Audio

Virologe Martin Stürmer zu Impfdurchbrüchen

Immer mehr Menschen lassen sich gegen Corona impfen. Zugleich steigt die Zahl der Impfdurchbrüche. Wer davon besonders betroffen ist, und warum die Spritzen gegen Covid-19 trotzdem wirksam sind.

Die Corona-Infektionszahlen in Hessen steigen weiter - und immer wieder erkranken auch doppelt Geimpfte. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Wochenbericht mitteilt, liegt das aber nicht nur am Nachlassen des Impfschutzes. Wen treffen Impfdurchbrüche besonders häufig, und wie kann man sich schützen? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wie viele der an Covid-19 Erkrankten sind vollständig geimpft?

In Deutschland gibt es unter den Covid-Kranken deutliche Unterschiede bei der Sieben-Tage-Inzidenz unter Geimpften und Ungeimpften. Bei den ungeimpften Über-60-Jährigen lag sie zum Beispiel in der zweiten Novemberwoche bei fast 138, während sie bei den Geimpften in dieser Altersgruppe nur rund 51 betrug.

Laut Robert-Koch-Institut belegen die deutlich niedrigeren Inzidenzen bei Geimpften die "ausgeprägte Wirksamkeit" der Impfung. Unter den Geimpften habe es immer deutlich weniger symptomatische Fälle und Krankenhauseinweisungen gegeben als bei Ungeimpften.

In Hessen weist das Sozialministerium die Inzidenz nicht mehr getrennt nach Geimpften und Ungeimpften aus und konnte auch auf hr-Anfrage keine aktuellen Daten dazu bereitstellen.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Datawrapper (Datengrafik) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Datawrapper (Datengrafik). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Warum gibt es bei steigender Impfquote immer mehr Impfdurchbrüche?

Der Anteil der Geimpften an den Corona-Intensivpatientinnen und -patienten in Hessen steigt, wie Daten des Sozialministeriums zeigen. Am 25. November waren 55,7 Prozent der Corona-Intensivpatienten in Hessen ungeimpft oder nur teilgeimpft, während 37,7 Prozent vollständig geimpft waren. Zum Vergleich: Zwei Monate vorher, am 25. September, waren 79 Prozent der Corona-Intensivpatienten nicht vollständig geimpft - 15 Prozent waren vollständig geimpft.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bedeutet das nicht, dass die Impfung nicht wirken würde. Obwohl die Impfstoffe sehr wirksam seien, könnten sie Infektionen bei Geimpften nicht zu 100 Prozent verhindern. Man müsse Impfdurchbrüche vor dem Hintergrund der Impfquote betrachten.

Das bedeutet: Je höher die Impfquote in einer Bevölkerungsgruppe sei, umso größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass darin auch Geimpfte infiziert seien. Da in Hessen aktuell 70,8 Prozent der Bevölkerung komplett geimpft ist, sind die teilweise oder nicht Geimpften bereits in einer Minderheit - stellen aber noch die Mehrheit der Intensivpatienten. Bei einer theoretisch angenommenen Impfquote von 100 Prozent wäre jede Infektion ein Impfdurchbruch.

Wie aber der Unterschied in den Inzidenzen nach Impfstatus belegt, ist die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, für Geimpfte deutlich geringer als für Ungeimpfte. Virologen wie Sandra Ciesek vom Frankfurter Uniklinikum weisen darauf hin, dass der aktuell verfügbare Impfstoff vor allem vor schweren Erkrankungen schützen soll.

Bei welchen Impfstoffen kommen Impfdurchbrüche häufiger vor?

Aus Zahlen des RKI geht hervor, dass Impfdurchbrüche bei den Impfstoffen von Johnson & Johnson sowie AstraZeneca häufiger vorkommen als bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna.

Demnach gab es von Anfang Februar bis Mitte November in Deutschland 176.758 Impfdurchbrüche nach Biontech-Impfungen, 29.304 bei Geimpften mit Johnson & Johnson, 21.397 bei AstraZeneca-Geimpften und 13.401 nach Moderna-Impfungen. Vergleicht man diese Zahlen mit der Gesamtzahl der vollständigen Impfungen mit dem jeweiligen Impfstoff, ist der Anteil der Impfdurchbrüche bei Johnson & Johnson am höchsten.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt daher Menschen, die mit Johnson & Johnson geimpft wurden, eine zusätzliche Impfung mit einem mRNA-Impfstoff ab vier Wochen nach ihrer ersten Impfung.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Datawrapper (Datengrafik) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Datawrapper (Datengrafik). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

In welcher Altersgruppe ist das Risiko für einen Impfdurchbruch besonders hoch?

Nach den Zahlen des Robert-Koch-Instituts für den Zeitraum von Mitte Oktober bis Mitte November treten Impfdurchbrüche vor allem bei Menschen über 60 Jahren auf. Bei den 18- bis 59-Jährigen traten 48,8 Prozent aller symptomatischen Covid-19-Fälle bei Geimpften auf. Demgegenüber machten bei den Über-60-Jährigen die Geimpften 71,4 Prozent der symptomatischen Fälle aus.

Betrachtet man die Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, hatten bei den 18- bis 59-Jährigen die Geimpften einen Anteil von 15,3 Prozent - bei den Über-60-Jährigen waren von allen Covid-Intensivpatienten 46,4 Prozent geimpft.

Laut RKI ist das unter anderem mit der hohen Impfquote in dieser Altersgruppe (in Hessen aktuell fast 85 Prozent) zu erklären. Die Gesamtzahl der Geimpften ist bei ihnen deutlich höher als die der Ungeimpften. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn ihr Anteil an den Covid-Patienten höher ist - unter ihnen sind die Ungeimpften allerdings weiterhin überproportional vertreten.

Da bei vielen Über-60-Jährigen die Impfung länger als sechs Monate zurückliegt, geht das RKI aber auch davon aus, dass die Schutzwirkung mit der Zeit nachlässt. Vor Krankenhausaufenthalten und Tod seien Geimpfte aber weiterhin sehr gut geschützt.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Datawrapper (Datengrafik) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Datawrapper (Datengrafik). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Warum sind jetzt Booster-Impfungen nötig?

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer erklärt dazu im Gespräch mit dem hr: "Wir wissen, dass nicht jede Impfung eine lebenslange Immunität bietet. Wir haben auch bei der Sars-CoV-2-Impfung gesagt: Es wird die Zeit kommen, dass wir uns alle nachimpfen lassen müssen."

Wer sich nach fünf oder sechs Monaten eine Booster-Impfung geben lässt, erziele eine zusätzliche Verstärkung bei der Immunität. Diese sei dann sogar noch größer als nach der Zweitimpfung. "Wir gehen davon aus, dass die Wirkung dann deutlich länger anhält als das halbe Jahr, das wir kennen", erklärt Stürmer.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen