auch Facebook oder Twitter mit einem ähnlichen Angebot an den Start gehe.

Worin sich Digital-Experten Langenohl und Horn einig sind: Der Hype um Clubhouse ist vor allem Corona geschuldet. Wer von Lockdown-Langeweile geplagt sei und gerade auf keine Party gehen könne, der melde sich eben bei Clubhouse an. Vorausgesetzt natürlich, man hat ein iPhone und wird eingeladen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 22.01.2021, 19.30 Uhr