Sonne scheint durch schneebedeckte Nadelbäume
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Wann wird's zum Fest mal wieder richtig Winter? In diesem Jahr offensichtlich nicht. Das war spätestens dann klar, als es vorige Woche schneite. Weiße Weihnachten kommen sowieso viel seltener vor, als man glaubt. Oder ist doch der Klimawandel schuld? Ein paar Fakten zu einem Mythos.

Gibt es weiße Weihnachten? Diese Frage bekommt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst jedes Jahr gestellt – etwa ab September. Und dann sagt der DWD-Meteorologe: "Klar gibt es die. Und das schon seit 120 Jahren. Zwar auf der Zugspitze, aber es gibt sie."

In Hessen ist die weiße Weihnacht deutlich seltener, wie unsere interaktive Karte zeigt: Darauf kann man sehen, wann und wo über die Weihnachtstage mindestens ein Zentimeter Schnee lag. Farblich dargestellt ist die Temperatur über Weihnachten. Blau steht für Temperaturen unter null Grad, rot/braun für Temperaturen diesseits des Gefrierpunkts.

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Hier noch drei Merksätze zum Thema.

Wenn es schon geschneit hat, wird Weihnachten nass.

Die genaue Frage, ob und wie viel Schnee an Weihnachten liegen wird, lässt sich über einen längeren Zeitraum nicht vorhersagen. Wissenschaftlich kann diese Prognose lediglich über sieben Tage für einen genauen Ort erfolgen.

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Prognose

Kurz und übersichtlich gibt die Internetseite gibtesweisseweihnachten.de Antwort auf die Frage aller Fragen.

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Allerdings gibt es einen interessanten Effekt: Wenn es schon geschneit hat, so wie in diesem Jahr, kann man ziemlich sicher sagen, dass es keine weiße Weihnachten geben wird. Pünktlich zu den Festtagen wird es milder und nasser. Der Regen taut dann den restlichen Schnee weg.

Die Meteorologen nennen das Phänomen Weihnachtswettersingularität und haben es in der Vergangenheit häufig beobachten können. Das Winterweihnachten 2017 liegt somit voll im Trend.

Früher war auch nicht alles besser.

Weiße Weihnachten sind grundsätzlich eher die große Ausnahme, gerade in den niedrigen Regionen. Im ohnehin aufgeheizten Ballungsraum Frankfurt gab es in der Vergangenheit laut Andreas Friedrich vom DWD etwa alle zehn Jahre weiße Weihnachten, und das seit Beginn der zuverlässigen deutschlandweiten Wetteraufzeichnungen vor über 100 Jahren. Daran hat sich auch nicht viel geändert – noch nicht.

Ja, aber der Klimawandel? Den gibt es, unbestreitbar. In den vergangenen 100 Jahren ist es im Schnitt gut ein Grad wärmer geworden. Auf das Zufallsereignis Weiße Weihnachten wirke sich das allerdings noch nicht so stark aus, wie man vielleicht erwarten könnte, sagt Friedrich. Das Wetter insgesamt schwanke eben sehr stark: Zwischen einem klirrend kalten und einem lauen Winter liegen schon mal zehn Grad Unterschied – ob dann genau an den drei besagten Tagen im Dezember Schnee liegt, ist mehr als alles andere ein Zufall.

Okay, manchmal war früher schon alles besser.

1981 zum Beispiel. Ein klirrend kalter Winter, der über die Weihnachtstage über einen Meter Schnee auf der Wasserkuppe ablud – Rekord in den vergangenen 30 Jahren. Da Menschen sich an extreme Ereignisse deutlicher erinnern als an durchschnittliche, prägt dieser Winter bei Menschen, die ihn erlebt haben, das Bild von den weißen Weihnachten.

Videobeitrag

Video

zum Video Schnee, Schnee, Schnee - hessenschau-Beitrag aus dem Rekordwinter 1981

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Oder auch ein Winter wie der von 1990: Kräftiger Schneefall in den Tagen vor Weihnachten und unmittelbar danach frühlingshafte Temperaturen – Schnee und Sonne, wer würde an ein solches Weihnachten nicht mit wohliger Wärme zurückdenken?

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Weiße Weihnachten und der Klimawandel

Für Experten ist es unbestritten: Hessen wird wärmer. Auch wenn einzelne Ausreißer das Bild verfälschen können: Der Blick auf lange Zeiträume zeigt, dass der Klimawandel eine Tatsache ist. Vergleicht man den Zeitraum zwischen 1951 und 1981 mit den 30 Jahren danach, hat die Durchschnittstemperatur im Jahresmittel um 0,6 Grad zugenommen.
Schnee werde damit in Hessen immer unwahrscheinlicher, sagt Heike Hübener vom Fachzentrum Klimawandel des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Klimaeffekte treten mit großer Verspätung auf - die heute in die Atmosphäre gepusteten Klimagase werden sich erst in Jahrzehnten auswirken. Daher glaubt Hübener, dass Schnee in Deutschland bald so gut wie verschwunden sein wird: "Dann werden die Menschen auf die höchsten Berge fahren, um sich mal Schnee anzuschauen."

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Von Jan Eggers, Hanne Rejzek, Niklas Diemer, Pascal Winkler und dem Datenjournalismus-Team der Hochschule Darmstadt